Das Kirchenjahr schenkt uns das Licht

Winter.

Weißer Winter. Idealerweise.
Kein Glatteis auf dem Weg
zum Skifahren.
Klare Luft, blauer Himmel.
Pulverschnee glitzert.

Am Abend, Winterdorf mit Freunden. Glühwein. Kalte Füße in dicken Winterstiefeln. Lichterketten über den Straßen. Zuhause leuchten die Fenster warm.

Wenn es jetzt noch schön warm ist zuhause, der Teller Plätzchen dasteht und eine Decke auf dem Sofa liegt - dann habe ich hier die Winteridylle bis zum Äußersten ausgereizt. Aber: Was soll´s. Er kann so sein, der Winter, und dann lieben wir ihn!

Ich möchte an dieser Stelle gleich mal drauf hinweisen, dass es ein fantastisches Erlebnis sein kann, an einem so strahlenden Wintersonntag morgens in die Kirche zu gehen - sie strahlt drinnen, durch die tiefstehende Morgensonne und den glitzernden Schnee draußen, so unbeschreiblich hell wie sonst das ganze Jahr nicht mehr.

Die Epiphaniaszeit, ab 6. Januar, ist auch im Kirchenjahr eine Zeit des Lichtes!

Moment. Epiphaniaszeit, Kirchenjahr? Waren wir grade nicht noch stimmungsmäßig unterwegs und jetzt geht es um Kirche und Liturgie?

Ja, ich gebe es zu, das kam überraschend. Aber - lasst Euch drauf ein, setzt Euch in Gedanken auf das oben vorbereitete Sofa und lasst Euch das erste Geschenk der Saison schenken: Den Zauber des Kirchenjahres.

Es ist etwas Besonderes mit dem Kirchenjahr. Über den Alltag legt es sich und lässt es in einem anderen Licht aufleuchten – im Licht des Evangeliums Gottes. Doch es beginnt nicht strahlend, nicht mit Feuerwerk.

Nein, es nimmt sich den November vor: die dunkelsten Tage, Volkstrauertag, Buß- und Bettag, Totensonntag. Da, wo Menschen zugeben, dass sie am Ende sind, da muss es einen Anfang geben. Wo sonst?

Da ist er doch auch, der Winter! Dass uns kalt ist, wir gar nicht mehr warm werden können mit uns und dem Leben, dass es dunkel ist um uns und wir nur noch müde sind, krank und abgeschlagen. Da will es hin, das Evangelium. Denn da wird es gebraucht, das Licht in der Finsternis: die Botschaft von Christus!

Nichts da mit „besinnliche Zeit“! Advent ist: „Mensch! Komm zur Besinnung! Warum brauchst Du einen Heiland?“

Wir bekommen Zeit für die Antwort. Vier Wochen. Draußen werden die Wintertage noch kürzer.

Aber das Kirchenjahr hat schon begonnen, am ersten Advent. Es nimmt uns an die Hand und führt uns langsam, Kerze für Kerze hin zum Licht der Welt.

Und in der Nacht der Nächte, am Heiligen Abend, da bringt es uns zusammen und in den Kirchen jubelt das Evangelium auf: „Christ, der Retter ist da!“ Und wir stimmen mit ein.

Jetzt bloß nicht aufhören! Jetzt dranbleiben!

Weiterfeiern! Wenn Ihr den ersten Feiertag nicht schafft, gönnt Euch wenigstens den zweiten!

Denn ab jetzt geht die Botschaft von Christus nicht mehr nur ins Herz, jetzt will sie den Verstand!

Die Klarheit des Herrn leuchtet! Steht auf, erhebt Eure Häupter!

Und wenn wir aufrecht stehen, getröstet und heil - sind wir soweit! Bereit, dass wir es leuchten lassen: Das Evangelium hinausbringen in die Welt - in ihren Winter - und weit darüber hinaus.

Katharina Kemnitzer, Pfarrerin
Vorsitzende des Dach- und Fachverbandes für evang. Religionsunterricht (GVEE)