zett die Zeitung für evangelische Jugendarbeit

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Buchrezensionen

Zett September 2017

Liebe Leserin, lieber Leser,

These 24: Kirche muss offen sein für Ideen und Mut haben sich zu verändern.
Die Thesen sind erstellt, nun kommt die Zeit zum Handeln.
In dieser Zett sind die 95 Thesen der EJB veröffentlicht.

Wir wünschen viel Spaß beim Lesen. 

Aus dem Inhalt der aktuellen Zett:

Unter www.re-loaded.ejb.de sind alle Informationen rund um die 95 Thesen der EJB und den Aktionen zu Reformation reloaded zu finden.

Wir reformieren Kirche

Die Thesen verbreiten sich wie ein Lauffeuer. In jeder Gemeinde hängen sie aus, im Gottesdienst werden sie verlesen und in nahezu jeder Kirchenvorstandssitzung, in Gemeindeversammlungen, in Dekanatssynoden und auf Landesebene wird darüber diskutiert und debattiert. Besonders erfreulich: Die „Jugend“ wird dazu eingeladen.

Schon klar, es handelt sich nicht um Luthers 95 Thesen, sondern um die 95 Thesen der Evangelischen Jugend. Und auch klar, das beschriebene Szenarium ist eine Wunsch- oder Traumvorstellung der Autorin.

Doch liebe Leserin, lieber Leser, es lohnt sich, die Thesen ausführlich zu lesen und zu diskutieren. Schon die erste These ist verführerisch: „Wir wünschen uns eine Kirche, die zur Einheit von Christen steht und den Dialog mit anderen Konfessionen aufrechterhält und vertieft“. Zustimmung. Freude. Wie vernünftig die jungen Leute doch sind.

Einheit der Kirche, das wünschen sich wohl alle. Aber warum gelingt das nicht, was ist so schwer daran? Gut, jede Konfession hat ihr eigenes Profil. Das ist auch sinnvoll und gut. Jedoch fragen gerade Jugendliche nicht nach den Unterschieden. Für sie spielt das Trennende, die religiöse Praxis der Konfessionen keine so große Rolle. „Wir sind doch alle Christen“, sagen sie sich. So möchten sie auch mal mit ihren katholischen Freundinnen und Freunden Abendmahl feiern und dabei die Gemeinschaft aller Gläubigen spüren. Entscheidend ist doch das Verbindende: Christus, Christsein.

Die Thesen sind erstellt, nun kommt die Zeit zum Handeln

Ein Jahr lang posteten Konfirmanden, Jugendliche und Ehrenamtliche – allein oder in Gruppen – ihre Wünsche und Forderungen an die Kirche, Politik und Gesellschaft.

271 Thesen sind eingegangen, davon wurden 95 Thesen in einem offenen Abstimmungsprozess festgelegt. Am 1.7. war es dann soweit, die Thesen wurden bayernweit in Kirchengemeinden und Dekanaten der Öffentlichkeit vorgestellt. Um 17 Uhr läuteten dazu in den Gemeinden die Kirchenglocken, Jugendliche luden zum Gottesdienst ein und es fanden unglaublich viele und kreative Aktionen statt. Luther hätte an den vielen jungen Reformatorinnen und Reformatoren seine Freude.

Landesbischof Bedford-Strohm war beeindruckt, als ihm die Jugendlichen vor der Nürnberger Sebalduskirche die Thesen überreichten. „Das ist ein junges Bild von Kirche, das wünsche ich mir“, sagte er. Gefallen hat ihm vor allem die Forderung „Beteiligungsräume schaffen“. Er versprach dies mitzunehmen und sich dafür einzusetzen, dass Jugendliche nicht nur dabei sein wollen, sondern auch beteiligt werden sollen! An die Vorsitzende der EJB gerichtet sagte er: „Lasst uns gemeinsam überlegen, wie wir an diesen Thesen weiterarbeiten können.“

Das ist es auch, was die EJB möchte: Gemeinsam überlegen, wie es weitergehen soll. Die Thesen sind keine Dogmen, vielmehr Fragestellungen, Wunschvorstellungen, welche zum Disput auffordern.  Und wenn die eine oder der andere mit einigen Thesen nicht einverstanden ist: Herzlich Willkommen zum Gespräch!

Luther wollte mit seinen Thesen auf- und wachrütteln. Er übte Kritik an der Kirche und Politk und zeigte dabei unglaublich viel Mut. Das ist es auch, was den Jugendlichen so imponiert. Sie möchten Kirche nicht nur infrage stellen, sondern mitgestalten an einer Kirche, die offen und lebendig ist, die tolerant ist und sich für Gerechtigkeit, für Arme und Schwache einsetzt, die Spaß hat und lebendige Gottesdienste feiert. Was gibt es da noch zu überlegen? These 20 bringt es zum Ausdruck: „Jugend ist Kirche von heute und von morgen ...“.

