[zett] die Zeitung für evangelische Jugendarbeit
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Zett Juli 2010
Auszug aus dem Inhalt der aktuellen Ausgabe:
- Jugendarbeit lebt von Beziehungen
Präventionsprojekt gegen sexuellen Missbrauch
- Gesegnete Vielfalt
Bamberg ist bunt
Landesjugendkonvent für Umweltschutz
- Eindrücke vom ÖKT
Hoffnungsfilme
Tagebuch-Notizen
Zwischenruf von der Spielwiese
Bunt ist cool
Nass, kalt - aber mit Power und gut gelaunt
Jugendarbeit lebt von Beziehungen
Präventionsprojekt gegen sexuellen Missbrauch
Sommer, Ferien, Freizeiten
Die evangelische Jugendarbeit ist wieder mit ihren Kindern und Jugendlichen unterwegs: Freizeiten in den Bergen oder am See, Zeltlager, Kanu fahren, wandern, in andere Länder reisen und internationale Kontakte pflegen. Das bunte Freizeittreiben prägt von August bis September die Jugendarbeit.
Kinder- und Jugendfreizeiten sind – und waren schon immer – Herzstück evangelischer Jugendarbeit. Nirgendwo sonst erfahren Mädchen und Jungen in nur einer oder zwei Wochen geballt so viel Gemeinschaft. Sie hören von Gott, lernen Toleranz und Fairness, finden neue Freunde und erfahren Zuwendung und Liebe.
Zuwendung und Liebe? Was heißt dies angesichts der aktuellen Diskussion um sexuellen Missbrauch und um sexuelle Gewalt? Eltern sind verunsichert. Was passiert auf den Freizeiten, sind meine Kinder sicher? Und die Verantwortlichen der Ferien-maßnahmen fragen sich: Dürfen wir das weinende Mädchen, den Jungen tröstend in den Arm oder gar auf den Schoß nehmen?
Bei uns nicht
„Evangelische Jugend lebt von Beziehungsarbeit, von Vertrauen und Geborgenheit“ stellt Michael Thiedmann, Vorsitzender der Landesjugendkammer fest. Um dieses hohe Gut zu schützen, wurde bereits vor zehn Jahren für die Schulung Ehrenamtlicher Arbeitsmaterial zum Umgang mit sexueller Gewalt entwickelt. Was anfangs eher zaghaft begann, formulierte die Landesjugendkammer bald mit einer klaren Aussage: „Bei uns nicht!? – Gemeinsam gegen sexuellen Missbrauch im Jugendverband.“ Daraus entwickelte sich ein umfangreiches Präventionsprojekt, das vor etwa zehn Jahren als sehr mutig und bis heute als vorbildlich gilt.
Jugendarbeit darf möglichen Tätern keinen Raum und keine Gelegenheit bieten, ist die Maßgabe. „Die Seelen von Kindern bedürfen des Schutzes vor Missbrauch jeglicher Art. Menschen, die sich Kinder- und Jugendarbeit als Feld für mögliche Opfer suchen, haben bei uns keinen Platz“, meint Michael Thiedmann. Gleichzeitig muss sich Jugendarbeit aber auch der Orte und Strukturen bewusst werden, die Tätern Ansatzpunkte bieten könnten.
Wichtiger Bestandteil der präventiven Arbeit ist die Schulung ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. In den Grundkursen werden sie für das Thema „sexueller Missbrauch“ sensibilisiert. „Sie sollen ein Bewusstsein für Grenzverletzungen bekommen“, erklärt Reinhold Ostermann, Beauftragter für Präventionsarbeit im Amt für Jugendarbeit. Der Verhaltenskodex ist verbindlich für alle Mitarbeitenden. Hierin verpflichten sie sich alles zu tun, damit in der Jugendarbeit keine Grenzverletzungen und keine sexuelle Gewalt möglich werden.
60 geschulte Vertrauensleute stehen in den Dekanaten als Ansprechpartner/innen für Verdachts- und Krisenfälle aber auch für Schulungen zur Verfügung. Ihre Kompetenzen werden immer häufiger in Anspruch genommen.
