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Buchrezensionen

Zett März 2016

Liebe Leserin, lieber Leser,

"Neu" ist das Thema unserer ersten zett im Jahr 2017.  Was ist NEU? Etwas noch nie Dagewesenes? Etwas Unbenutztes, Blankes? Etwas, dass noch niemandem gehört? Ist NEU anstrengend? Etwas Fremdes, Unbekanntes und Ungewohntes? Und ist NEU jetzt etwas Gutes oder Schlechtes? In unserer aktuellen zett kann man einiges dazu lesen.

Wir wünschen viel Spaß dabei.

Aus dem Inhalt der aktuellen Zett:

Das geht mit alles viel zu schnell

Tada! Das Jahr 2017 hat bereits die ersten beiden Monate hinter sich – ist aber noch ganz frisch – und die Jahresplanung in vielen Jugendwerken steht schon seit dem letzten Herbst, jetzt fehlen nur noch kleine Details.

Die Medien haben 2016 verflucht, wir verabschiedeten uns von großen Berühmtheiten: Alan Rickman, Peter Lustig, Roger Cicero, Hans-Dietrich Genscher, Bud Spencer, Götz George, Muhammad Ali, Fidel Castro, Carrie Fisher und auch von so vielen Erinnerungen. Es gab terroristische Anschläge in Deutschland, es fliehen nach wie vor Millionen Menschen vor Krieg und Gewalt, in Syrien kann von einem Friedensgedanken keine Rede sein, in der Türkei werden demokratische Rechte eingeschränkt, Amerika hat einen neuen Präsidenten – was viele immer noch nicht glauben und wahr haben wollen,  und das sind nur die Nachrichten, die wir in den Zeitungen lesen konnten. Und Ihnen fällt sicher noch etwas ein, was ich nicht mit aufgelistet habe. Und gar nicht erwähnt – aber trotzdem mindestens genauso wichtig, persönliche Erlebnisse und Rückschläge. 2017 kann also nur besser werden! Wir können selbst dazu beitragen und es besser machen.

Das heißt aber auch, ich muss mich von Altem lösen, mich verabschieden, Dinge ruhen lassen, abgeben, Veränderung zulassen – es anders, es neu machen. NEU. Dieses Wort ist mir dann doch irgendwie zu viel. Das geht mir zu schnell! Neu heißt dann doch gleich was ganz Anderes.

NEU passiert jede Sekunde

Wenn ich ehrlich bin, plane ich gerne und mache auch gerne so etwas wie eine Jahresplanung. Es gibt Termine, Verträge, gut sortierte Ordner, ich liebe diese Struktur und Ordnung. Ich habe den Überblick und häufig Plan B, C, D und E wenigstens im Kopf schon durchdacht. Vielleicht bin ich ein bisschen ein Kontrollfreak. Zufall, Spontanität, in den Tag hineinleben, sind jetzt nicht unbedingt die Worte, die ich häufig verwende und die auch zu mir nicht wirklich passen wollen.

Und trotzdem komme ich um das Wort Neu nicht herum. Was ist NEU? Etwas noch nie Dagewesenes? Etwas Unbenutztes, Blankes? Etwas, dass noch niemandem gehört? Ist NEU anstrengend? Etwas Fremdes, Unbekanntes und Ungewohntes? Ersetzt es etwas, muss ich dafür etwas Anderes hergeben? Upcycling = neu? Kann sich etwas Neues nur aus etwas Altem entwickeln? Und ist NEU jetzt etwas Gutes oder Schlechtes?

Ich kann das neue Jahr nicht aufhalten, ich kann Momente trotz gemachtem Foto nicht festhalten, NEU passiert jede Sekunde. Für mich auf der einen Seite ziemlich erschreckend. NEU macht mir oft Angst: Ich habe Angst, etwas hergeben und verlieren zu können, auch wenn es eine schmerzvolle Erinnerung sein kann. Wann bin ich bereit für etwas Neues, werde ich das jemals sein? Und doch gehört auch eine gewisse Neugierde zu mir. Grenzen testen, sich beweisen, sich selbst spüren.

Am Ende wird alles gut, und wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende. Oscar Wilde

Neugierde allein reicht aber dafür noch nicht aus – ich spreche aus Erfahrung =) es braucht mehr. Es braucht Vertrauen und Mut. Ein mittlerweile ziemlich häufig auf Postkarten gedrucktes Zitat von Oscar Wilde sagt: „Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende.“ Für uns Menschen ist der Tod das Ende, als Christen glauben wir, dass das Ende der Anfang ist. Gott hat uns mit Jesus Leben, Tod und Auferstehung das Anbrechen seines Reiches schon jetzt versprochen, auch im Jahr 2017. Gott spricht: Ich schenke dir ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.

