zett die Zeitung für evangelische Jugendarbeit

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Buchrezensionen

Zett Juni 2017

Liebe Leserin, lieber Leser,

"Gute Gespräche sind Grundnahrungsmittel für die Seele." Das haben wir zu Anlass genommen, und eine zett mit vielen unterschiedlichen "Gesprächen" herausgegeben. 

Wir wünschen viel Spaß beim Lesen. 

Aus dem Inhalt der aktuellen Zett:

Im Gespräch sein? Ins Gespräch kommen?

Ganz schön viel Blablabla.

Wie das denn sei. Wenn man viele Nudeln esse und ob die wirklich zu den Ohren wieder herauskommen könnten. Wo das Ohr doch [stecken Sie sich bitte jetzt den Finger in Ihr Ohr] HIER zu Ende sei. Soweit die Diskussion zwischen den beiden Fünfjährigen beim Abendessen.
Ich liebe diesen heiligen Ernst von Kindergesprächen. Die Erkundungen der Welt und ihrer endlosen Eventualitäten. An Themen mangelt es nicht.

Gesprächsstoff für Erwachsene hingegen kann man mittlerweile kaufen. In der Spieleabteilung, 110 Fragekärtchen. Und die Packung verspricht, dass wahlweise Autofahrten, Familienfeiern oder Dinnerpartys dadurch lustiger würden, verrückt sogar. Ich kenne mich mit Dinnerpartys zum Glück nicht aus, fürchte aber, dass ich vielleicht auch gar nicht weiß, ob ein Gespräch verrückt sein muss. Und was ein Gespräch überhaupt ausmacht.

Dieser Unwissenheit kann ich begegnen, mit  meinem Telefon. Wie die meisten telefoniere ich damit kaum, sondern bin im Internet. (Jaha – ich ‚gehe‘ nicht mehr ins Internet, ich ‚bin‘ da natürlich. Ich trage sie also permanent in meiner Hosentasche, die große weite Welt des Gesprächs und des Geplänkels.) Schnell stolpere ich über „10 Praxistipps für ein erfolgreiches Gespräch“. Im ersten Moment kann ich nicht genau benennen, was mich an dieser Überschrift irritiert. Dann aber, die Tipps. Man solle sich vorbereiten. Und während des Gespräches niemals die eigenen Ziele aus den Augen lassen. Man solle Vielredner stoppen, sich selbst aber nicht unterbrechen lassen.

Ich hoffe, dass es um „technische Ge­spräche“ geht, z.B. Gehaltserhöhungen, Beschwerden, Gesprächsführung.

Gespräche bewegen und gute Gespräche wirken nach

Wenn ich an gute Gespräche denke, denke ich nicht „erfolgreich“, sondern „persönlich“. Nicht an starre Ziele und Vorbereitung. Zufälle sind es oft. Unerwartete Begegnungen. Überraschende Ansichten. Der völlig falsche Moment. Plötzliche Nähe. Neue Fragen. Diese Zutaten machen Gespräche besonders. Sie können  uns auch mal drei Minuten oder eine ganze Nacht aus dem Tritt oder Trott  bringen.
Gespräche bewegen. Mich und mein Gegenüber, Kopf und Bauch. Gute Gespräche wirken nach, sie begleiten in den Alltag des belanglosen Geplänkels. Deswegen stellt für mich ein Chatverlauf oder ein Post in den seltensten Fällen ein Gespräch dar. Eine Statusmeldung und ihre Reaktionen ebenso wenig.

Ich gebe zu, mein Argument für Facebook oder Twitter war lange, mit Leuten in Kontakt bleiben zu wollen. Vielleicht sogar im Gespräch. Humbug. Es fehlt etwas bzw. jemand. Das ständige Senden an alle über mich von mir vertuscht die Leere am anderen Ende. So sehr es mich freut zu lesen, wer gera­de wie wo mit welchem Essen unterwegs ist – am Ende bleibt das schale Gefühl in der Stille des Zwinkersmileys nach ein paar Zeilen.
Vielleicht habe ich das Medium nicht kapiert, mag ja sein. Es scheint nicht meins zu sein. Schade.