In Regensburg organisierte beispielsweise Dekanatsjugendreferent Marcus Schirmer eine Tagung in Kooperation zwischen Schule und Evang. Jugend. Gemeinsam fragten die Teilnehmenden: „Wie kann ich erkennen, ob ein Kind in meiner Gruppe sexuelle Gewalt erfahren hat und welche Handlungsmöglichkeiten habe ich?“ Hilde Schedl, von der Evang. Jugendsozialarbeit Regensburg und Vorstandsmitglied bei Notruf e.V. sagt dazu: „Wenn an Kindern und Jugendlichen eine sexuelle Handlung vorgenommen wird oder eine Autoritätsperson ihre Macht ausnutzt, um eigene Bedürfnisse zu befriedigen, ist es sexueller Missbrauch.“ Die Mitarbeitenden diskutierten bei der Tagung über mögliche Handlungsschritte in Schule und Jugendarbeit.
Fit für präventive Arbeit
Reinhold Ostermann fasst die Schritte der Prävention zusammen: Die Mädchen und Jungen werden in ihrer Persönlichkeit gestärkt. Sie sollen wissen, wie sie sich wehren können und in der Jugendarbeit Menschen finden, denen sie sich anvertrauen können. Schon die Kleinen müssen lernen, Nein zu sagen.
Ehrenamtlich Mitarbeitende werden sensibilisiert und für die präventive Arbeit geschult.
Die Vertrauenspersonen beraten und therapieren nicht selbst. Sie vermitteln an die Beratungsstellen in ihrer Region und arbeiten eng mit dem Diakonischen Werk zusammen. Jeder Missbrauch muss mit allen Konsequenzen aufgedeckt werden.
So gesehen, sind die Mitarbeitenden für die bevorstehenden Freizeiten gut vorbereitet und gerüstet. Jugendarbeit lebt von Beziehungen und Freundschaft. Dazu gehört auch, dass ein Kind getröstet, geherzt und in den Arm genommen wird. Dass sich Jugendliche umarmen und ungezwungen bewegen können, gehört ebenfalls dazu - vorausgesetzt die Grenzen der Kinder und Jugendlichen werden wahrgenommen und respektiert.
Christina Frey-Scholz
Die Arbeitshilfe „Bei uns nicht!“ und die Karte mit dem Verhaltenskodex können im Amt für Jugendarbeit bestellt werden (material[a]ejb.de).
Zwischenruf von der Spielwiese
Die Spielwiese beim Kirchentag heißt Zentrum Jugend. Die wirklich wichtigen Ereignisse des 2. Ökumenischen Kirchentages geschahen an anderen Orten.
Zuallererst muss hier der Odeonsplatz genannt werden mit wegweisenden Veranstaltungen für die Einheit der Christen. Erz- und Landesbischof nahmen am Himmelfahrtstag nach getrennten Gottesdiensten an diesem geschichtsträchtigen Ort Blumenstöcke zur weiteren Pflege in Empfang, und am Freitagabend konnten nach orthodoxer Segnung sogar Katholiken und Protestanten gemeinsam das Brot teilen. Auf dem Messegelände feierte der Kirchentag Frau Käßmann in überfüllten Hallen. Da trotz Krise das große Thema fehlte, wird der öffentliche Erfolg dieses Münchner Treffens daran gemessen, ob alle willens sind, sich in sieben Jahren wieder zu verabreden, dann aber mit einem richtigen Abendmahl.
