Landesjugendkonvent goes online

Profil und Revolution: Wie passt das zusammen?

Was jetzt, Revolution oder Profil? Auf der einen Seite wollen die Jugendlichen Revoluzzer, Revolutionäre sein - wenigstens ein bisschen. Dafür gehen sie auf die Straße, demonstrieren, verfassen Beschlüsse, die wie Pamphlete wirken. Und auf der anderen Seite wollen sie Profil zeigen. Und ja, es passt zusammen! Die Ehrenamtlichen, wie die meisten Jugendlichen in der EJB auch, beim Landesjugendkonvent wollen nicht einfach gegen etwas sein, weil es IN oder chic ist, oder weil es die Jugend so macht – wie es viele Erwachsene vermuten. Nein, sie wollen ihre Werte und ihre Ansichten vertreten.

Deswegen fragten die Delegierten auch beim Landesjugendkonvent nach ihrem Profil und nach dem, wer wir sind, als Evangelische Jugend, und nach dem, was uns wichtig ist und was unsere Werte sind. Herausgekommen ist bei der Befragung ein beachtliches Ergebnis:
Nächstenliebe, Gemeinschaft, Engagement, Nachhaltigkeit, Spiritualität. Also Themen, für die es sich lohnt sich einzusetzen.

Aber die Ehrenamtlichen fragten auch nach ihren Vorbildern und konkret nach Jesus als Vorbild und möglichem Revoluzzer. Der Referent Dr. Stefan Brandenburger meinte zwar, er wäre weniger ein Revolutionär, als vielmehr ein Reformer und Repräsentant des Reiches Gottes, der ganz anders als man es von einem Repräsentanten erwartet, zu den Menschen geht, die am Rande der Gesellschaft stehen, zu den Armen, Kranken und Außenstehenden. Jesus, ein Vorbild für die Evangelische Jugend. Und genau aus dieser Haltung heraus, aus ihrem Glauben, ihren christlichen Werten, handeln die Jugendlichen, die Ehrenamtlichen. Um sich für etwas einzusetzen, ist es durchaus rich­tig und okay, revolutionär und auch deutlich gegen etwas zu sein. Es geht darum, sich für seine Meinung einzusetzen und mal offen und laut Missstände anzuklagen. 

Was diese Werte konkret für die Praxis evangelischer Jugendarbeit bedeuten, soll im Rahmen eines Thementags im Herbst erarbeitet und konkretisiert werden.

Christina Frey-Scholz
Öffentlichkeitsreferentin

 

Wie aus einer geplanten Präsenzveranstaltung eine Online-Tagung wird

Der Landesjugendkonvent ist eigentlich immer ein Ereignis, auf das wir uns im Leitenden Kreis (LK) sehr freuen. Nach monatelangen Vorbereitungen und Überlegungen ist der Konvent in Pappenheim für uns immer ein Jahreshighlight.

Dabei ist es unglaublich schön, all die Menschen am Konvent (wieder) zu treffen, zu sehen, wie unsere Ideen ankommen und zu spüren, wie viel Power dieses Gremium hat. Gleichzeitig ist es jedes Mal wieder beeindruckend, wie schnell Gemeinschaft entsteht, wie die Leute ins Gespräch kommen und wie offen und herzlich der Umgang untereinander ist. Kurz vor dem Konvent, wenn letzte Absprachen getroffen werden, das Material eingepackt und der Zug nach Pappenheim gebucht wird, steigt die Vorfreude nochmal besonders an.

Vieles davon blieb dieses Jahr aus. Klar haben wir unsere Einheiten vorbereitet und unser Material bereitgelegt. Aber das Packen des Koffers und die Anreise entfielen. Schon seit März hatten wir uns im LK nur noch online gesehen und für manche von uns war ein Online-Konvent zu diesem Zeitpunkt nur schwierig vorstellbar. Wie sollten all unsere geplanten Ideen zum Thema „Profil und Revolution“ ins Digitale übertragen werden? Gleichzeitig war die Enttäuschung groß, keinen Präsenzkonvent zu veranstalten. In unzähligen Stunden wurde schließlich umgeplant, das Programm gekürzt und viel Zeit und Energie in die technischen Fertigkeiten investiert.

