zett die Zeitung für evangelische Jugendarbeit

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Buchrezensionen

Zett November 2017

Liebe Leserin, lieber Leser,

unsere zett ist ZWANZIG geworden. Im Herbst 1997 erschien sie zum ersten Mal. Deshalb dreht sich in dieser Ausgabe vieles um die ZWANZIG.

Wir wünschen viel Spaß beim Lesen. 

Aus dem Inhalt der aktuellen Zett:

zett ist 20

Liebe Leserinnen und Leser,

zett ist 20. Natürlich ist das keine Jubiläumszahl, aber in gewisser Weise schon eine magische. Für Jugendliche hat es durchaus eine Bedeutung, wenn sie 20 Jahre alt werden. So auch für unsere zett.

Vor 20 Jahren hieß es „Wem gehört die Zukunft?“ Jetzt im Reformationsjahr lautet unser Motto „Zukunft gestalten“. Zukunft ist ein zentrales Thema in der Jugendarbeit. Junge Menschen interessieren sich für ihre Zukunft, sie fragen, wo geht es hin, wie sieht die Welt morgen aus, wo ist mein Platz und wie kann ich diese Welt mitgestalten?

Diese Themen nehmen wir in unserer Zeitung auf. Unser Auftrag ist es, deutlich zu machen, was Jugendliche bewegt, was Jugendarbeit leitet und was ihre Themen sind. Als Zeitung für evangelische Jugendarbeit versuchen wir, die Bandbreite der Jugendarbeit wiederzugeben. Wir fühlen uns verpflichtet, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in unserer Kirche zu informieren, sie mit reinzuholen in die Welt der Jugendarbeit. Denn auch sie, die Verantwortlichen in Kirche und Jugendarbeit brauchen für ihre Arbeit die Informationen darüber, was Jugendliche und Jugendarbeit bewegt.

Kommunikation ist uns eine Herzensangelegenheit. Das verstehen wir aber nicht einseitig, vielmehr als Dialog mit Euch und mit Ihnen. Schreibt uns, schickt uns Informationen und erzählt uns, was Kinder und Jugendliche bewegt und wie die Arbeit vor Ort gestaltet wird.

Und weil sich die Kommunikation in den letzten 20 Jahren verändert hat, hat sich auch die Bandbreite unserer Kommunikationsmittel verändert. Es gibt also viele Möglichkeiten, mit uns Kontakt aufzunehmen. Wir freuen uns auf vielseitige Rückmeldungen – übrigens nicht nur über die Medien, gerne auch per Telefon und im klassischen Sinne: face to face.

Christina Frey-Scholz
Öffentlichkeitsreferentin und verantwortliche Redakteurin von zett

Wem gehört die Zukunft?

Haltet den Dieb

„Fuchs, du hast die Gans gestohlen, gib sie wieder her; sonst wird dich der Jäger holen mit dem Schießgewehr!“

Dieses Kinderlied beschreibt die Welt einfacher als sie ist. Aber es macht sie auch greifbarer. Da gibt es Täter und Opfer und es gibt sie, die Ordnungsmacht. Der listige Fuchs stiehlt die goldene Gans und alle rufen: „Haltet den Dieb!“ Alle?

In den 50er und 60er Jahren da galt das Wort: Unsere Kinder sollen es einmal besser haben. Heute sagt das keiner mehr. Im Vergleich zu vielen anderen Ländern gehtes der Mehrzahl auch sehr gut. Aber jetzt am Ende dieses Jahrhunderts ist klar: Die Zukunftsaussichten fur Kinder und Jugendliche sind alles andere als rosig. Die altbewährten Schlüssel über Schule, Ausbildung oder Studium zum Beruf passen nicht mehr. Die Umweltkrise ist längst nicht gelöst. Sie spitzt sich weltweit weiter zu.

