„Jugendliche in sozialen Räumen, Kirche im Umbruch“

Unter diesem Motto tagten die Hauptberuflichen der Evangelischen Jugend in Bayern vom 19. bis 22. Februar in Pappenheim.

„Jugendliche halten sich nicht dort auf, wo sie sozialräumlich hingehören“, sagte Prof. Dr. Ulrich Deinet, FH Düsseldorf, in seinem Referat. Die Lebenswelten von Jugendlichen werden heute nicht mehr durch die physikalischen sozialräumlichen Gegebenheiten der Nahräume bestimmt. Vielmehr hätten virtuelle und kommerzielle Räume, wie z.B. Shoppingmalls und Fastfoodketten, eine immer größere Bedeutung. Aber auch die Orientierung an den Ort Schule spielt eine wichtige Rolle. Dabei gäbe es große Unterschiede zwischen den Sozialräumen im städtischen und ländlichen Bereich.

Die über 200 Jugendreferent/-innen und Dekanatsjugendpfarrer/-innen der Landeskonferenz ermuntert Prof. Deinet: „Jugendarbeit muss sich auf die Dynamisierung der Räume einstellen und flexibel sein. Seien Sie am Puls der Zeit.“.

Profil und Konzentration
In die Diskussion um den innerkirchlichen Prozess „Profil und Konzentration“ – kurz PuK, wollen sich die Hauptberuflichen der Evang. Jugend konstruktiv einbringen. Sie sehen durchaus Chancen darin, Kirche neu zu denken. Den Ansatz den Kirchenrat Thomas Prieto Peral vorstellte, „Kirche als Hörende-Kirche“ zu verstehen, begrüßen und unterstützen die Konferenzteilnehmer/-innen. Dabei geht es darum, zu hören, was die Menschen brauchen, um dann an ihre Orten zu gehen.
Natürlich wünschen sich auch die Hauptberuflichen einen offenen Diskurs. Dabei beklagen sie mangelnde Informationen und Beteiligungsmöglichkeiten vor Ort.

Kinder und Jugendliche brauchen Räume, auch kirchliche Räume, davon sind die Hauptberuflichen und Dekanatsjugendpfarrer/-innen überzeugt. Diese Räume für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen gilt es zu sichern. Die Konferenz verabschiedet folgende Anträge und fordert:

Jugendarbeit als Grundaufgabe der Kirchengemeinde
„Jugendarbeit in ihren verschiedenen Arbeitsformen ist eine unverzichtbare Aufgabe der Kirchengemeinde. So ist dieses Aufgabenfeld eine Kernaufgabe der Kirchengemeinde und fällt damit in die Zuständigkeit von Kirchenvorstand und Pfarrerinnen und Pfarrern“. (Kirchengemeindeordnung/RS 300 I §2 und III §21 Abs. 8.)
In den Dienstordnungen für Pfarrerinnen und Pfarrer sollten darum Arbeitszeitkontingente für die Jugendarbeit bzw. Zuständigkeiten explizit ausgewiesen sein.

Festes Stellenkontingent für die Jugendarbeit
Die Konferenzteilnehmer/-innen möchten, dass die dekanatlichen Stellen für die Jugendarbeit auch künftig erhalten bleiben und nicht für andere Aufgaben umgewidmet werden. Damit soll sichergestellt werden, dass Jugendarbeit auch weiterhin professionelle Begleitung und Unterstützung erhält. Der Geschäftsführende Ausschuss wird beauftragt, entsprechende Gespräche zu führen.

Jugendarbeit braucht eine starke Fachstelle
Die Dekanatsjugendpfarrer/-innen und die hauptberuflichen Jugendreferenten/-innen fordern die zuständigen landeskirchlichen Gremien auf, das Amt für Jugendarbeit in mindestens dem bisherigen Umfang zu erhalten. Evangelische Jugendarbeit braucht eine starke und handlungsfähige Fachstelle.
Die Teilnehmer/-innen der Landeskonferenz sehen die Notwendigkeit von Veränderungen in der Kirche. Sie begrüßen es, dass mit dem PUK-Prozess Räume eröffnet werden, ergebnisoffen über die Zukunft nachzudenken. Die Veränderungen werden alle kirchlichen Handlungsfelder betreffen – auch die Jugendarbeit. Um das Nachdenken in Jugendwerken und Dekanaten zu begleiten und zu unterstützen und nicht zuletzt die sich ergebenden Veränderungsprozesse zu moderieren und zu begleiten, braucht Jugendarbeit eine starke Fachstelle.

Christina Frey-Scholz
Öffentlichkeitsarbeit
22. Februar 2018