Frieden bauen oder jagen?

Die diesjährige Jahreslosung lautet „Suche Frieden und jage ihm nach!“ Diese Formulierung ist für mich erstmal fremdartig. Vielleicht,  weil mir Ausdrücke wie „Frieden schaffen“ oder „Frieden errichten“ bekannter sind. Diese letzte Metapher mag ich sehr, weil ich mir dann Friedensarbeit vorstelle als den gemeinsamen Bau an einem großen Haus. Die Jahreslosung 2019 spricht aber vom Jagen. Was heißt das jetzt?

Vielleicht hilft es, nochmal nachzudenken, was Frieden überhaupt ist. Ein friedlicher Ort wird als solcher bezeichnet, wenn er ruhig, störungsfrei und unberührt ist. Ein friedlicher Ort ist ein sicherer Ort. Wenn ich mir Frieden wünsche, könnte ich auch sagen: „Bitte mach dieses Störungsfreie, Ruhige oder Sichere nicht kaputt!“ Mit dieser Definition im Hinterkopf frage ich mich, wie es mit dem Frieden in Deutschland aussieht. Klar, wir haben in unserem Land keinen Krieg. Aber wir haben Leute, die sehr wohl etwas kaputt machen. Im Namen „der Sicherheit“ und des „inneren Friedens“ werden Mauern errichtet. Gegner_innen der Hilfe für Geflüchtete fordern Frieden im Land und merken nicht, dass sie dabei die offene Gesellschaft kaputt machen. Es scheint eine Art zu sein, Frieden zu bauen, die wir alle kennen. Wir richten uns gerne in unserer friedlichen Komfortzone ein, in der bekannten Umgebung und mit den Leuten, die wir ohnehin mögen.

Jesus allerdings weist uns in der Bergpredigt darauf hin, dass es leicht ist, zu seinen Freunden nett zu sein, dass es aber damit nicht getan ist. Um einen Frieden für alle gemeinsam zu bauen, müssen wir am Ball bleiben. In der politischen Auseinandersetzung wie im kleinen Streit gilt es, hinauszugehen und nicht, sich einzuigeln und ins Gewohnte zurückzuziehen.

Wir müssen das Gespräch suchen, um Brücken zu bauen. In der gleichen Art wie wir Träumen nachjagen, dürfen wir auch den Frieden nicht aus den Augen verlieren. Frieden muss gesucht und gejagt werden.

Lucas Horn
ehem. Mitglied im Leitenden Kreis des
Landesjugendkonvents