Wer schlau ist, jagt jetzt lieber den deutschen Börsen-DAX, aber auch hier ist der Zugang auf wenige begrenzt. Alle fordern neue Arbeitsplätze, aber längst geht es um ein neues Verständnis von Arbeit. Dies alles hat seinen Preis und die Frage bleibt, was sich am Ende rentiert. Denn Rente und Rentieren gehören jetzt eng zusammen und freiwillige, soziale Arbeit hat noch keinen Preis.

Die Frage heißt: Wem gehört die Zukunft und wem gehören wir? Da ist Ines. Sie ist 18 Jahre alt. Seit der Wende sind ihre Eltern arbeitslos. Sie engagiert sich in Umweltfragen und demonstrierte mit gegen die französischen Atomtests auf Mururoa. Sie fragt sich: Gibt es ein Leben nach dem Abitur? Alle Bewerbungen um einen Ausbildungsplatz waren vergeblich.

Oder Hanna: Sie will nicht tatenlos sein. Als Sprecherin im Schülerbeirat blickt sie über die Schulwelt hinaus. Sie setzt sich für mehr Lehrstellen ein und will durch Aufklärung den Drogenmissbrauch nicht nur an ihrer Schule eingrenzen.

Ingo, 17 Jahre, sagt: „Was bringt es, Angst vor der Zukunft zu haben? Entweder man kann was ändern oder nicht.“ Auf die Frage nach seiner Berufswahl meint Ingo: „Bloß nichts Herkömmliches, sonst bist du alt und hast immer noch keine Stelle.“ Am liebsten würde er schon arbeiten, wie er es jetzt schon ehrenamtlich macht. Seine Zeit in Umweltprojekte stecken mit Windkraft oder Solarenergie. Denn hier sieht er die Früchte seiner Ideen … und die Zukunft braucht Ideen.

Ob Ines, Ingo, Hanna oder andere, sie wollen sich die Zukunft nicht aus der Hand nehmen lassen und doch gilt auch der Satz: „Ja, wir sind engagierter als ihr meint, aber es geht uns oft beschissener als ihr denkt.“

Die Zukunft ist allen versprochen! Du bist wichtig mit deinen Gaben und Fähigkeiten! Die Aufgabe heißt nicht, sich allein ins Trockene zu bringen! Evangelische Jugendarbeit lebt von diesen Perspektiven. Das Bild der Arche Noah und des Regenbogens gehört dazu, wie die anderen biblischen Bilder, die die Würde des Menschen und der ganzen Schöpfung Gottes besingen.

Deshalb sagt die evangelische Jugendarbeit niemals nur „Ja und Amen“, weil Gerechtigkeit mit Widerspruch zu tun hat, besonders für die, die überhört oder vergessen werden sollen.

Anders als im Kinderlied wird hier kein Jäger mit Gewehr erwartet. Auf lange Sicht lässt sich so auch niemals Frieden schaffen. Was aber bleibt zu tun? Wir könnten öffentlich Segen verweigern bei all dem, wo Zukunft abgesegnet werden  soll auf dem Rücken von Kindern und Jugendlichen. Dazu braucht es Mut und Verbündete. Und die fehlen oft auch noch in den eigenen kirchlichen Reihen.

Rainer Brandt

Vor 20 Jahren …
erschien die erste zett mit diesem Leitartikel, er ist heute immer noch aktuell.

Rainer Brandt war Landesjugendpfarrer von 1996 bis 2002. Diesen Artikel schrieb er 1997. Er ist heute Leiter des Studienzentrums für evang. Jugendarbeit in Josefstal.

Die große Zwei vorne dran

Wie sich Jugendarbeit verändern kann, wenn man ü20 ist.

Zwanzig. Zwanzig Jahre.  Das hört sich erst mal gar nicht nach so wahnsinnig viel an. Und dann merkt man, obwohl man selbst kaum älter ist, dass ...

