Greta könnte meine Schwester sein.

Interview:
Annika mit Pippi Langstrumpf

Annika: Pippi, als Astrid Lindgren unsere Geschichte aufgeschrieben hat, wollte kein Verlag das Buch über dieses ungehorsame Mädchen veröffentlichen. Als das Buch dann auf dem Markt war, sagten Kritiker, es verderbe die Jugend. Das ist jetzt 70 Jahre her. Wie wäre das heute wohl?

Pippi:Heute würden die vielen Helikoptereltern Angst haben, dass ihre Kinder Geschichten über ein Mädchen lesen, das ohne Eltern aufwächst und in ihren Augen so chaotische und unangepasste Sachen macht wie ich. Die ganzen tollen Abenteuer würden die Eltern sicher für gefährlich halten und verbieten.

Annika: Aber das ist doch das, was Spaß macht. Die Erwachsenen sind immer so vernünftig. Und du bist ja auch nicht alleine. Dein Papa ist Südseekönig, kommt immer wieder zu Besuch und du hast ja noch uns.

Pippi:Eben. Ich bin glücklich. Ich lass mich nicht unterkriegen und mache mir die Welt, wie sie mir gefällt. Sei frech und wild und wunderbar – das ist und bleibt mein Motto.

Annika: Frech trifft auch auf Greta Thunberg zu. Wie findest du die?

Pippi:Könnte meine Schwester sein. Findest du nicht, dass sie mir ähnlich sieht?

Annika: Doch, ein bisschen. Fehlen nur die Sommersprossen. Jedenfalls ist sie beinahe so mutig wie du. Ich habe noch nie so ein mutiges Mädchen getroffen wie dich.

Pippi:Greta ist viel mutiger als ich. Sie legt sich mit den Politikern in der ganzen Welt an, ich immer nur mit der Prusseliese, die mich ins Heim stecken wollte. Greta macht sich – wie ich – die Welt, wie sie ihr gefällt bzw. sie kämpft dafür, dass die Welt so wird, wie sie ihr gefallen würde. Sie ist sowas wie eine Pippi Langstrumpf der heutigen Zeit.

Annika:Die Kinder, die gerade auf die Straße gehen, sind ein wenig wie Tommy und ich. Sie werden durch Greta viel mutiger – so wie du uns auch viel mutiger gemacht und mir ganz viel Angst vor Neuem genommen hast. Und ich denke, sie wollen – genau wie wir – nicht erwachsen werden, weil man dann nichts Lustiges mehr hat und nicht mehr spielen kann.

Pippi: Traurig, wirklich.

Annika: Was hat sich denn für Kinder in den vergangenen 70 Jahren geändert? Ist es heute schöner, Kind zu sein, als damals bei uns?

Pippi: Ach, ich glaube, heute ist es noch viel anstrengender, einfach nur Kind zu sein. Weil alle schon ganz früh ganz ernst sein müssen, ganz viel und lange in der Schule lernen müssen. Und dabei ist faul sein so wunderschön. Man muss ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hin zu schauen. Das können Kinder heute wohl nicht mehr.

Annika: Bist du mittlerweile eigentlich zur Schule gegangen?

Pippi: Ja, ich habe mich selbst in Lustifikation unterrichtet. Viel besser als Plutimikation.

Annika: Du hast immer gesagt, dass du Seeräuber werden willst, wenn du groß bist. Aber zum Glück sind wir nie erwachsen geworden, weil wir genug Krummeluspillen hatten. Was hättest du wohl gemacht, wenn du wirklich erwachsen geworden wärst?

Pippi: Vielleicht wäre ich heute Professorin für Pippilogie und würde den Kindern zeigen, wie man das Spielen nicht verlernt. Vielleicht wäre ich auch Kapitänin eines Seenotrettungsschiffes. Oder Politikerin, aber nein, das wäre nur so langweiliges Zeug.

Annika: Für viele Kinder bist du ein Vorbild. Was willst du den Kindern und Jugendlichen von heute mitgeben?

Pippi:Denke positiv und lebe Deine Träume. Und: Warte nicht darauf, dass die Menschen Dich anlächeln... Zeige ihnen, wie es geht!

Das fiktive Interview hat die Namensvetterin Annika Falk-Claußen, verantwortliche Redakteurin bei der Zeitschrift „das baugerüst“, geführt. Ihre Eltern hatten sich bei ihrer Geburt für diesen Namen entschieden, weil sie wohl insgeheim hofften, dass das Kind so wohlerzogen, ruhig und brav wird wie Pippis Freundin. Mit den roten Haaren konnte es aber nur Richtung Pippi gehen. Und so böse sind ihre Eltern darüber heute auch gar