Landeskonferenz

„Minimalismus“, unter diesem Motto stand die Landeskonferenz der Hauptberuflichen und Dekanatsjugendpfarrer_innen vom 11. bis 14. März 2019 in Pappenheim, an der etwa 200 Verantwortliche der Jugendarbeit teilgenommen haben. Zu Beginn der viertägigen Konferenz stellte Landesjugendpfarrer Tobias Fritsche seinen Bericht „70 Tage als Landesjugendpfarrer. Wahrnehmungen, Chancen und Herausforderungen in der evang. Jugendarbeit Bayern“ vor.

„Wir leben im Überfluss und können vielfach gar nicht verbrauchen, was alles produziert wird“, beginnt Raphael Fellmer sein Referat bei der Landeskonferenz. Im lockeren Plauderton erzählt der Foodaktivist, wie er sein Leben radikal verändert hat, weil er diesen Konsum und Überfluss nicht mehr ertragen konnte. Jahrelang lebte er von Essen, das er illegal aus dem Supermarktmüll fischte, ging in einen Geldstreik und begab sich geldlos auf eine Reise von den Niederlanden nach Mexiko.

„In reicheren Ländern werden 50 Prozent der Lebensmittel weggeworfen“, sagt Fellmer. In ärmeren Ländern sind es nur 30 Prozent. Man könnte alle Hungernden der Welt mit dem Weggeworfenen ernähren. Der Lebensmittelretter ist Mitbegründer der Foodsharing-Bewegung und setzt sich für eine Kultur des Teilens und der Nachhaltigkeit ein. Das ist auch das, was die Hauptberuflichen in der Jugendarbeit bewegt. Denn immer mehr Jugendliche haben längst Lust, etwas Anderes auszuprobieren, berichtet Rainer Schmidt, Dekanatsjugendpfarrer in Neustadt a. d. Aisch. Das Internet bietet den Jugendlichen unzählige Tipps, wie sie weniger konsumorientiert leben könnten.  „Wir können mit ihnen direkt was ausprobieren. Dazu müssen wir selbst sprachfähig sein“, sagt Rainer Schmidt.

Auch für Schwester Kathrin-Susanne von der Communität Casteller Ring geht es nicht nur um Verzicht und Armut, sondern um Teilen. Humorvoll berichtet sie vom Leben im Kloster. „Eine Modeerscheinung ist unser Leben nicht, sonst würden mehr Menschen so leben, es ist auch kein Bestseller, aber ein „longseller“, weil es diese Lebensform schon lange gibt.“ Der Schwerpunkt der Schwanberg-Schwestern ist das Leben in Gemeinschaft und vor allem das Gebet.

„Die Welt ändert sich immer schneller, aber Gott ist immer noch da“, sagt Schwester Kathrin. „Jugendliche sollen merken, dass es noch mehr gibt und es sich lohnt, danach zu suchen.“

In der Evangelischen Jugend gibt es bereits viele Ideen und Ansätze. Gesa Ufer, Jugendreferentin der Evang. Jugend Nürnberg, baut mit den Kindern am Aktivspielplatz Mammut Gemüse selbst an. „Eingekauft wird nur im Bioladen, den Bioabfall bekommen die Hasen oder er kommt auf den Kompost“, erzählt sie. Im Fichtelgebirge wurden beispielsweise Outdoor-Tage angeboten. Strom gab es nur für den Kühlschrank. Die Jugendlichen sollten die Natur auf ursprüngliche Art und Weise kennenlernen, mit Kompass und Karte – ohne GPS. Die Handys kamen in eine Kiste, wer wollte, konnte jederzeit auf sein Handy schauen, was aber immer seltener genutzt wurde.

Die Konferenz ist für die Teilnehmenden ein Ort, um sich auszutauschen und selbst etwas auszuprobieren. So reisten einige mit minimalem Gepäck nach Pappenheim, andere brachten Kleidung für den Kleidertausch mit. Secondhand, erzählt eine Teilnehmerin, ist bei Jugendlichen wieder sehr beliebt. „Beim Thema Minimalismus geht es darum, selbstkritisch zu fragen, was möchte ich oder was brauche ich wirklich“, sagt Gesa Ufer. Die Konferenz soll den Hauptberuflichen Mut machen, mit Jugendlichen ins Gespräch zu kommen und mit ihnen Experimentierräume schaffen. Rainer Schmidt ist überzeugt: „Mit kleinen und alltäglichen Dingen können wir durchaus etwas bewegen.“

Beschlüsse
Bewegen möchte die Konferenz auch etwas mit ihrem Beschluss „Mikroplastikfreie Kosmetik“. Sie fordert die Politik auf, ein Verbot von Mikroplastik in jeglicher Form auszusprechen. Als Evangelische Jugend haben wir eine beträchtliche Konsumentenmacht. Diese sollten wir nutzen.
Als Beitrag zur Stärkung des ökologischen Bewusstseins wird die Verpflegung auf den Landeskonferenzen mit ihren 200 Teilnehmenden künftig nur noch vegetarisch sein.
Die Konferenz hat die Unterzeichnung eines offenen Briefes des Runden Tisches Kirchenasyl der Metropolregion Nürnberg gegen die Verschärfung der Kirchenasylregelungen beschlossen.

Bericht des Landesjugendpfarrers
70 Tage als Landesjugendpfarrer, Tobias Fritsche wurde herzlich von der Landeskonferenz aufgenommen. In seinem Bericht beschreibt er „die Weitergabe des christlichen Glaubens an die nächste Generation“ als zentrale Aufgabe aller Verantwortlichen in Kirche und Jugendarbeit. Dieser Herausforderung möchte er sich mit den Akteuren in der Evang. Jugend in Bayern gemeinsam stellen.

Das Thema der Landeskonferenz 2020 nimmt diese Aspekte auf und lautet: Fromm und politisch – Weitergabe des Glaubens unter veränderten Bedingungen.

Christina Frey-Scholz
Öffentlichkeitsarbeit
14. März 2019