EJB übergibt Friedenskraniche an Sozialausschuss des Bayerischen Landtags

Symbolische Friedensaktion vor Bundestagsabstimmung zur Wehrdienstmodernisierung – Jugendverband fordert Freiwilligendienste statt Zwangsdienste

Einen Tag vor der Bundestagsabstimmung über die Modernisierung des Wehrdienstes setzt die Evangelische Jugend in Bayern (EJB) ein starkes Zeichen für den Frieden: Vertreter:innen des Jugendverbands übergeben heute im Bayerischen Landtag mehrere hundert gefaltete Origami-Kraniche sowie ein Friedenspositionspapier an die Mitglieder des Sozialausschusses. Nach einem ersten Gespräch mit Vizepräsident Tobias Reiß (CSU) im Juli wurde der heutige Termin vereinbart, um noch mehr politische Wirkung zu erzielen.

Frieden als aktiver Prozess

„Frieden bedeutet mehr als die Abwesenheit von Krieg“, erklärt Malte Scholz, Vorsitzender der EJB, in seiner Ansprache vor den Abgeordneten. „Frieden entsteht dort, wo Menschen einander mit Respekt begegnen, wo Gerechtigkeit und Versöhnung gelebt werden, und wo politische Entscheidungen Menschlichkeit und Nächstenliebe in den Mittelpunkt stellen.“ Die Kraniche, die auf die Geschichte von Sadako Sasaki aus Hiroshima zurückgehen, sind für die Jugendlichen Symbol und politischer Aufruf zugleich.

Gerade in einer Zeit, in der Konflikte weltweit zunehmen und die Sorge vor einem erneuten großen Krieg viele Menschen bewegt, möchte die junge Generation ein sichtbares Zeichen setzen. Die Ehrenamtlichen fordern, dass Frieden stärker als politische Priorität wahrgenommen wird – nicht nur in der Außenpolitik, sondern auch in Bayern. Themen wie Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit und der Umgang miteinander wirkten unmittelbar auf das friedliche Zusammenleben in der Gesellschaft.

Positive Resonanz aus dem Sozialausschuss

Doris Rauscher (SPD), Vorsitzende des Sozialausschusses, würdigte die Aktion der jungen Menschen: „Die Friedenskraniche sind ein kleiner Moment des Innehaltens kurz vor Weihnachten. Der Kranich steht für Glück, Langlebigkeit und Frieden – es ist eine schöne und kraftvolle Symbolik, diese Gedanken in die Welt hinauszutragen, was gerade in der aktuellen Zeit so wichtig ist. Diese Symbolik vereint uns alle in der Sehnsucht nach Frieden. Wir setzen uns für Frieden im Großen ein, und gerade jetzt in der Adventszeit auch für den Frieden im Kleinen – immer unter Berücksichtigung des Völkerrechts.“

Auch Thomas Huber (CSU), stellvertretender Vorsitzender des Sozialausschusses, betonte: „Das Thema ‚Menschlichkeit und Friedenssicherung‘ ist wichtiger denn je und muss deswegen stärker in den Blick genommen werden. Ich danke den jungen Menschen für ihr Engagement und dieses starke Zeichen.“

Aktueller Bezug: Bundestagsabstimmung zur Wehrdienstmodernisierung

Die Übergabe der Friedenskraniche erfolgt zufällig am Vortag der Bundestagsabstimmung über das Wehrdienst-Modernisierungsgesetz. Der Gesetzentwurf der Bundesregierung sieht einen neu gestalteten freiwilligen Wehrdienst mit verpflichtender Musterung für Menschen mit männlichem Passeintrag ab 2027 vor. Bei zu geringen Freiwilligenzahlen könnte dann eine Dienstpflicht greifen. Die EJB steht diesem Vorhaben kritisch gegenüber. „Wer resiliente und engagierte junge Menschen für die Gesellschaft gewinnen will, muss auf echte Einbindung, Respekt und Freiwilligkeit setzen“, betont Malte Scholz. Der Jugendverband warnt vor einer „Wehrpflicht durch die Hintertür“ und bemängelt, dass die Stimmen junger Menschen in der Debatte nicht ausreichend gehört wurden.

Statt neue Pflichtstrukturen aufzubauen, fordert die EJB die Stärkung bestehender Freiwilligendienste wie FSJ, FÖJ und Bundesfreiwilligendienst. „Ein allgemeiner Rechtsanspruch auf einen Freiwilligendienst mit attraktiven Rahmenbedingungen würde jungen Menschen echte Wahlmöglichkeiten eröffnen und die bestehenden Strukturen sinnvoll stärken“, so Scholz. Zwangsdienste passten nicht zu einer Gesellschaft, die auf Demokratie, Solidarität und Frieden baue.

Von Jugendlichen für die Politik

Das Friedenspositionspapier wurde im Rahmen des Landesjugendkonvents 2025 der EJB beschlossen und richtet sich an den gesamten Bayerischen Landtag. Die Delegierten fordern darin eine Kultur des Dialogs, die sich auf Menschlichkeit und Nächstenliebe gründet. „Wir als Evangelische Jugend übernehmen Verantwortung, indem wir uns aktiv für eine friedvolle Welt einsetzen“, erklärt Scholz. „Wir bitten die Politik, diesen Auftrag mit uns zu teilen und den Frieden noch stärker in den Mittelpunkt ihres Handelns zu stellen.“

Die Kraniche sind dabei nicht nur ein Symbol, sondern auch ein Aufruf: Sie erinnern daran, dass Frieden zerbrechlich ist und nur dann Bestand hat, wenn er gemeinsam getragen wird.

Patrick Wolf
Referent #Kommunikation #Öffentlichkeitsarbeit #ejb
mobil 0152 04137185
patrick.wolf[at]elkb.de