 

Die EJB hat ihre Hausaufgaben gemacht. Die Ehrenamtlichen sind bereit, mit der Kirchengemeinde, dem Kirchenvorstand, der Dekanatssynode etc. über ihre Vorstellungen ins Gespräch zu kommen und mit anzupacken. Das kommende Jahr bietet sicher – nicht nur im Hinblick auf die Kirchenvorstandswahlen – viele Gelegenheiten dazu. Schließlich wäre es jammerschade, wenn das Reformationsjahr nur ein Fest- und Thesenjahr gewesen wäre. Reformation muss sichtbar werden, packen wir es an.

So könnte anfangs genanntes Wunschszenarium ein bisschen Wirklichkeit werden.

Christina Frey-Scholz

1. Juli 2017 - in ganz Bayern wurden Thesen angeschlagen

Reformation passiert nicht an einem Ort. Reformation braucht viele Orte, viele Menschen, viele Stimmen. Vor 500 Jahren genauso wie heute. Deshalb fand auch die „Reformation reloaded“ am 1.7.17 nicht nur an einem einzelnen Ort statt. Knapp die Hälfte aller bayerischen Dekanate hat sich mit einer Jugendaktion beteiligt. Dazu kommen Kirchengemeinden, Jugendkirchen und Aktionen, die schon vor Juli stattgefunden haben oder erst noch kommen. Der Kreativität für die Veranstaltungen waren keine Grenzen gesetzt und so unterschiedlich wie Evangelische Jugend waren auch die Events. Hier nur ein paar Beispiele der bunten Ideen:

In Fürstenfeldbruck ging es schon am Vor­abend los. Rund 20 Jugendliche verbreiteten die 95 Thesen als Graffitis in der Stadt. In München wurde zum Stadtteilfest eingeladen, die Thesen an der Jugendkirche entrollt und gemeinsam gelesen. In Castell, Landshut, Würzburg und anderen Dekanaten machten sich die neuen Thesen an Luftballons auf den Weg in die Welt, begleitet von Jugendgottesdiensten, Andachten und Feiern. Die Evangelische Jugend Weiden hatte schon vorab um Thesentüren gebeten – 60 gestaltete Kunstwerke konnten am Ende ausgestellt werden. In Neu-Ulm hieß es beim Jugendevent mit Musik, Begegnung und Talk-Runden „Ich bin so frei!“. Die Evangelische Jugend Schweinfurt entführte beim Mittelalterfest in die Zeit Luthers. Im Ostallgäu wurden Thesen an allen Kirchen, Schulen, Gemeinde- und Rathäusern angeschlagen und die Verbreitung in einem Video festgehalten.

Doch damit ist die „Reformation reloaded“ noch nicht am Ende. In vielen  Dekanaten finden in diesem Jahr noch weitere Veranstaltungen
und Aktionen statt. Eine Übersicht gibt es auf der Website www.re-loaded.ejb.de. Bei der Internationalen Jugendbegegnung im August in der Jugendbildungsstätte Neukirchen ging es mit Jugendgruppen aus Bayern, Papua-Neuguinea, Tansania, Malaysia und Palästina um das Thema „Reformation reloaded – here, there, everywhere“.

Daniela Schremser

Erfolgreich reformiert! Sind wir das?

Am ersten Juli schlugen die Jugendlichen der Evang. Jugend in Bayern 95 Thesen an Kirchentüren, ließen sie von Kanzeln und Kirchtürmen herunter und sprayten sie auf öffentliche Gebäude und Plätze. Sind wir nun reformiert?
Als Luther seine Thesen an die Kirchentüre von Wittenberg schlug, wollte er nur eine Diskussion anstoßen. Und das sollen diese Thesen auch. Sie sind der Beginn und nicht das Ende. Sind nun die Erwachsenen in der Kirche am Zug?

Hätte Luther sich nach dem Thesenanschlag auf die katholische Kirche verlassen, wäre alles ganz anders gekommen. Er hat diese Thesen, trotz aller Widerstände, als Grundlage für sein Handeln und für sein Leben genommen. Und das wird die Evangelische Jugend auch tun. Für sie werden diese Thesen ein Ansporn sein, ihrem Traum von einer besseren Kirche und Gesellschaft etwas näher zu kommen. Und die Erwachsenen in der Kirche? Sie haben die Chance, wieder jung zu werden, träumen zu dürfen und alles dafür zu tun, dass diese Träume Wirklichkeit werden.

Ute Markel