Entstehung der Weidenkirche

Konzeption und PlanungWorkcamp I und IIEinweihungBilder und Blog
Der Landesjugendkonvent stellt an seiner Vollversammlung im Mai 2006 die Umrisse der Weidenkirche
Der erste Spatenstich im Oktober 2006

Jetzt, wo die Kirche steht, ist es schwer vorstellbar, wie viel Mühe es gekostet hat, sie aufzustellen. In zwei Workcamps ? in den Osterferien 2007 ? wurde die Weidenkirche fertig gestellt. Über 100 Jugendliche, Ehrenamtliche und Hauptberufliche, aber auch ehemalige Mitarbeiter der EJB stellten ihre Arbeitzeit und Kraft zur Verfügung. Anleitung und Begleitung erhielt die Gruppe von zwei erfahrenen Bauleitern: Fritz Halbmeier, pensionierter Baumeister aus Suffersheim (bei Pappenheim) und Achim Büch, Forsttechniker der Jugendwerkstatt Langenaltheim (eine Einrichtung der Berufsbezogenen Jugendhilfe).

Konzeption und Planung

Nachdem die Konzeption abgeschlossen war, konnte es an die planerischen Tätigkeiten gehen. Wie bei jedem öffentlichen Bau musste ein Architekt (Architekturbüro Jochen Radegast) und ein Statiker (Norbert Bloss) einbezogen werden. Um alle organisatorischen und inhaltlichen Vorbereitungen effektiv und schnell zu bewältigen, wurden Teams gebildet:
Die Baugruppe war für die bauliche Planung, Koordination mit Architekten, Statiker und Behörden zuständig. Die Gruppe Spiritualität sorgte dafür, dass auch auf der Baustelle ?Arbeiten und Beten? im Einklang stehen. Die Gruppe Öffentlichkeitsarbeit hatte die Aufgabe, Freunde, Förderer und Unterstützer zu finden sowie die Idee der Weidenkirche in die Öffentlichkeit zu bringen. Die Organisationsgruppe war dafür verantwortlich, dass alle Bauleute während der Workcamps versorgt wurden ? vor allem was das leibliche Wohl anging.

Der erste Spatenstich und Probebinden

Der Aushub für die Pflanzung erfolgte bereits im Oktober 2006. Mit einem öffentlichen Spatenstich wurde die Vorbereitung des Bodens noch vor dem Winterfrost eingeleitet.
Hilfreiche Tipps und Unterstützung gab es im Vorfeld von den Erbauern der Weidenkirche aus Kaiserslautern. Mit einem Probebinden, das im März 2007 stattfand, ließen sich die Verantwortlichen in die Kunst der Knoten und des Bindens einführen. Anleitung holten sie sich von Peter Sturm aus Dormitz (bei Forchheim).

Der Bau - die Workcamps

Sonntag, 1. April bis Karfreitag, 6. April 2007
Ostermontag, 9. April bis Freitag, 13. April 2007

Aus allen Regionen Bayerns reisten motivierte Jugendliche und Ehrenamtliche an, um gemeinsam eine Kirche zu bauen. Der erste Abend diente jeweils dem Kennenlernen und einer Einführung in die Botanik der Weiden.

Morgens klingelten die Wecker der jugendlichen Weidenkirchenbauer meist schon um 6.30 Uhr, um 7.15 Uhr stand das Frühstück bereit, und der Feierabend um 17.00 Uhr musste das eine oder andere Mal nach hinten (manchmal bis auf 21.00 Uhr) verschoben werden.
Das Tagewerk begann auf der Baustelle um 8 Uhr mit einem Morgenimpuls. Zum Mittagsläuten wurde die Arbeit zum gemeinsamen Gebet unterbrochen, anschließend gab es Mittagessen. Am Abend gab es einen gemeinsamen Abschluss mit Andacht und Gebet.

In den ersten drei Tagen war die Gruppe damit beschäftigt, die meterlangen Rohre von der Schlosserei auf die Baustelle zu transportieren und sie so herzurichten, dass sie aufgestellt werden konnten. Die Teams umwickelten das Metall mit Jute, um den Rohren einen "Mantel" für die Weidenruten zu verpassen. Parallel wurden die Weiden geschnitten, gebündelt und mit einer speziellen Knottechnik um die Rohre gebunden. Eine andere Gruppe stellte inzwischen ein Baugerüst auf und bereitete die etwa einen Meter tiefen Pflanzlöcher vor.
Am Gründonnerstag ging es ans Eingemachte. Jeder der zwölf S-Bögen musste in die Löcher gehievt und dann mit dem Kran aufgestellt werden. Zwischen jeden S-Bogen kam noch ein Stahl-X. Die Befestigung der S-Bögen am oberen Ring war wohl die größte Herausforderung: Für diese Montage baumelten zwei Mutige in Kletterausrüstung oben am Kran und schraubten die zwölf Stangen an dem hin- und herschwingenden Ring fest.
Das Bodenpersonal unten hätte sich wohl eher gewünscht, die Weidenkirche befände sich irgendwo, wo der Boden locker ist. Jedenfalls verfluchten sie den schweren, klumpigen Lehmboden der Altmühlauen, den sie in die Löcher schaufeln und feststampfen mussten. Es sollte auch niemand mehr behaupten, die Weidenkirche läge "direkt an der Altmühl" ? wer in der Menschenkette stand, um wieder und wieder Eimer mit Altmühlwasser zu füllen und an die Pflanzlöcher zu transportieren, um die Weiden anzugießen, sieht die Dimensionen heute etwas anders.