Gott lehrt mich Vertrauen, er glaubt an unsere Beziehung, glaubt an mich und an uns Menschen, er ist es, der mir den Mut schenkt, NEU zu wagen. Manchmal überschwänglich ansteckend zusammen mit Jugendlichen, die bei uns in den Gremien sitzen, euphorisch zusammen mit der neuen Kollegin, freudig mit Jugendlichen am Lagerfeuer. NEU – Wo braucht es Veränderung in Kirche, Gesellschaft, und Politik? Ich habe Lust auf Veränderung …was ist dabei NEU?! Ich weiß es noch nicht, aber ich werde es zusammen mit vielen anderen herausfinden…

Theresa Kosog
Dekanatsjugendreferentin Fürstenfeldbruck

Die Reformation vor der Reformation

Eine Geschichte über den Reformator Jan Hus

Schon vor der lutherischen Reformation im 16. Jahrhundert gab es eine Bewegung, von der heute als „Die Reformation vor der Reformation“ gesprochen wird.

Spärlich leuchtete das Licht der Fackel die kleine Zelle aus, warf Schatten durch den Raum und verlor sich, bevor es in die Ecken vordringen konnte. Hus saß auf dem Boden des Kerkers und fühlte, wie die Kälte langsam in seine Knochen kroch. Er war wütend. Wütend auf Kaiser Sigismund, der ihm freies Geleit gewährt hatte und dieses Versprechen brach. Wütend auf das Konzil, das nach Lösungen für seine innerkirchlichen Probleme suchte, aber keine Reformen wollte. Aber vor allem war er wütend auf sich selbst, dass er so naiv gewesen war, der Einladung des Konzils zu folgen.

Das Konzil in Konstanz von 1414 bis 1418 wollte die Spaltung innerhalb der römisch-katholischen Kirche aufhalten und eine Kirchenreform durchführen. Er hatte wirklich geglaubt, durch seine Kritik etwas beitragen zu können.  Doch er hatte schlechte Karten, er galt als ein Ketzer. Hus lehnte sich an die grobverputzte Wand und ließ sein Leben an sich vorüberziehen.

Im Jahre 1370 wurde Jan Hus im südböhmischen Husinec geboren. Sein Leben war geprägt von den Standesunterschieden zwischen dem deutschsprachigen Adel und der tschechischen Bevölkerung, die sich durch ihre Herren weder repräsentiert noch respektiert fühlte. Im Alter von 20 Jahren studierte Hus an der Universität in Prag Theologie und Philosophie, promovierte zum Magister und legte 1400 die Priesterweihe ab.

Während dieser Zeit wurde er als tschechischer Volksprediger berühmt. Er stellte die herrschende Ordnung innerhalb der Kirche und dem Staat in Frage. Viele Ansichten teilte er dabei mit dem englischen Theologen Wycliff. So zum Beispiel, dass in Glaubensfragen weder die Kirche noch ihre Kirchenmänner die Autorität besaßen, Lösungen und Vorschriften zu machen, sondern nur die Bibel. Er vertrat auch die Prädestinationslehre, dass das Schicksal des Menschen von Gott vorherbestimmt ist. Somit konnte sich niemand der göttlichen Gnade sicher sein – selbst der Papst nicht. Sowieso entsprach der Zustand des Papsttums mit seinen Affären und Reichtümern nicht der christlichen Lehre. Nur ein armer und demütiger Papst könne nach Jan Hus der wahre Nachfolger Petri sein. Auch den Ablass verdammte er in seiner Schrift Questio de indulgentis (die Frage der Gnade) 1412 und setzte sich für eine Rückbesinnung der Kirche auf die christlichen Lehren ein.

Er forderte, dass Böhmen nicht länger unter der Herrschaft des deutschen Kaisers und des Königs von Böhmen zu stehen habe, sondern vom tschechischen Volk regiert werden sollte. Auch sollte die Bevölkerung in der Öffentlichkeit die tschechische Nationalsprache sprechen und die Predigt auf Tschechisch hören dürfen. Jan Hus übersetzte in diesem Sinne die Evangelien in seine Muttersprache.

Während er für seine Überzeugungen vom Volk gefeiert wurde, machte er sich bei den kirchlichen und staatlichen Oberhäuptern Feinde. 1408 verbot ihm der Prager Erzbischof die Predigt, zwei Jahre später folgte der Kirchenbann. 1412 verließ Jan Hus Prag und fand Zuflucht auf den Burgen seiner wenigen böhmischen Mitstreiter.

