Gerd Bauer nimmt Abschied von der Jugendarbeit

Der Jugend den Platz geben, den sie braucht

16 Jahre war Dr. Hans-Gerd Bauer Landesjugendpfarrer der Evangelischen Jugend in Bayern und zugleich der Leiter des Amtes für evangelische Jugendarbeit. Eine lange Zeit, die längste eines bayerischen Landesjugendpfarrers überhaupt – und es war gut so. Vieles hat er geprägt, angeregt, angestoßen, mitgestaltet und in die Wege geleitet.

Am 19. Juli 2002 wurde er in sein Amt eingeführt. „Der Jugend den Platz geben, den sie braucht“, war sein erklärtes Ziel. Konkret beginnt das mit Partizipation, erklärte er damals. Und die Partizipation war und ist für ihn sein Grundsatz.

„Wenn Erwachsenenkirche Jugend haben will, muss sie sich mit der Lebensform der Jugendlichen auseinandersetzen“, sagte er bei seinem Dienstantritt. Dass dies nicht einfach durchzusetzen sei, war ihm schon damals klar und die zurückliegenden 16 Jahre bestätigen dies.

Gleich zu Beginn seiner Amtszeit durfte er den Beschluss der Referent_innenkonferenz umsetzen, Attac beizutreten. Und nein, die Landeskirche war nicht begeistert, sie war entsetzt über den linken Haufen im Hummelsteiner Weg. Doch bald danach berief sich der damalige Bischof Dr. J. Friedrich auf den Attacbeitritt und hieß ihn schließlich gut. Wieder einmal zeigte sich, die Jugendarbeit ist ihrer „Kirche“ voraus.

Diese Welt ist auch anders möglich

„Eine andere Welt ist möglich“, ist der Grundsatz der EJB und Gerd Bauer war und ist ebenfalls davon überzeugt. Wie könnte eine andere Welt aussehen und was unterscheidet die verschiedenen Welten? Im Februar 2004 schrieb er dazu in zett, der Zeitung der evang. Jugendarbeit: „Es ist die Art, den Menschen zu sehen! Die EJB setzt sich z. B. für eine Welt mit menschlichem Antlitz ein. Es gibt verschiedene Arten den Menschen zu sehen. ... Als Kirche sind wir gehalten, die Menschen aus den Augen Gottes zu sehen.“ Und der Landesjugendpfarrer war und ist davon felsenfest überzeugt: Diese Welt ist auch anders möglich.

Die Kampagne „gerecht“ 2011/12 war die Antwort auf die Frage „Wie könnte eine Welt anders gestaltet werden?“ Die Fragen der Gerechtigkeit und nach dem Wohl junger Menschen drängten sich auf. Wo bleibt die Gerechtigkeit, wenn Kinder aus Hartz-IV-Familien aus dem System fallen? Was empfinden Jugendliche, wenn sie bei Demonstrationen gegen Atompolitik einem übermächtigen Polizeiaufgebot gegenüberstehen? Und was ist, wenn eine demokratische Beteiligung doch kein Gehör findet?

Die landesweite Kampagne „gerecht“ startete am Reformationstag 2011. Noch zweimal war der Reformationstag in der Amtszeit des Landesjugendpfarrers von Bedeutung: Die Stiftung Evangelische Jugendarbeit wurde am 31. Okt. 2009 gegründet.
Und das Reformationsjubiläum mit dem bayernweiten Thesenanschlag der EJB fiel ebenfalls in seine Amtszeit. Diese Aktion der Jugend verwirklichte seine Überzeugung: Jugendliche fordern ihren Platz in Kirche und Gesellschaft.

Jetzt verlässt der Landesjugendpfarrer die Evang. Jugend und das Amt für Jugendarbeit – fast auf den Tag genau nach seiner Einführung vor 16 Jahren.

Wir lassen ihn gehen, verabschieden ihn am 23. Juli, wünschen ihm für seine neuen Aufgaben Gottes Segen und freuen uns, dass er die Jugendarbeit weiter im Herzen behält.

Christina Frey-Scholz
Öffentlichkeitsarbeit
13. Juli 2018