„Fromm und politisch“ – Evangelische Jugend in Bayern setzt Zeichen für Demokratie, Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung
Landesjugendkonvent 2026 in Pappenheim verabschiedet richtungsweisende Beschlüsse und markiert zugleich einen historischen Umbruch: Nach 74 Vollversammlungen tagte das Ehrenamtlichen-Gremium zum letzten Mal.
Pappenheim/Nürnberg, 18.05.2026. Rund 120 junge Ehrenamtliche aus Bayern versammelten sich am Wochenende im Evangelischen Bildungs- und Tagungszentrum Pappenheim zum Landesjugendkonvent der Evangelischen Jugend in Bayern (EJB). Das höchste Gremium Ehrenamtlicher in der EJB diskutierte unter dem Motto „What would Jesus* do? Kirche und Krawall“ über die Zukunft der evangelischen Jugendarbeit. Am Ende verabschiedeten sie 14 Beschlüsse, die weit über den Kirchenraum hinausreichen. Der Konvent zeigt: „Junge Menschen in der EJB warten nicht auf andere. Sie verbinden Glauben mit politischer Verantwortung, setzen klare Zeichen für Demokratie, Menschenwürde und Nachhaltigkeit – und entwickeln neue Beteiligungsformen für die Zukunft. Fromm und politisch ist für uns kein Widerspruch“, sagt Jana Meyer (Neustadt/Aisch), Vorsitzende des Leitenden Kreises der EJB.
Im Mittelpunkt standen Keynotes, Gespräche und Workshops, die erkundeten, wie christlicher Glaube und politisches Handeln heute zusammengehören – und was „fromm und politisch“ konkret bedeutet. „Ich bin überzeugt, dass Glaube keine Privatsache ist, sondern eine Kraftquelle für unser Engagement“, sagt Amelie Endl (Freising), stellvertretende Vorsitzende des Leitenden Kreises der EJB. Glaube prägt unser Menschenbild, unsere Werte und unsere Vorstellung von Gerechtigkeit. „Deshalb müssen wir Verantwortung übernehmen, als Kirche in der Gesellschaft – jeden Tag und jede:r Einzelne“, so Endl. Was das im Alltag bedeutet, beschrieben die EJB-Referent:innen Benjamin Greim und Victoria Altschäffl: Wer wirklich zuhört – auch Streitenden –, wer Erschöpfung kennt und trotzdem weitersucht, wer aus dem Glauben Mut schöpft statt Gewissheit: Der lebt den Einklang von „fromm und politisch“. Die EJB versteht sich als Ort, an dem diese Haltung gelebt und eingeübt wird: in Jugendgruppen, Freizeiten und überall dort, wo junge Menschen gemeinsam suchen, streiten und hoffen.
Klare Haltung gegen Menschenfeindlichkeit
Mit dem Beschluss „Christlich. Demokratisch. Menschenfreundlich.“ setzt der Konvent ein unmissverständliches politisches Signal. Angesichts des Erstarkens rechtsextremer Kräfte – sichtbar bei den bayerischen Kommunalwahlen 2026 – fordert die EJB von der Bayerischen Staatsregierung: keine Kooperationen mit Parteien, die gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit vertreten, konsequente Demokratieförderung und Unterstützung für demokratische Jugendverbände und zivilgesellschaftliche Akteur:innen. Der Beschluss verdeutlicht: Evangelische Jugend sieht Erinnerungsarbeit, Demokratie-Bildung und zivilgesellschaftliches Engagement nicht als Zusatz, sondern als Kernauftrag. Gelebte Nächstenliebe fordert Haltung – auch gegenüber politischen Entwicklungen, die die Menschenwürde infrage stellen.
Solidarität ohne Grenzen: Positionierung zur zivilen Seenotrettung
Ein ebenso starkes politisches Signal setzt die EJB als Bündnispartnerin von United4Rescue mit vier Forderungen: Pflicht zur Seenotrettung, keine Kriminalisierung der Helfenden, faire Asylverfahren und sichere Häfen für Gerettete. Der Konvent ruft Privatpersonen und Organisationen auf, United4Rescue zu unterstützen – finanziell oder als Bündnispartner. Denn, so die Delegierten: „Man lässt keine Menschen ertrinken. Punkt.“ Nächstenliebe endet nicht an Europas Grenzen. Seit Jahresbeginn 2026 sind laut Internationaler Organisation für Migration fast 1.000 Menschen im Mittelmeer gestorben. Vor diesem Hintergrund kritisiert die EJB die Entscheidung von CDU/CSU und SPD, die staatliche Förderung der zivilen Seenotrettung einzustellen – obwohl dadurch über 175.000 Menschen gerettet wurden.
