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Buchrezensionen

zett Dezember 2017

Stille war es um die Herde und auf einmal war ein Leuchten ob der Erde, dass das Kind geboren sei.

Kennt Ihr es auch? Vor Weihnachten ist so viel zu erledigen, dabei geht es nicht nur um das Besorgen der Geschenke oder um die Einkäufe zu Weihnachten. Überall verbreitet sich ein geschäftsmäßiges Gewusel. Wer in der Jugendarbeit ist, weiß wovon ich spreche. Eine Advents- oder Weihnachtsfeier jagt die andere, dann noch ein Krippenspiel oder die Waldweihnacht.  Nicht, dass das Ganze keinen Spaß machen würde, es ist vielmehr die Fülle und die Geschwindigkeit, die uns vorantreibt und den Atem raubt. Natürlich kommen noch die ganz persönlichen Vorbereitungen dazu, für Freunde und Familie. Wir sind froh, wenn dann endlich Stille eintritt. Die Stille um die Krippe, der Zauber, die Ruhe und Verheißung, die von dem Heiligen Kind ausgehen. „Stille war es um die Herde ...“ und ich spüre, dieser Moment ist heilig.

Wir wünschen frohe Weihnachten. Stille. Gesegnete Tage und ein friedliches neues Jahr.

Christina Frey-Scholz
Redakteurin zett

Aus dem Inhalt der aktuellen Zett:

Jesu Geburt - ein Gegenentwurf!

Mächtig ist die Adventszeit von pulsierendem Leben, Geschäftigkeit und Eile geprägt. In der Stadt verschlägt es einem den Atem. Zigtausende, ach was, Millionen von Menschen denken ans Schenken, und sie laufen und kaufen.

Eine riesige Woge von Menschen schiebt sich durch die Stadt. Überall quellen sie herein und heraus. Und ein Teil spürt mal mehr, mal weniger die Sehnsucht nach der Heiligen Nacht. Auch wenn die Tage vor Weihnachten noch so anstrengend sind, erwarten alle etwas: Vielleicht Ruhe und Besinnlichkeit, daheim in unserer kleinen Welt. Oder in unseren Familien Harmonie und Frieden. Oder vielleicht weiße Weihnacht? Draußen Schnee und drinnen warm und wohlig. Ein bisschen geborgen sein in dieser Welt, das wäre schön. Aber was hat es mit der Geburt Jesu auf sich? Warum so viel Zauber um dieses Ereignis am Rand der Welt­geschichte?

Es begann unspektakulär

Die erste Weihnachtsbotschaft der Welt ging an Maria. Ein Engel sagte ihr: Dein Sohn wird König sein, und sein Reich wird kein Ende haben. Von dieser Maria wissen wir nicht viel. Sie war eine sehr junge Frau und verlobt mit einem Zimmermann namens Joseph. Sie lebte in dem kleinen Dorf Nazareth. Maria gehörte zu einem Volk, das seit ewigen Zeiten beherrscht und herumgestoßen wurde. Doch in diesem Volk blieb eine wichtige Hoffnung lebendig. Mit ihrem jüdischen Volk war auch Maria überzeugt: Gott wird uns retten. Und das kann bald, vielleicht schon morgen soweit sein.

Diese Maria hörte als Erste die Weihnachtsankündigung. Nach dem vermutlich ersten Schreck steigt Freude und Jubel auf: „Meine Seele erhebt den Herrn und mein Geist freut sich über Gott, meinen Retter; denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen.“ Maria war begeistert. Gerade durch sie wollte IHR Gott der Welt seine Macht zeigen. Es gab unzählige reiche, erhabene Römer, da gab es den Kaiser Augustus und den König Herodes sowie unzählige mächtige Männer, aber die Tochter des geknechteten jüdischen Volkes wurde von Gott auserwählt. Eine Frau war es, die Gott dafür auserwählt hatte.


Der Gegenentwurf Gottes zur herrschenden Welt begann Formen anzunehmen. Wenn Gott eine Tochter des geknechteten jüdischen Volkes auserwählte und nicht die mächtigen Herren in Rom und Jerusalem, dann betraf das nicht nur ihr Leben; dann würde das die ganze Welt verändern. Maria spürte das: „Die ganze Welt wird anders!“ Gott ist nicht bei den Herrschern dieser Welt, er kommt zu den Kleinen, Schwachen und Niedrigen.

