Den Glauben mit Musik erlebbar machen

„If God is a DJ, life is a dance floor. Love is the rhythm, you are the music“ (Pink)

Musik gilt als eine universelle Sprache der Menschheit und ermöglicht den direkten Zugang zu unseren Emotionen. Sie ist eine der wichtigsten religiösen Ausdrucksformen. Daher hat Musik auch für die religiöse Entwicklung Jugendlicher eine große Bedeutung. Insbesondere die Popmusik, da sie jungen Menschen näher steht als klassische Musik. Viele Jugendliche erleben EDM-Events und Rock-Konzerte als quasireligiöses Erlebnis mit gottesdienstähnlichen Zügen: Die Verehrung für einen Künstler. Die eigene Geschichte, die jede_n Konzertbesucher_in mit der Musik des Künstlers verbindet und in der Gemeinschaft aufgehen. Sich frei fühlen und loslassen. Interaktion und feste Rituale zwischen Künstler und Publikum.

Dennoch funktioniert die Formel „mit Popmusik zieht man die Jugend an“ längst nicht mehr. Erstens ist Popmusik schon lange nicht mehr die Musik der Jugend, denn die Beatles-Generation hat mittlerweile das Rentenalter erreicht. Zweitens ist Rock- und Popmusik heute allgegenwärtig. Sie machte 2018 72 Prozent des Umsatzes bei Streaming und Tonträgerverkäufen aus. Zum Vergleich kommen Klassische Musik und Jazz zusammen auf 3,4 Prozent. Deshalb sollte sie auch in Jugend- und Familiengottesdiensten eine Selbstverständlichkeit sein. Kirchliche Gemeinschaften wie Hillsong, Planet Shakers, ICF oder andere neue Entwicklungen machen es mit großem Erfolg vor. Hier werden Menschen allen Alters durch eine zeitgemäße Sprache, vor allem der Musik, angesprochen. Über Inhalte darf dabei gestritten werden, nicht aber über die „Sprache“.

Musikalische Schatzsuche

Doch was heißt das für die Arbeit in unseren Gemeinden? So selbstverständlich wie Popmusik in unserer Gesellschaft ist, so selbstverständlich sollten Gottesdienstbands und Popkantoren die Kirchenmusik flächendeckend bereichern und erweitern. Eine Schlüsselrolle nimmt die Bandarbeit in den Gemeinden ein. Sie ist musikpädagogische Aufbauarbeit, soziales Lernen und eine intensive Auseinandersetzung mit Glaubensthemen über die Liedtexte.

Die Musikwelt hat sich durch Smartphone und Spotify massiv verändert. Jede_r trägt heute nahezu das ganze Schaffen der Popmusik und ein voll ausgestattetes Video- und Tonstudio in der Hosentasche herum. Dies eröffnet ganz neue Möglichkeiten mit Jugendlichen über die Musik an Lebens- und Glaubensthemen zu arbeiten. Jugendleiter_innen können z.B. mit Jugendlichen gemeinsam bei Spotify auf musikalische Schatzsuche jenseits des Mainstreams gehen. Psalmen klingen auf einmal tiefgründig und modern, wenn man sie mit selbst erstellten elektronischen Beats unterlegt. Gegenbewegungen zur Technisierung wie der Boom der Kneipenchöre können das gemeindliche Singen und die Chorarbeit ganz neu beflügeln. Es ist noch viel Luft nach oben. Worauf warten wir?

Michael Ende
Verband für christliche Popularmusik

 

Der Verband für christliche Popularmusik in Bayern e.V. ist ein kirchenmusikalischer Fachverband der Evang.-Luth. Kirche in Bayern, entstanden aus der „Arbeitsgemeinschaft Musik in Bayern“ des Amtes für Jugendarbeit.
www.popularmusikverband.de