Um nicht alle Kontakte zu verbummeln, habe ich angefangen, Gesprächsfäden wiederaufzunehmen. Sonntags schreibe ich eine Postkarte. An irgendjemanden, mit dem ich wieder ins Gespräch kommen möchte. Klingt fast so einseitig wie ein Facebook-Post. Fühlt sich aber persönlicher an. Und macht Freude. 
Manchmal ist das eine Kunst, ins Gespräch zu kommen. Zum Beispiel mit diesen Vielen, mit denen keiner spricht. Über die aber viel geredet wird. Ich arbeite in einer Initiative gegen Jugendarbeitslosigkeit. Arbeitslose Jugendliche? „Klar kennt man die Zielgruppe!“ Wenn ich das höre, nehme ich das Gegenüber meist bei nächster Gelegenheit mit in eine unserer Gruppen. Kennt man nämlich nicht. Oder nur aus dem eigenen Kopf. Aus Gesprächen über. Nicht aus Gesprächen mit. Dabei können diese Gespräche einen Unterschied machen. Für meine Weltsicht. Und vielleicht auch für die Perspektive des anderen.

Ganz schön viel Blablabla aus meinem Kopf auf dieses Papier geflossen. Dabei ist es oft weniger wichtig, die richtigen Worte zu finden. Sondern offen zuzuhören. Stille auszuhalten. Die Stille im Gespräch. Die Stille rund um ein Gespräch. Die Stille, in der ein Gespräch wachsen kann. Die Stille, die auch Gebete macht. Ganz ohne Zwinkersmiley.

[Und wenn Ihnen jetzt zu leise ist, dann nehmen Sie doch bitte Ihren Finger wieder aus dem Ohr.]

Petra Schnabel
Die ehemalige Vorsitzende des Landesjugendkonvents arbeitet bei JOBLINGE, einer Initiative gegen Jugendarbeitslosigkeit.


Anna Maria van Schurman

Ein fiktives Interview mit einer beeindruckenden Reformatorin.

Als „Stern von Utrecht“ und „Alpha der Frauen“ ging sie in die Geschichte ein. Anna Maria van Schurman galt als überzeugt reformatorisch, hochbegabt und überaus belesen. Die niederländisch-deutsche Gelehrte wurde am 5. November 1607 n Köln geboren und starb am 4. Mai 1678 im westfriesischen Wieuwerd. Stetig setzte sie sich für die Rolle der Frauen in ihrer Kirche und Gesellschaft ein. Ein fiktives Interview mit einer beeindruckenden Frau.

Zett: Sehr geehrte Anna Maria van Schurmann. Als Frau, die sowohl reformiert, als auch umfassend gebildet ist, mussten Sie viele herbe Rückschläge erdulden. Bitte erzählen Sie, welche Ereignisse in Ihrem Leben Sie besonders geprägt haben.

Seit ich denken kann, ist mein Leben von Flucht und Verfolgung bestimmt. Meine Eltern gingen mit mir 1610 von dem katholischen Köln nach Holland in das liberale Utrecht. Sie brachten mir bei, dass widrige Umstände keine Gründe für Glaubenszweifel darstellen, eher sollten sie mir Kraft geben, keine Kompromisse auszuhandeln, wenn es um meine Überzeugungen geht. Ich solle aufrecht für meinen Glauben einstehen und weltlichen Dingen entsagen.

Zett: In Ihrer Schrift „Dissertatio“, zu Deutsch: „Darf eine christliche Frau studieren?“, rechtfertigen Sie den Bildungsanspruch der Frau mit den theologischen Aussagen der Bibel. Können Sie bitte etwas näher darauf eingehen?

Ich lernte früh die Bibel zu verstehen und auszulegen. Ich spreche zwölf Sprachen fließend, darunter auch Latein, Griechisch und Hebräisch. Mir war es vergönnt, die Heilige Schrift im Original zu lesen. Ich kann nun also fest behaupten, dass die Bibel die uneingeschränkte Bildung nicht nur dem Mann, sondern auch der Frau zugesteht. Frauen sind nach der Schöp­fungsgeschichte gleichwohl wie die Män­ner Ebenbilder Gottes. Auch an sie richtet sich der göttliche Auftrag an die Menschen, nach der Erkenntnis Gottes zu streben.

