Im Trainingslager der Hoffnung

Jahresrückblick 2020

Am 28. Januar berichteten die Zeitungen: Erstmals hatte sich jemand in Deutschland mit dem neuartigen Corona­virus angesteckt. Seitdem ist viel passiert, was besonders auch für Kinder und Jugendliche deutliche Auswirkungen hatte: Schulen wurden geschlossen, Kinder- und Jugendgruppen ausgesetzt, Freizeiten abgesagt, Freunde durften sich kaum mehr treffen.

Unsicherheit machte sich breit: Was ist machbar und was nicht? Wo muss die Jugendarbeit weiterhin für Freiräume von Kindern und Jugendlichen einstehen und wo muss sie sich gerade für die Sicherheit der jungen Generation einsetzen, indem sie schmerzhafte Einschränkungen vornimmt?

Auf den ersten Blick scheint das Jahr 2020 kein gutes Jahr für die Jugendarbeit gewesen zu sein. Doch im Rückblick ist auch etwas ganz Besonderes wahrnehmbar: Durch das Covid-19-Virus hat sich evangelische Jugendarbeit in ein gigantisches „Trainingslager der Hoffnung“ verwandelt: Briefe wurden verschickt, zoom-Treffen veranstaltet, gemeinsame Spiele per Smartphone erfunden, Instagram-Story-Andachten veröffentlicht, Spotify-Playlisten verbreitet, Einkaufsdienste organisiert und Online-Gottesdienste gefeiert.

Hashtags wie #feelconnected, #mutmacherkulmbach, #hoffnungausdemei, oder #osternnatuerlich spiegeln eine Evangelische Jugend, die sich nicht unterkriegen lässt. Trotz hoher hygienischer Hürden konnten Jugendliche und Kinder im Sommer wieder zusammenkommen, weil Tagesveranstaltungen aus dem Hut gezaubert oder Camp-Gelände innerhalb kürzester Zeit corona-tauglich gemacht wurden. Das alles waren geniale Experimente evangelischer Jugendarbeit in Sachen HOFFNUNG. Oder besser gesagt: AKTIVE HOFFNUNG.

Wer kennt nicht das Gefühl, irgendwann einfach mal hinschmeißen zu wollen. Wie schön ist es dann zu erleben: Wir sind der Situation nicht hilflos ausgeliefert. Mit Einsatz, Kreativität, Umsicht und Heiligem Geist ist vieles möglich – auch wenn es anders ist als vorher. Das macht Hoffnung. Nicht nur für unseren weiteren Umgang mit Covid-19, sondern auch für die anderen großen Herausforderungen unseres blauen Planeten, die wir unter dem Stichwort „sozialökologische Transformation“ zusammenfassen.

Apropos Hoffnung: Laut Brockhaus bezeichnet Hoffnung „den Grund und die Voraussetzung für Veränderung sowie für jeglichen Fortschritt im Sinne der Verbesserung eines gegenwärtigen Zustandes.“ Hoffnung ist also nichts Passives, sondern die Voraussetzung für aktives hoffnungsvolles Handeln. Dafür ist unser christlicher Glaube der beste Motor. Die Welt braucht gerade jetzt eine Evangelische Jugend, deren Hoffnungsmotor heiß läuft. Nicht mit einem naiven, unbegründeten Optimismus, sondern gestärkt auf einer tiefer sitzenden Hoffnungskraft, die uns von Gott geschenkt wird.

So können wir auch in ein neues Jahr 2021 starten und uns gegenseitig den Wunsch Nelson Mandelas zurufen:

„May your choices reflect your hopes, not your fears!“
„Mögen sich in deinen Entscheidungen nicht deine Ängste, sondern deine Hoffnungen widerspiegeln!“

Tobias Fritsche
Landesjugendpfarrer