Ein Jahr für Ökologie und Nachhaltigkeit

Die FÖJ-Pionierin verabschiedet sich in den Ruhestand

Sich in Natur- und Umweltschutz engagieren, auf einem Biobauernhof arbeiten oder bei einem ökologischen Bildungsprojekt dabei sein, das bietet das Freiwillige Ökologische Jahr jungen Menschen von 16 bis 27 Jahren.

Als Pionierin baute Ingrid Auernhammer das FÖJ-Referat in der Evang Jugend in Bayern auf. 1994 wurde die Diplompädagogin in den Beirat zum Aufbau eines Freiwilligen Ökologischen Dienstes berufen. Am 1. Mai 1995 startet sie im neu eingerichteten FÖJ-Referat im Amt für evangelische Jugendarbeit mit Dienstsitz in Pappenheim. Zunächst mussten Einsatzstellen für die jungen Freiwilligen gefunden werden. Und natürlich mussten Jugendliche begeistert werden. Damals war ein FÖJ in Bayern kaum bekannt. Die Presse habe das Vorhaben sehr positiv begleitet, erinnert sich Ingrid Auernhammer und bald konnten erste Einrichtungen gefunden werden. „Insgesamt war eine große Offenheit für Ökologie und für die jungen Menschen vorhanden“, erzählt sie.

Mit 18 jungen Freiwilligen konnte die FÖJ-Referentin den ersten Jahrgang starten. Arbeitsfelder gab es zunächst in Bildungs- und Jugendeinrichtungen, in Umweltverbänden, Naturschutzbehörden, Landrats- und Forstämtern oder Waldkindergärten. Später kamen die ökologische Landwirtschaft und sogar ein FÖJ-Einsatz in Weißrussland dazu. Heute gibt es insgesamt 70 Einrichtungen mit ca. 100 Plätzen für die ökologischen Helfer_innen.

Wenn Jugendliche sich für ein freiwilliges Jahr entscheiden, wird ein Interesse an ökologischen Aufgaben erwartet. Für ihre Tätigkeit erhalten sie 180 Euro Taschengeld. Neben der konkreten Arbeit in der Einsatzstelle, nehmen die FÖJler an fünf Seminarwochen teil. Hier haben sie Gelegenheit, sich mit anderen auszutauschen und über ökologische Themen nachzudenken. Auch Themen zu Spiritualität und Lebensstil sowie gemeinsame Unternehmungen und Aktionen stehen auf dem Programm.

Seit Bestehen des FÖJ-Referats hat Ingrid Auernhammer etwa 100 Einsatzstellen beraten und ungefähr 1.500 Jugendliche begleitet. „Die jungen Leute sind mir dabei sehr ans Herz gewachsen“, erzählt sie. Stolz zählt sie auf, was aus den ehemaligen Freiwilligen geworden ist. Viele sind in ökologischen Berufen gelandet, als Biologen, Förster, Landwirte oder Landschaftsgärtner, manche haben eine wissenschaftliche Karriere angestrebt, viele das Lehramt, sind Pfarrer oder Diakone geworden oder haben Soziale Arbeit studiert. Einer ist jetzt in England promovierter Astrologe und eine lebt mit ihrer Familie in Sibirien und arbeitet dort mit Saatgut.

Derzeit sind etwa hundert Freiwillige in einem Jahrgang. Viele Jugendlichen nutzen das ökologische Jahr als Übergang von Schule zu Studium oder Ausbildung. Sie wollen endlich etwas Praktisches und Sinnvolles machen. In der Anfangszeit haben vor allem junge Frauen ein FÖJ gemacht. „Als man statt des Zivildienstes auch einen Freiwilligendienst machen konnte, kamen auch mehr junge Männer zu“, erinnert sie sich.

Aber auch über das FÖJ-Refrat hinaus engagierte sich Ingrid Auernhammer für Umweltbildung. Ihre Stimme hat Gewicht in Fachkreisen. So wurde sie 2015 im Rahmen der Feier „20 Jahre FÖJ in Bayern“ mit der bayerischen Staatsmedaille für Verdienste um die Umwelt ausgezeichnet.

Nach 23 Jahren als FÖJ-Referentin geht nun die passionierte Fachfrau für Ökologie in den Ruhestand. Das Referat überlässt sie ihren drei Kolleg_innen (zwei Vollzeit- und eine Teilzeitstelle), doch ihr Herz brennt weiter für Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Auch denkt sie daran, ab und zu als freiberufliche Supervisorin und Visionssucheleiterin ihre Erfahrungen weiterzugeben.

Wir wünschen ihr für den Ruhestand und für ihre persönlichen Vorhaben, sei es ihr Garten, reisen, segeln oder die Visionssuche alles Gute und Gottes Segen.

Christina Frey-Scholz
Öffentlichkeitsarbeit
14. August 2018