Weitere Beschlüsse
Neben diesen Schwerpunkten fasste der Konvent weitere Beschlüsse (eine Auswahl):
Prüfauftrag zur Einführung eines „Nachhaltigkeitseuros“: mit einer Zusätzförderung von einem Euro pro Person und Tag soll für Bildungsmaßnahmen, die den ökofairen Leitsätzen der EJB entsprechen, ein Anreiz für umweltbewusstes Handeln geschaffen werden.
Ökofaire Leitsätze international gedacht: Die praktische Orientierung zu Themen der Nachhaltigkeit und Bewahrung der Schöpfung in EJB-Veranstaltungen und Freizeiten werden um den Aspekt globaler Verantwortung erweitert – mit Bezug auf Partnerschaftsarbeit mit Ländern des Globalen Südens und das Lieferkettengesetz.
Haltung gegen Hymnenpflicht: Die EJB erarbeitet ein Positionspapier gegen die verpflichtende Hymnennutzung bei staatlichen Schulabschlussfeiern.
Geschlechtsneutrale Toiletten: Alle Ebenen der EJB sind aufgerufen, geschlechtsneutrale Sanitäranlagen zu prüfen und bei eigenen Häusern/Plätzen/etc. dauerhaft die geschlechtsgetrennten durch geschlechtsneutrale Toiletten und Waschräume explizit zu kennzeichnen. Zugleich fordert der Konvent eine politische Debatte zur Gesetzeslage in Bayern. Auch die Evang.-Luth. Kirche in Bayern (ELKB) soll bei landeskirchlichen Veranstaltungen eine gerechte und inklusive Toilettennutzung ermöglichen.
KI in der Jugendarbeit: Ein Leitfaden zur verantwortungsvollen Nutzung von Künstlicher Intelligenz soll entstehen – mit Fokus auf Chancen, Risiken, ökologische Nachhaltigkeit und den Erhalt der EJB-Identität.
Internationale Jugendbegegnungen stärken: Interkulturelles Lernen soll auch in der neuen EJB-Struktur zuverlässig verankert bleiben – mit flexiblen, auf Landesebene koordinierten Modellen.
Suchtprävention: Die bisherigen Leitlinien „be-responsible“ zum verantwortungsbewussten Umgang mit Alkohol werden um Nikotin, Cannabis und anderen legalen sowie illegalen Drogen aktualisiert und um ein Schulungskonzept ergänzt.
Ein historischer Moment: Letzte Tagung in bisheriger Form
Nach 74 Landesjugendkonventen war 2026 voraussichtlich die letzte Gremiensitzung in der Form, die seit 1952 in der EJB-Ordnung verankert ist. Im Zuge des EJB-Prozesses wird die evangelische Jugendarbeit angesichts gesellschaftlicher Veränderungen und den Herausforderungen einer attraktiven sowie zeitgemäßen Jugendarbeit grundlegend auf allen Ebenen weiterentwickelt. Ab Januar 2027 soll eine neue Struktur den veränderten Anforderungen gerecht werden. Der traditionelle Termin bleibt: Vom 7. bis 9. Mai 2027 ist eine neue Vernetzungs- und Jugendbildungsveranstaltung geplant, die jungen Ehrenamtlichen Raum für Austausch, Qualifizierung und Engagement bieten soll.
Kontakt
Patrick Wolf
Referent #Kommunikation #Öffentlichkeitsarbeit #ejb
mobil 0152 04137185
patrick.wolf[at]elkb.de
Über die Evangelische Jugend in Bayern (EJB)
Die Evangelische Jugend in Bayern (EJB) ist der Dachverband der Evangelischen Gemeindejugend und folgender sechs Mitgliedsverbände: Christlicher Jugendbund in Bayern (CJB), Christlicher Verein Junger Menschen (CVJM), Evangelische Jugendsozialarbeit Bayern e. V. (EJSA), Evangelische Landjugend Bayern (ELJ), Jugendverband „Entschieden für Christus“ (EC) und Verband christlicher Pfadfinder*innen (VCP). Das gemeinsame Ziel ihrer Arbeit besteht darin, als mündige und tätige Gemeinde Jesu Christi das Evangelium von Jesus Christus den jungen Menschen in ihrer Lebenswirklichkeit zu bezeugen.
Die EJB erreicht mehr als 250.000 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit ihren Angeboten. 17.500 ehrenamtliche Mitarbeiter:innen engagieren sich dabei in den 3.000 regelmäßig stattfindenden Gruppen und/oder bei über 6.000 Angeboten und Aktionen: Sie leiten Kinder- und Jugendgruppen, organisieren Freizeiten, helfen in Konficamps oder in Schüler:innen-Treffs, organisieren Jugendgottesdienste und übernehmen Verantwortung in den Gremien der EJB, wo sie u. a. kirchen- und gesellschaftspolitisch aktiv sind. Dadurch machen sie evangelische Jugendarbeit lebendig, wahrnehmbar und abwechslungsreich.