Und dann brach es aus Maria heraus. Alles, was Menschen seit Jahrhunderten erlitten und erduldeten, brach nun aus dieser unscheinbaren jüdischen Frau heraus:
Gott, mein Retter hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen. Er übt Gewalt mit seinem Arm und zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind. Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen.
Hoffnung, Kraft und Mut tragen Marias Worte: Gott greift ein in dieser Welt. Er bringt Umsturz und Rettung, wo Leid und Ungerechtigkeit sind.

Der Gegenentwurf zur herrschenden Welt nimmt Fahrt auf. Gott kommt zur Welt! Als kleines Menschenkind kommt Gott selbst in einem Stall zur Welt. Man stelle sich die Blamage für die Mächtigen vor. Für jeden Staatsgast wird der rote Teppich ausgerollt. Aber dieser Gott durchbricht die Etikette. Er geht auf staubigen Straßen, sucht und findet Freunde im Prekariat und Outlaw-Milieu. Er provoziert, wird angefeindet, ist am Ende allein, wird gefoltert und zuletzt gekreuzigt. Dieser Gott ist ein ständiges Ärgernis für alle, die über andere bestimmen.

Der Gegenentwurf zur herrschenden Welt hat einen Kern: Diese Botschaft untergräbt jede Herrschaft, denn sie gilt jedem Menschen, allem Leben. „Du bist nicht allein, ich bin bei Dir“, flüstert Gott durch das Ohr in das Herz! Er ist da, wo die Tränen fließen, oft unbemerkt von der Welt, wo Schreie sind, ungehört oder unbeachtet, dort, mitten im Leid ist Gott am nächsten.

Der Gegenentwurf zur herrschenden Welt stellt auch uns heute in Frage: Die Krippe ist das Symbol der Weihnachtszeit. Die Krippe ist Zeichen der Niedrigkeit. Niemand legt sein Kind in einen Futtertrog, wenn er etwas Besseres hat. Dieses liebliche Jesuskind, das in dieser Krippe lag, wurde am Ende seines Lebens an ein Kreuz geschlagen. Die Krippe und das Kreuz stehen als größtes und mächtigstes Mahnmal aller Zeiten: der Gegenentwurf zur herrschenden Welt – damals, heute und auch in Zukunft.

An Weihnachten sagt Gott jedem Menschen ein menschenwürdiges Leben zu.
In der Adventszeit pulsiert das Leben mächtig! Wir denken ans Schenken und laufen und kaufen. Doch man kann die Botschaft hören, wenn´s laut ist, besonders in der Stille der Heiligen Nacht: Jesu Geburt, der Gegenentwurf zur herrschenden Welt.

Gerd Bauer
Landesjugendpfarrer


Heilig

Stille Nacht, heilige Nacht.
Was ist das überhaupt, heilig?
Was bedeutet Heilig Abend?


Heilig, Heil... Heilung kennt man.
Eine Wunde verheilt. Heißt es also Stille Nacht, heilende Nacht?

Doch es gibt auch den Heiligen Krieg. Das passt dann gar nicht. Im Lateinischen übersetzt man heilig mit sakral und davon ist das Gegenteil profan, das heißt weltlich. Also stehen sich weltlich und heilig gegenüber. Wenn etwas heilig ist, dann ist es nicht Teil von der Welt. Heiliger Krieg ist, wenn einer Krieg führt, weil er meint, Gottes Willen auszuführen. Er hat keine weltlichen Beweggründe, also das Streben nach mehr Macht, Geld oder was weiß ich. Diejenigen, die einen Heiligen Krieg führen wollen, müssen nur aufpassen, dass sie letztlich nicht doch nur diesen weltlichen Dingen hinterherlaufen.

Wirklich heilig ist nur, was Gott zugehörig ist.

An Heilig Abend feiern wir etwas, was nicht normal ist. Ein Kind wurde geboren? Who cares?! Nein, uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben (Jesaja 9,5). Es ist einer, in dem die Leute Gott selbst sehen werden und deswegen sagen: Wahrlich, dieser Mensch ist Gottes Sohn gewesen (Markus 15,39).