Normalerweise, wenn man in Pappenheim ankommt, den Check-In, evtl. die Einführung der Neuen und das Zimmer bezogen hat, geht es Richtung Turnhalle, wo getagt wird. Eine der ersten wichtigen Entscheidungen für die Teilnehmenden ist dabei die Sitzplatzwahl im Plenum. Wo sitzen meine Mitdelegierten? Sehe ich alles? Wo gibt’s die besten Süßigkeiten? Wen kenne ich schon, wen noch nicht? All diese Fragen blieben nun aus. Stattdessen musste sich jede und jeder alleine damit beschäftigen, wie der #plenumsplatz zuhause aussehen soll, was es in den kommenden Tagen zu essen gibt und welche Programme für den Konvent noch eingerichtet (und verstanden) werden müssen.

Am LJKo 2020 waren plötzlich alle neu. Die Neuen, die Alten, wir als LK. Für alle war die Situation ungewohnt. Bemerkenswert war, wie aufgeregt wir im LK kurz vor dem Beginn des Konvents waren. Zwar waren wir über verschiedene Kanäle in engem Kontakt, jedoch fehlten beruhigende Umarmungen, gemeinschaftliche Zusprüche und die Umgebung in Pappenheim, in der die positiv-aufgeregte Stimmung sonst so normal ist.

Nach der Eröffnung ging aber alles rasend schnell. Ein Programmpunkt reihte sich an den nächsten. Und zu unserer Überraschung: Es lief unfassbar gut, zumindest aus LK-Sicht. Alle Teilnehmenden wagten mit uns das Experiment „Online-Konvent“ und alle trugen dazu bei, dass der Konvent so viele gute Ergebnisse erzielte. Die Delegierten entwarfen ihre Visionen der EJ und teilten sie mit anderen und der thematische Teil „Profil und Revolution“ ging voll auf. Während des Programms vergaß man teilweise in den Kleingruppen, dass alles so anders ist und wir nicht wirklich im gleichen Raum waren. Auch der Geschäftsteil und die Diskussionen liefen gut. Merkwürdig war jedoch das Gefühl zwischen den einzelnen Programmpunkten. Der fehlende Flur-Talk, die Besprechungen mit den anderen LKler_innen, das hektische Rennen oder Rollerfahren ins LK-Büro. Zwar tauschten wir uns im LK in jeder noch so kleinen Pause online aus, doch die zwischenmenschlichen Kontakte fehlten doch sehr.

Auch beim Abendprogramm hatten wir die Möglichkeit,  mit den anderen in Online-Räumen zu quatschen, aber das überwältigende LJKo-Pappenheim-Gemeinschafts-Gefühl war nur bedingt gegeben. Die ganze Veranstaltung hat sich für mich zwar nach LJKo angefühlt, weil ich sehr eingespannt war und viel zu tun hatte. Sobald aber Ruhe eingekehrt ist und ich meinen Laptop verlassen habe, hat es sich wie in einer anderen Welt angefühlt. Ein netter Abend vor dem Laptop ersetzt eben nicht das gemeinsame Zusammensitzen in Pappenheim.

Normalerweise folgt dem Ende der Vollversammlung das Aufräumen und lange Abschiednehmen. Dies blieb am LJKo 2020 aus. Der Konvent endete nach einem emotionalen Abschied zum Abenteuerland-Song nun mit einem „Klick“. Um den Konvent richtig abzuschließen, musste für mich ein Spaziergang ums Haus mit dem Ohrwurm vom Abenteuerland als Heimweg herhalten.

Das Experiment Online-Konvent hat mit 123 aktiven Teilnehmenden aus unserer Sicht gut geklappt, aber jetzt steigt die Vorfreude auf den LJKo 2021, den wir dann hoffentlich wieder in unserem geliebten Pappenheim abhalten können und auf die echten Begegnungen mit euch allen.

Melanie Ott
Leitender Kreis