Zett: Für eben diese Aussage haben Sie Ihr Leben lang eingestanden. Welches Ereignis würden Sie als Ihren persönlich größten Erfolg betrachten?

Als erste protestantische Frau durfte ich an der theologischen Fakultät in Utrecht studieren. Doch auch, wenn ich dies heimlich hinter einem vergitterten Kasten tat, so kann ich wohl sagen, dass mein Erfolg die Banalität der männlichen Eitelkeit enthüllte. Ich schrieb dazu bereits: „Denn, wenn Weisheit tatsächlich eine so große Zierde für das Menschengeschlecht ist, dann kann ich nicht einsehen, warum man einem Mädchen gerade diesen bei weitem schönsten Schmuck nicht zugestehen sollte.“

Zett: Ende 1640 verlassen Sie langsam das wissenschaftliche Leben und schließen sich 1668 schließlich der Labadistischen Hausgemeinde an. Welche Beweggründe führten Sie dazu?

Ich tat dies als einzig logische Konsequenz meines Glaubens. Für mich waren das Streben nach Wissen und die Umsetzung der Bibel stets Teile meiner Überzeugung von einem gelebten Christentum. Frömmigkeit und Entsagung spielen darin eine ganz zentrale Rolle, weswegen ich mich schlussendlich dem Pietismus und eben jener Hausgemeinde zuwandte.

Zett: Eine letzte Frage noch, Frau van Schurman: Würden Sie sich als Feministin bezeichnen?

Meiner Ansicht nach ist die Bildung der Frauen eine theologische Frage und keine, die auf politisch-emanzipatorischen Gründen beruht. Ich bin also keine Feministin. Was ist denn der Zweck der Bildung? Nun, sie dient nicht nur der Erkenntnis Gottes, sondern verbessert auch die christliche Gelehrsamkeit, Moral und Frömmigkeit. Ich wiederhole meine These gerne: „Einer christlichen Frau steht ein Studium der Wissenschaften zu“ – und das unabhängig von politischen Ansichten.

Das Gespräch führte unser Redaktionsmitglied Andrea Marsing.

Im Gespräch mit Gott

Nichts ist so leicht, wie mit Gott ins Gespräch zu kommen. Hören wir Ihn nicht in allem, was uns umgibt?  Im Anfang gab es weder Zeit noch Raum. Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht. (Gen 1,3)

Ein Funke aus dem Nichts vor Milliarden Jahren. Gott sprach, es seien Himmel und Erde, es seien Pflanzen, Tiere und Menschen. Schau dir die Pflanze an, die einen Riss im Beton gefunden hat. Wer kann einen Frühling erlebt haben und nicht an Auferstehung glauben? Sieh das Lächeln deines Mitmenschen. Ist das Leben nicht ein Wunder? Geh raus und höre Gott! Das alles hat er geschaffen, das ist Gottes Wort an dich!

Und doch ist nichts so schwer, wie mit Gott ins Gespräch zu kommen. Wo ist Gott, wenn ich Ihn rufe? Wie oft höre ich Ihn nicht, wenn ich frage: Wo bist Du, Gott? Warum erklärst Du Dich nicht? Wer bist Du, dass Dein eigener Sohn am Kreuz fragen musste: Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlas­sen? (Mk 15,34)
 
Das Kreuz ist nicht das Ende. Wäre die Erzählung mit dem Karfreitag vorüber gewesen, wir würden uns nicht im Geringsten für diesen Sohn eines Zimmermanns aus Galiläa interessieren.
Ostern hat alles verändert. Es brachte den Leuten die Erkenntnis, dass Gott nie geschwiegen hat, dass Er selbst stets anwesend war.
Gott hat das letzte Wort. Er hat uns zu Pfingsten Seinen Heiligen Geist gesandt, damit wir aus Seiner Kraft und Gnade und aus Seinem Wort leben und Ihm begegnen können.
Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. (Mt 28,20)

Lucas Horn