Dieser Eindruck entsteht zumindest, wenn man die mediale Wahrnehmung des ökumenischen Treffens betrachtet. Dass fast ein Viertel der Teilnehmenden, die zwischen Messe, Innenstadt und Olympiagelände unterwegs waren, das achtzehnte Lebensjahr noch gar nicht vollendet haben und dass diese Gruppierung vielleicht ganz andere Sorgen plagen, geriet etwas aus dem Blickfeld. Dabei hätte man im Zentrum dieser größten Besuchergruppe sehen können, wie selbstverständlich katholische und evangelische Jugendgruppen zusammenarbeiteten, wie über Schule, Globalisierung und vieles andere gestritten wurde, wie Jugendliche gemeinsam eine Arche bauten, ihre Hoffnung in 60 Sekunden packten oder wie ihrer Meinung nach fairer Handel und Ökologie ganz praktisch im Alltag aussehen könnten. In der Event-Arena, unter dem Dach des Stadions und im weiten Feld des Olympiageländes gab es anscheinend andere Sorgen als am Odeonsplatz. Aber der große Kirchentag und der mediale Tross sahen das Zentrum Jugend eher als randständige Spielwiese, über die zu berichten es sich nicht besonders lohnte.
Wäre das Wetter heiß gewesen und das bunte Völkchen der Jugendlichen hätte Wiesen und Wasser des Olympiaparks belagert, dann, ja dann wären da schon ein paar Bilder für die Titelseiten dabei gewesen. Aber dann hätte es auch wieder geheißen, die jungen Christen chillen lieber anstatt zu beten, zu singen und zu diskutieren. So gab es dann im Zentrum Jugend fröhliche und ernsthafte Veranstaltungen, fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
Wolfgang Noack
Nass, kalt – aber mit Power und gut gelaunt
Als es dann soweit war, öffnete der Himmel seine Schleusen. Nass und kalt war es während der ganzen Tage. Dagegen war aber die Stimmung prima. Lachen, arbeiten Hand in Hand und am Ende zufriedene Gesichter, platte Füße und ein bayerisches: „Schee war’s!“
Am Abend der Begegnung bewirteten die „Evangelischen Jugenden“ aller Kirchenkreise rund um den Altstadtring die Gäste aus ganz Deutschland. Ab Donnerstag war buntes Treiben im Zentrum Jugend, in der Event-Arena, der Seebühne und in den Themendörfern angesagt.
Unübersehbar zog die Arche der EJ München die Neugierigen in ihren Schiffsbauch. Wer einstieg, wurde über die Arche Noah informiert.
Beim globalisierungskritischen Spaziergang wurde auf Konsum und Vermarktung geschaut. Podien und Workshops gaben Raum zur kontroversen Diskussion. Da wurde über Markt- und Bankenexzesse, das selektive Schulsystem, Klima und Bewahrung der Schöpfung gestritten und debattiert. Die geplanten Angebote in sonnenbeschienenen Liegestühlen fielen leider dem Regen zum Opfer.
Dafür wurde in der Event-Arena bei der EJSA ein Acht-Personen-Kicker eingeweiht. In der Bluebox wurde gefilmt auf „Hoffnung komm raus“. Die chilligen Sessel im Hoffnungs-Kino waren für die müden Füße eine Wohltat. Hunger und Durst wurden durch weit überplanmäßiges Engagement der Gender-Café-Besetzung gestillt.
Am Samstag hieß es bei Eichenkreuz „Bunt ist cool“, und Margot Käßmann zog die Teilnehmenden beim Gottesdienst des Fußballfestes in ihren Bann.
Täglich um die Mittagszeit waren Kirchenglocken per Handyklingeltöne zu hören, die zur Andacht einluden. Die Teilnehmenden erhielten ein kleines Glöckchen oder eine Karte mit einem Bibeltext. Eine solche Karte habe ich mitgenommen. Auf der Vorderseite stand das Wort „Mitstreiter“, auf der Rückseite das Wort aus Jesaja 41,10: „Fürchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir auch.“
So habe ich die Evangelische Jugend am Kirchentag erlebt. Mitstreiter waren wir. Gott hat uns geholfen, war an unserer Seite und gab uns Kraft. Das Zentrum Jugend und auch das Zentrum Kinder, all die vielen sichtbaren und weniger sichtbaren Mitwirkenden haben dem Ökumenischen Kirchentag ein junges Gesicht gegeben. Voll Power, kreativ und gut gelaunt.
Danke an alle Mitstreiterinnen und Mitstreiter!
Gerd Bauer