Doch selbst deren Unterstützung konnte er sich anscheinend nicht sicher sein, dachte Jan Hus, als er sich wieder allein in seiner Zelle fand, sonst wäre er nicht zu diesem Konzil gegangen und wäre nicht als Häretiker verurteilt worden. Morgen, am 6. Juli 1415 soll er auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden…

Auf Jan Hus‘ Tod folgte ein entfesselter Kirchenstreit in Prag. Die Hussiten bildeten sich als eigene religiöse Gruppe heraus, welche die katholischen Landesherren in den Hussitenkriegen von 1419 bis 1436 zu bekämpfen versuchten. Diese Ereignisse rund um Jan Hus werden heute als die „Reformation vor der (lutherischen) Reformation“ bezeichnet. Luther selbst sagte einst, nachdem er die Lehren von Jan Hus studiert hatte: „Wir sind alle Hussiten, ohne es gewusst zu haben.“

Andrea Marsing
zett-Redaktionsmitglied

Ach übrigens …

Zweiter zu sein macht Spaß

Ich komme ins Wohnzimmer. Das Känguru liegt in der Hängematte und döst.
„Wenn du“, beginne ich, „wie du behauptest, gestern das Bad geputzt hast, warum ist es dann immer noch schmutzig?“ „Weiß nicht“, sagt das Känguru, „aber ich weiß warum. Du hast das Bad nämlich gar nicht geputzt. Das war eine Lüge.“ „Nee“, sagt das Känguru. „Das war ein alternativer Fakt. […]“
(Facebook-Post von Marc-Uwe Kling, Autor der Känguru-Chroniken)

Ja richtig: Auch unsere zett kommt am Thema „Trump“ nicht vorbei. Trump dies, Trump das, in sozialen Netzwerken und Nachrichten fehlt fast schon etwas ohne den „täglichen Trump“. Und jetzt auch noch hier. Aber mal ehrlich, ignorieren geht ja auch nicht und wäre wahrscheinlich auch nicht der richtige Weg.

Seit Anfang Februar lohnt sich trotzdem ein Blick auf Europa. Klar, „America first“, aber ganz Europa will jetzt Zweiter werden! Europäische Late-Night-Shows haben sich organisiert und jeweils für ihr Land ein Video erstellt. Ziel ist es immer in „Trump“-Manier zu erklären, warum das eigene Land Zweiter der Welt werden sollte. Den Anfang nahm das Ganze in den Niederlanden. Das entsprechende Video wurde millionenfach gesehen und war ein viraler Hit in sozialen Netzwerken. Darauf aufbauend entstand die Aktion „everysecondcounts.eu“. Die verschiedensten Länder Europas, aber auch z.B. Marokko und selbst Bayern, sind mit eingestiegen. Und eines ist dabei ganz klar: Zweiter zu sein macht großen Spaß. Neben den realen Vorzügen der Länder, sparen die Videos nicht mit ironischen Seitenhieben auf andere EU-Mitglieder, sich selbst und natürlich Herrn Trump, an den alle Clips gerichtet sind. Ein alternativer Fakt, den ich dabei schon gelernt habe: ABBA kommen aus Belgien und ich war in Stockholm wohl im falschen Museum…

Aber gut. Alternative Fakten bestimmen manchmal das Leben und machen es ja auch um einiges einfacher. Zum Beispiel, wenn ich mir sage, dass ein Stück Kuchen gar keine Kalorien hat, dass es gesünder für meine Knie ist, den Aufzug statt die Treppe zu nehmen oder wenn das Känguru behauptet, das Bad geputzt zu haben. Der Unterschied ist allerdings, dass dies ausschließlich meine alternativen Fakten sind (oder die des Kängurus) und ich damit kein Land regieren will. Da ist es also kein (großes) Problem, wenn ich mir selbst etwas vorlüge. Wenn alternative Fakten aber ein Werkzeug von Regierenden sind oder von solchen, die es werden wollen, dann ist das ein Problem.

Was bleibt also in Zeiten alternativer Fakten? Natürlich zum einen die ganz realen nichtalternativen Fakten. Statistiken, prüfbare Erfahrungen, verschiedene Perspektiven, Tatsachen – und ohne die selbstständige Suche danach, geht es kaum noch. Aber uns bleibt auch Satire, Ironie, Humor. Schon Joachim Ringelnatz meinte: „Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt.‘‘ „Getrumpe“ hin oder her, ich empfehle einen Blick auf www.everysecondcounts.eu, denn Humor verbindet und alternative Fakten können großen Spaß machen.

Daniela Schremser