Mit 20 bist du plötzlich alt in der Jugendarbeit. Ja, alt! – Ich sehe ältere Leser/-innen leise schmunzeln. Wenn man mit 14-, 15-, 16-Jährigen zusammensitzt, kann man sich durchaus mit Anfang 20 schon alt fühlen. Und das ist komisch! Denn eigentlich fühlt man sich von dem Teenager-Alltag noch gar nicht so weit weg. Und doch liegen manchmal Welten dazwischen. Es ist ein schleichender Prozess, dem wir wohl alle ausgesetzt sind. Der wirklich große Bruch durch die Zwei vorne dran ist vor allem in der Wirkung nach außen zu spüren.

Gerade bei Freizeiten und Aktionen für Kinder und Jugendliche merkst du, wie die Zwanzig ihre magische Wirkung entfaltet. Eltern atmen erleichtert auf, wenn sie hören, dass auch ein „Erwachsener“ mit dabei ist. Die „rechtlichen“ 18 Jahre wirken offenbar weniger überzeugend. Scheinbar verleiht allein die Zwei vorne am Alter eine gewisse Seriosität. Klar, das kann praktisch sein. Aber eigentlich ärgert es mich. Wieso muss das Alter „alt“ genug aussehen, um als ernsthaft und kompetent wahrgenommen zu werden? Wieso scheint es so schwer, Jugendliche und ihre Kompetenzen unabhängig vom Alter zu sehen?

Spätestens mit Zwanzig haben sich die Lebensumstände gewandelt. Viele studieren oder arbeiten bereits. Die Abkapselung vom Elternhaus ist mit der WG oder eigener Wohnung vollzogen: Ich weiß jetzt auch ohne Nachfragen bei Mama oder Papa, wie ich meine Wäsche waschen muss und die Stromabrechnung lese. Naja, zumindest fast. Viele Entscheidungen werden ohne elterliche Konsultation getroffen und die eigenen Fehler alleine ausgebadet. Insofern ist es gerechtfertigt, die große Zwei als Meilenstein zu interpretieren? Aber dennoch, was sagt die Fähigkeit, Wäsche zu waschen, über die Kompetenzen als Jugendlicher in der Jugendarbeit aus? Nicht viel!

In der Gremienarbeit habe ich gemerkt, dass die Zwei vorne dran noch einen anderen Effekt haben kann, wenn ich über Belange von Kindern und Jugendlichen diskutiere, die teils mehr als ein Jahrzehnt jünger sind als ich selbst. Dann merke ich: Ich spreche nicht mehr nur für meine Generation, sondern auch für Kinder und Jugendliche, die von unserer Arbeit bei Gruppen und Freizeiten geprägt werden. Jugendpolitische Forderungen mache ich nicht mehr nur für meine Generation, sondern auch für die nachfolgenden.

Wahlrecht mit 14? Kann mir egal sein, ich darf ja wählen. Oh nein! Erst durch den deutlicher wahrnehmbaren Kontrast des Alters beginne ich zu verstehen, was es heißt, für die Zukunft anderer zu kämpfen. Was es heißt, die Verantwortung für mehr als die eigenen Probleme zu übernehmen und mit Leidenschaft, über Themen zu diskutieren, die mich vielleicht persönlich nicht mehr so sehr betreffen. Politische Jugendarbeit bekommt somit eine andere Perspektive – dank der großen Zwei vorne dran.

Also ja, Jugendarbeit verändert sich, wenn man die Zwanzig knackt. Das Schöne in der evangelischen Jugend ist jedoch, dass ich auch mit Mitte Zwanzig mit 15-Jährigen an einem Tisch sitzen kann und wir gemeinsam und vor allem auf Augenhöhe etwas auf die Beine stellen. Wir sind überzeugt: Kinder und Jugendliche wissen, was sie wollen, können Verantwortung für sich und die Welt übernehmen und ihre Forderungen sind ernstzunehmen – ganz gleich in welchem Alter.

Marlene Altenmüller
Landesjugendkonvent