Und so feiern wir, dass Gott nicht weggesperrt ist in einen Tempel oder eine Kirche, wo niemand seine Heiligkeit sehen darf. Bitte nicht berühren! Als wäre Gott ein Museumsding. Nein, er sitzt in einer lausigen Krippe, einfach so in einem Nirgendwo, denn die ganze Welt ist ihm zugehörig. Er ist einfach so bei den Menschen und er macht damit diese Welt heilig.

Er kommt zur Welt und wird heilend. Stille Nacht, heilige Nacht.

Lucas Horn
Ehemals LK


Kirche in Bewegung

In 20 Jahren. Ein Mann? Eine Familie? Kinder? Ein eigenes Haus? Letzteres ist eher unwahrscheinlich. Als zukünftige Theologiestudentin und hoffentlich spätere Dekanatsjugendpfarrerin ist das Sesshaftwerden nicht wirklich einfach, denn Kirche fordert vor allem eines: Bewegung. Eigentlich in allen Bereichen.
 
In einem Zeitraum zwischen zehn und 12 und spätestens nach 15 Jahren sollen Pfarrer ihre Stelle wechseln und sich nicht gemütlich in einer Gemeinde niederlassen. Warum? Wie das so ist mit dem Leben, wird irgendwann alles vergehen. Je älter man oder etwas wird, desto näher rückt der Moment, in dem es so weit sein wird. In unserem Fall geht es zwar um etwas Lebendiges, jedoch nicht um ein Lebewesen. Der Alterungsprozess lässt sich also durch ständigen Wechsel aufhalten.

Wie könnte eine Kirchengemeinde, ein Kirchenvorstand, die Konfirmanden- und die Jugendarbeit funktionieren, wenn 40 Jahre lang der gleiche Pfarrer, Diakon oder Dekanatsjugendreferent auf einer Stelle hockt und gar nicht daran denkt, sich auch nur einen Zentimeter zu bewegen? Jeder, der neu in eine Gemeinde oder ein Jugendwerk kommt, bringt frischen Wind oder neue Ideen mit. Auf jeden Fall aber einfach „Neues“. Und es wäre doch schlimm, wenn das nicht der Fall wäre. Wie langweilig wäre es, wenn der Pfarrer jeden Sonntag das gleiche predigen würde? Wie schlimm wäre es, wenn ein Konvent irgendwann keine Anträge mehr zu stellen bräuchte, weil es nichts mehr zu verändern gäbe? Wie furchtbar, wenn sich nichts mehr bewegen ließe?

Wir brauchen Veränderung

Die Kirche fordert Bewegung. Warum also dürfen wir uns nicht bewegen? Warum sind die U40er oder sogar U50er geschweige denn die Jugendlichen bis 27 Jahren in den Kirchenvorständen in der Minderheit? Warum werden neue Ideen nicht zugelassen? Lasst doch den frischen Wind in die Kirchenvorstände und Dekanatsausschüsse einziehen. Der frische Wind der Jugendlichen, der alleine schon daher rührt, dass wir in unserem Leben ganz woanders stehen. Wir arbeiten noch nicht seit 30 Jahren im gleichen Büro. Wir wandern: Während Studium und Ausbildung wird umgezogen, Auslandssemester werden gemacht, es wird sich verändert. Die Jugendarbeit muss und soll darauf Rücksicht nehmen. Und genauso doch bitte unsere Kirche im Allgemeinen!
Veränderung braucht es. Dafür, dass all das, was Luther vor 500 Jahren gefordert hat, umgesetzt werden kann. Mit Luther identifizieren wir uns ständig. Und so auch jetzt:

Lasst uns die Kirche reformieren, mit neuen Ideen, und sie uns nicht spalten. Wir wollen keine gespaltene Kirche, die getrennt ist in Jung und Alt. Wir wollen Zusammenarbeit. Und die in allen Bereichen.

Leserbrief zu 20 Jahre zett

Alexandra Bruckmann
Ehrenamtliche im Dekanat Schweinfurt