Die Welt ist bunt

Gott sei Dank, die Welt ist bunt. Als Evangelische Jugend fragen wir nicht nach Herkunft, Hautfarbe oder Kultur. Als Christ_innen treten wir für eine offene und plurale Gesellschaft, für Toleranz und Ge- rechtigkeit ein. Doch machen uns manche Entwicklungen Angst und Sorge und wir fragen uns, wo geht es hin?

Ein Kommentar aus der Sicht der evangelischen Jugendsozialarbeit

Kandel, Chemnitz, Köthen – spontaner rechter Gewaltausbruch oder gezielte Eskalation?

Herbst 2018 – Drei Städtenamen die mittlerweile traurige Berühmtheit er- reicht haben, da ihre Nennung meist im gleichen Atemzug mit rechten Aufmärschen erfolgt. Was diese Städte eint? Hier werden Verbrechen an vermeintlich deutschen Opfern von einem rechtsex- tremen Milieu instrumentalisiert, um eine pauschale Kriminalisierung von Migrant_innen als Straftäter_innen zu konstruieren. Was hier passiert, ist keine Eruption einer spontan aufgesta- chelten Masse oder empörter lokaler Bürger, sondern ein politisches Konzept von Rechtspopulist_innen. Bereits im Juni 2018 nutzt der AfD-Rechtsaußen- Politiker Björn Höcke in einer Rede das Brecht-Zitat: „Wo Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht.“ Das Ziel dahinter ist klar, der Druck der Straße soll neben dem Kampf um die Parlamente als zweites Standbein einer rechten Bewegung etabliert werden.

Auch wenn die AfD sich anfänglich noch scheute, sich mit Akteur_innen und Institutionen der extremen Rechten offen zu zeigen, entstand nun in Chem- nitz eine offene Allianz aus PEGIDA, AfD, rechten Hooligans und militanten Neonazis. Der Nährboden für dieses rechte Sammelbecken wurde, wie so oft in Zeiten der Digitalisierung, durch die sozialen Medien geschaffen. Dort zog diese Allianz bereits von Anfang an an einem Strang und hetzte in Kommen- tarspalten bei Facebook und YouTube offen gegen Minderheiten, engagierte Bürger_innen oder Politiker_innen. Doch beim virtuellen Hass bleibt es selten. Oftmals setzen sich diese im Virtuellen begonnenen Hetzjagden auf alles, was als Feindbild dient, auch in der Rea- lität, also auf der Straße fort. Diese Macht- und Gewaltdemonstration von unterschiedlichsten rechten Aktivist_in- nen lässt nicht nur zeitweise die über- forderte sächsische Polizei einknicken, sondern auch die Bundespolitik. Der Innenminister meldet sich erst sehr spät zu Wort und bezeichnet dann Migration „als Mutter aller Probleme“. Der Verfas- sungsschutzpräsident bezweifelt sogar noch die Tatsache, dass es in Chemnitz zu Hetzjagden gegen Migrant_innen gekommen ist. Gleichzeitig werden die Menschen, die sich in Chemnitz gegen den rechten Mob engagieren, als linksextrem diffamiert. Doch wer gegen Rechts einsteht, ist in erster Linie Menschenfreund und Demokrat.

Botschaft von Nächstenliebe und Menschlichkeit

Für uns als junge evangelische Men- schen ist es sehr wichtig, die Botschaft von Nächstenliebe und Menschlichkeit offen und klar sichtbar zu artikulieren, gerade in einer Zeit, in der das Leben von immer mehr Menschen durch Angstgefühle geprägt wird - Angst vor sozialem Abstieg, vor einer sich ver- ändernden Gesellschaft, vor unklaren Zukunftsperspektiven. Gerade wir Verantwortliche aus Ju- gendarbeit und Jugendsozialarbeit sind tagtäglich mit Ängsten vor allem junger Menschen konfrontiert. Diese Jugendlichen mit ihren vielfältigen Problemlagen stellen dadurch für rechte Rattenfänger die ideale Zielgruppe dar. Damit diese einfachen, populistischen und menschenfeindlichen „Wir gegen Die“ Plattitüden keine Chance haben, versuchen wir in der Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit jungen Menschen andere Werte und Perspektiven mit auf ihren zum Teil recht steinigen Lebens- weg zu geben. Gemeinschaft erfahren und sich gleichzeitig geliebt fühlen sind dabei zwei sehr wichtige Aspekte, die wir uns auf die Fahnen schreiben, damit Jugendliche eben nicht in die Fänge von „falschen Freunden“ geraten. Wir als junge Christ_innen können den Ängsten, die sich zunehmend in der Gesellschaft ausbreiten, durch unser Selbstverständ- nis sowie durch unsere Gemeinschaft ein positives Lebensgefühl entgegenbringen. Wir setzen uns als Evangelische Jugend für mehr Gerechtigkeit, Pluralität, Gemeinschaft sowie für eine offene und tolerante Gesellschaft ein. Die Welt ist bunt. Gott sei Dank. Wir sorgen dafür, dass sie auch weiterhin so bleibt.

Johannes Scholz-Adam
Landesreferent Gesellschaftspolitische Jugendbildung – ejsa