EJ PuR! – Profil und Revolution

Online-Landesjugendkonvent

Der erste Online-Konvent ist geschafft: Vier intensive Tage Landesjugendkonvent vom 21. bis 24. Mai, über 170 Teilnehmende aus ganz Bayern nahmen an online-Diskussionen, Feiern und Gebeten teil.

„Der Online-Konvent ist für uns ein Experiment und Pilotprojekt“, gibt die Vorsitzende des Delegiertentreffens der Ehrenamtlichen bei der Eröffnung der Tagung zu. „Fehler sind unsere Freunde, wenn wir welche machen, seht es uns nach“, sagt sie freundlich lächelnd. Dann wird die Konferenz eröffnet, mit den für die Delegierten bekannten Jingle „Komm mit ins Abenteuerland“ – sehr passend. Das Resümee: Der Online-Landesjugendkonvent war eine gelungene Großveranstaltung.

Doch die unterschiedlichen Online-Angebote waren nur Mittel zum Zweck, das eigentliche Thema lautete: „EJ PuR - Profil und Revolution“. Unter diesem Thema beschäftigten sich die Ehrenamtliche mit christlichen Vorbildern, ihrer Identität als Evangelische Jugend und ihren Werten.

Mit dem Referat „Jesus, der Revoluzzer“ leitete Dr. Stefan Brandenburger(FAU Erlangen-Nürnberg) den inhaltlichen Teil der Konferenz ein. „Jesus war kein Revolutionär, er war auch nicht gewalttätig. Jesus war ein Reformer und Repräsentant des Reiches Gottes“, stellt der Referent fest. Und was macht dieser Repräsentant, fragt der Referent in die Internetrunde? Er geht zu den Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen, zu den Armen, Kranken und Außenstehenden. Jesus, ein Vorbild für die EJB.

Auch Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm besuchte als Gast das Delegiertentreffen der Ehrenamtlichen. In einem Quiz bewies er, dass er die Anliegen der Jugendlichen gut einschätzen kann und Gemeinschaft eine herausragende Rolle spiele. Mehrheitlich sind sie der Meinung, dass sich Kirche insgesamt einbringen muss, ganz besonders bei Themen wie Klima und Umwelt und in Asylfragen. Bedford-Strohm sprach mit den Jugendlichen auch über die Weitergabe des Glaubens. Hier gebe es in der evangelischen Kirche keine Hierarchie, sondern es gelte das Priestertum aller Gläubigen. Eine besondere Rolle spielt für ihn die Bibel: „Da ist alles drin“, sagte Bedford-Strohm.

Nach einem „Identitäts“-Fachimpuls von Marlene Altenmüller, Vorsitzende des Landesjugend-konvents und Psychologin an der LMU München, analysieren die Ehrenamtlichen die Bausteine ihrer eigenen EJ-Identität und erstellen ein Werteprofil. Mit hoher Übereinstimmung identifizieren sich die Ehrenamtlichen mit folgenden Werten: Nächstenliebe, Gemeinschaft, Engagement, Nachhaltigkeit, Spiritualität. Was diese Werte konkret für die Praxis evangelischer Jugendarbeit bedeuten sollen, wird im Rahmen eines Thementags im Herbst erarbeitet und konkretisiert.

 

Beschlüsse

Der Landesjugendkonvent hat sich außerdem mit eigenen Barreiren, insbesondere sprachlicher Art, beschäftigt. Durch die Verwendung der einfachen Sprache können Sprachbarrieren verringert werde. Der Konvent hat beschlossen, dass künftig Beschlüsse und Protokolle in einfacher Sprache verfasst werden sollen.

Schon im vergangenen Jahr beschloss der Landesjugendkonvent, dass die Verpflegung bei Veranstaltungen auf Landesebene möglichst vegetarisch sein sollte. Nun arbeiten die Ehrenamtlichen an einer „Sammlung vegan-vegetarischer Rezepte für Freizeiten".  

Hilfe für Lesbos

Der Landesjugendkonvent kritisiert das Hinnehmen der Lage in den Flüchtlingslagern auf Lesbos aufs Schärfste. „Wir erleben eine beispiellose menschenrechtliche, gesundheitliche und politische Katastrophe in den Flüchtlingslagern auf der griechischen Insel Lesbos“, heißt es in dem Beschluss. Schon vor Ausbruch des Coronavirus war die mangelnde Reaktion der EU-Mitgliedsstaaten auf die Situation der Geflüchteten nicht mit unseren christlichen Werten vereinbar. Die Situation ist katastrophal. Griechenland hat einen Monat lang das Asylrecht ausgesetzt und schränkt es weiterhin stark ein, medizinische Hilfe sowie die hygienische Grundversorgung sind mangelhaft, kritisiert der LJKo. Solidarisches und christliches Handeln ist dringend angesagt. „Es muss jetzt gehandelt werden!“, fordert der Konvent. Politik, Gesellschaft und wir als Kirche müssen aktiv werden. Die Landesjugendkammer soll dazu eine Positionierung zu den Flüchtlingslagern auf der ganzen Welt erarbeiten, gleichzeitig werden sich Jugendliche in den Dekanaten und Verbänden mit dieser Thematik auseinandersetzen können.  

Christina Frey-Scholz
Öffentlichkeitsarbeit
25. Mai 2020

 

Der Landesjugendkonvent ist das jährliche Delegiertentreffen der Ehrenamtlichen aus den Dekanaten und Verbänden der Evang.-Luth. Kirche in Bayern. Derzeit engagieren sich fast 17.500 junge Menschen in den evangelischen Kirchengemeinden, Dekanaten und Verbänden. Sie leiten Kinder- und Jugendgruppen, organisieren Freizeiten, helfen in Konficamps oder in Schülertreffs, organisieren Jugendgottesdienste und übernehmen Verantwortung in den Gremien der EJB, wo sie u.a. kirchen- und gesellschaftspolitisch aktiv sind.