Das Weihnachtslächeln

So schnell ich konnte, packte ich meine Siebensachen zusammen und schon stand ich auf der Straße.
Noch war alles dunkel. Es war mitten in der Nacht. Doch ich war voller Energie.

Ich schaute in den Himmel, suchte ihn ab nach dem besonderen Stern.Und als ich ihn gefunden hatte, ging ich schnurstracks drauf los.

Wie lange ich unterwegs war? Ich weiß es nicht. Doch irgendwann blieb der Stern über einem Stall stehen.Voller Neugier öffnete ich langsam die Tür – und erschrak: Was war denn hier los?

Da standen Große, Kleine, Junge, Alte, Schwache, Starke, Außenseiter und Beliebte, Einheimische, Durchreisende und Zugewanderte und so viele mehr.Der ganze Stall war voller Menschen.

Wie konnte das sein? Der Engel hatte doch zu mir gesprochen und mir die Geburt dieses Kindes verheißen. Das lag ja auch auf der Hand, dass er mich als allererstes über die Geburt des Erlösers informiert! Aber all die anderen?

Ich versuchte mich genau an die Worte des Engels zu erinnern:

„Siehe, ich verkündige euch große Freude; denn euch ist heute der Heiland geboren“.

Und ich musste begreifen: Der Engel hatte „euch“ gesagt und damit nicht mich allein im Pluralis Majestatis gemeint. Er meinte wirklich „euch“ - uns, alle Menschen! Und wir waren gekommen in all unserer Unterschiedlichkeit und gemeinsamer Hoffnung auf den Heiland.

Ich schluckte meinen verletzten Stolz hinunter und bahnte mir einen Weg zur Krippe. Als ich das Kind sehen konnte, lächelte es. Und für einen Augenblick spürte ich, dass dieses Kind wirklich der Heiland ist. Er macht zerbrochene Beziehungen heil, befreit von Egoismus, schenkt Gemeinschaft.

Als ich nun in die Runde schaute, breitete sich auch auf meinem Gesicht ein Lächeln aus und alle, die im Stall versammelt waren, nickten sich freundlich zu und gingen mit einem Strahlen wieder ihren Weg.

Johanna Kluge
Referentin für internationale Jugendarbeit

 

Titelbild: Weihnachtskrippe vor St. Michael, Fürth. Foto: Hans-Ulrich Pschierer