Doch als dann am Ende der ersten Werkwoche die Kuppel stand und man erahnen konnte, wie groß und beeindruckend der Kirchenraum einmal werden würde, war alles vergessen: Frost und Raureif in der Früh, Sonnenbrand am Nachmittag und all die müden Muskeln, von denen man vor der Arbeit nicht einmal wusste, dass sie existieren. Schließlich spürten alle, dass hier eine Kirche und kein Tipi gebaut wurde. Erfüllt besuchten die Teilnehmenden der ersten Werkwoche den Karfreitagsgottesdienst in Pappenheim und reisten dann nach Hause.

Für den Bautrupp der zweiten Woche blieb noch genug Arbeit übrig. Das Kirchenschiff musste aufgestellt werden, diesmal ohne die Hilfe eines Krans. Außerdem galt es die Pflanzlöcher zuzuschaufeln, Weiden festzubinden und diese immer zu gießen und zu gießen... Vom Nachtfrost wurde das Team der zweiten Woche verschont. Das gute Wetter war zwar ein Segen für alle Bauarbeiter, ließ aber leider kein Regenwölkchen zu, das beim Gießen hätte helfen können.
Wie gut, dass die Bautrupps von allen Seiten so tatkräftig unterstützt wurden. Das Team der ersten Woche dachte sich einen ?Motivations-Song? mit mehreren Strophen aus, dessen Refrain so lautete: ?Pack mit an, pack mit an, zieh deine Stiefel an ? mit dem Spaten und der Schnur sind wir auch auf Gottes Spur, singin`holly polly doodle all the day.? Einige besonders Fleißige, die in beiden Wochen mithalfen, brachten das ?Weidenkirchenlied? auch dem Team der zweiten Woche bei.
Unterstützt wurden die Bauleute in der 2. Werkwoche durch Jugendliche der Evangelischen Kirche in Ungarn, die sich die Einladung, bei so einem einmaligen Projekt mitzumachen, nicht entgehen ließen.

Da der Altmühl-Radwanderweg direkt an der Weidenkirche vorbeiführt, durften sich die Bautrupps über viele begeisterte Touristen freuen, die anhielten, zuschauten und insgesamt etwa 600 Euro spendeten. Die Landvolkshochschule brachte es fertig, alle hungrigen Bauarbeiter jeden Mittag direkt auf der Baustelle mit Essen zu versorgen.
Am Ende der zwei Wochen waren alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer verdreckt und erschöpft, aber auch glücklich und stolz auf das, was sie geschaffen hatten: Ein kleines Stück Natur-Kunst inmitten Gottes großer Schöpfung. Und wer kann schon sagen: ?Ich habe eine Kirche mit gebaut??

Die Einweihung

An Christi Himmelfahrt, dem 17. Mai 2007, wurde die Kirche durch Landesbischof Dr. Johannes Friedrich in einem Festgottesdienst eingeweiht.
Wem bis dahin nicht klar war, welche ?Besonderheit? diese Weidenkirche ist, der bemerkte es spätestens jetzt: Es regnete während des gesamten Gottesdienstes in Strömen, so dass die Besucher ? wohl zum ersten Mal in ihrem Leben ? ihren Regenschirm in einer Kirche aufspannen mussten. So gab die Festgemeinde ein schönes buntes Bild ab: Regenjacken und Gummistiefel kombiniert mit festlicher Kleidung, bunte Regenschirme und dazwischen viele knallgelbe Warnwesten, Markenzeichen der Weidenkirchenbauer. Es waren übrigens so viele Menschen da, dass sie gar nicht alle in die Kirche passten. Aber auch das ist das Besondere an der Weidenkirche: Man kann draußen stehen und trotzdem alles hautnah mitbekommen.

In seiner Predigt würdigte der Bischof die Leistung aller Beteiligten: ?Am Anfang stand ein Traum ? der Weg dahin war Knochenarbeit.? In Anlehnung auf die Jahreslosung ?Siehe, ich will ein Neues schaffen? bezeichnete er die Weidenkirche als ?Gleichnis, dass Gott Neues schafft.? Den Verantwortlichen bescheinigte er die Gabe, eine ?Sehnsucht nach Neuem? zu wecken. Von dieser Sehnsucht hätten sich die jungen Helfer anstecken lassen und ihre Arbeitskraft zur Verfügung gestellt. Dennoch wäre all das ohne positive Erfahrung von Kirche und Gemeinde, in denen Jugendliche ihre Heimat sehen, nicht gelungen: ?Die Evangelische Jugend ist Gemeinde, ist Kirche? würdigte der Landesbischof an dieser Stelle den Jugendverband. Und alle Weidenkirchenbauer bekamen eine Urkunde unterzeichnet vom Landesbischof.

Bilder vom Bauen und Pflazen der Weidenkirche


Workcamp 1/2007Workcamp 2/2007
1. SpatenstichMontag, 2. April 07Dienstag, 10. April 07
ProbebindenDienstag, 3. April 07Mittwoch, 11. April 07
Mittwoch, 4. April 07Donnerstag, 12. April 07
Donnerstag, 5. April 07Freitag, 13. April 07
Blog-Tagebuch. Einblicke und Eindrücke vom Workcamp
Bilder von der Einweihung
Einweihung der Weidenkirche am  17. Mai 2007