Feel free? Feel the spirit!

Schon irgendwie verrückt, in Zeiten von Corona über „Freiheit“ nachzudenken.

Denn wie aus dem Nichts war es im Frühjahr 2020 mit unserer Freiheit plötzlich vorbei. Nix mehr mit der Versammlungsfreiheit. Handelsfreiheit? Extrem eingeschränkt. Religionsfreiheit – zumindest nicht bei gemeinsamen Gottesdiensten. Umso erstaunlicher, dass sich die meisten einig waren: Das ist jetzt ok! Weil ich nicht will, dass die ohnehin schon kranke Oma oder der Opa in der Nachbarschaft vom Virus angesteckt werden, nehme ich mir die Freiheit und verzichte deshalb auf meine Freiheit.

Wow! Ist das der Wendepunkt in der Menschheitsgeschichte? Könnte es sein, dass wir jetzt wirklich damit ernst machen, unsere Freiheit in der Weise zu leben, dass die Freiheit von anderen nicht unter unserer Freiheit leidet?

Doch langsam kommt sie zurück: Die alte Idee von Freiheit „Ich mach, was ICH will“. Und irgendwie ist das ja auch verständlich. Existenzen stehen auf dem Spiel. Nicht nur Kinder kriegen einen Lagerkoller. Arme werden noch ärmer. Vieles geht den Bach runter.

Doch wollen wir wirklich wieder dahin zurück, wo wir vor der Krise waren? Wäre es nicht mega, wenn wir das beibehalten könnten, was wir in der Krise gelernt haben: Es macht unser Menschsein aus, dass wir unsere Freiheit anders leben und konsequent an den „Schwachen“ orientieren.

Ich muss an die Pfingstgeschichte denken. War es nicht so, dass damals der Geist Gottes wie ein frischer Wind durch die Herzen und Köpfe wehte? War es nicht so, dass damals eine grandiose Hoffnung die „Kontaktsperren“ in den Köpfen hinwegfegte und ganz unterschiedliche Menschen auf neue Weise zusammenbrachte?

Es könnte sich lohnen, die Pfingstgeschichte dieses Jahr besonders unter die Lupe zu nehmen (Apg 2): Der Virus der Angst vor Verfolgung und Tod war auf einmal weg und die Freundinnen und Freunde Jesu trafen sich nach der Krise wieder (V. 1). Das Kontaktverbot gegenüber unreinen Ausländern und Andersgläubigen samt Sprachbarriere brach zusammen (V. 5-12). Da war Petrus, ein einfacher Fischer, der plötzlich „freimütig“ (V. 29) vor vielen Menschen von seiner Hoffnung erzählte, gerade so, wie ihm der Schnabel gewachsen war. Er teilte seine Erfahrung, dass Gott Jesus vom Tod be-„frei“-t hat (V. 24). Petrus hatte deshalb keine Angst mehr, nicht einmal mehr vor der ultimativen Beziehungs-Barriere, dem Tod (V. 27).

Wenn das nicht DIE Hoffnungs-Story ist – gerade in Corona-Zeiten! Den Zuhörern damals „ging es durchs Herz“ (V. 37) und es entstand eine neue Form der „Versammlung“, was „ekklesia“ wörtlich heißt. Grenzüberschreitend. Voller Hoffnung.
Mit Mut statt Angst. Und mit radikalen Veränderungen, die sich daraus ergeben: „Sie verkauften Güter und Habe und teilten sie aus unter alle, je nachdem es einer nötig hatte.“ (V 25)

Das ist es, was wir brauchen. Lokal. Global. Über die Grenzen hinweg. 

Sind wir bereit für ein neues Pfingstwunder? Wie würde ich mich daran beteiligen?

Tobias Fritsche
Landesjugendpfarrer