Politik und Bibel

Was die Jugendarbeit damals bewegte.

„Die Jugendarbeit hatte schon immer den Ruf, links geprägt zu sein“, erinnert sich Reinhard von Loewenich, der von 1962 bis 1970 stellvertretender Landesjugendpfarrer war. Vor allem die Konventsarbeit, für die er zuständig war, war als zu politisch verschrien, erinnert er sich.

Von Loewenich lebt heute mit seiner Frau in Berlin und freut sich sichtlich, dass er Besuch aus dem Amt für Jugendarbeit bekommt. Die zett liest er regelmäßig und freut sich, dass sich der Konvent auch heute noch für Frieden und Versöhnung einsetzt. „Wir waren sehr diskussionsfreudig und gründeten einen politischen Arbeitskreis“, erinnert sich der 86-Jährige. Die Ehrenamtlichen wurden mit einem Mandat ausgerüstet und der Konvent befasste sich mit politischen Themen. Johannes Rau (der von 1999 bis 2004 Bundespräsident war) besuchte den Konvent und auch sonst seien einige heute bekannte Persönlichkeiten damals Mitglieder des Landesjugendkonvents gewesen. „Demokratisierung war uns sehr wichtig, deswegen galt der LJKo auch als links verschrien“, sagt er.

1965 war der damals junge Landesjugendpfarrer das erste Mal in Warschau. Ein Jahr später lud er zu einer Studienfahrt  nach Krakau und Auschwitz ein. „Theologisch waren wir von der Versöhnungsarbeit geprägt und eine klare Abgrenzung zum Nationalismus war uns wichtig“, erinnert er sich. Dies erforderte aber auch eine entsprechende innerkirchliche Auseinandersetzung. „Viele Dekane waren gegen uns aufgebracht und wir wurden ins Landeskirchenamt einberufen. Wir wurden aufgefordert, etwas gemäßigter zu sein“, erzählt er mit einem lachenden Augenzwinkern, „schließlich sollten wir doch die jungen Leute bekehren.“

Verkündigung und politische Arbeit schließen sich nicht aus

Dabei war die Verkündigung ihm genauso wichtig, wie die politische Arbeit. Jede Freizeit begann mit einer Morgenandacht und die täglichen Bibelarbeiten hatten es in sich. „Für unsere Partner in Bulgarien oder Polen war dies anfangs ungewöhnlich – während uns unsere Zeitungen als Kommunisten betitelten“, berichtet er und fügt hinzu: „Ich glaube wir wurden sogar vom Verfassungsschutz überprüft.“

Damals wurden viele Freizeiten von der Landesebene angeboten, auch Campingeinsätze. Ein Ehrenamtlicher war Martin Backhouse – heute pensionierter Pfarrer. Er war es auch, der anregte: „Lasst Euch mal vom Loewenich erzählen, wie es damals war.“ Backhouse erinnert sich heute vor allem an die Bibelarbeiten und Glaubensgespräche mit „Loewe“, wie er seinen alten Mentor liebevoll nennt. „Auf den Campingplätzen gingen sie von Wohnwagen zu Wohnwagen und luden zu Gottesdiensten und Andachten ein.“

Später ist der junge Backhouse mit nach Polen gefahren. Hier erlebte er, was Versöhnungsarbeit konkret bedeutete. „Als Kirche Jesu Christi müssen wir Versöhnung leben“, zitiert er seinen damaligen Jugendpfarrer. Versöhnungsarbeit war als links verschrien und vielen politischen und kirchlichen Kräften passte dies nicht. Doch von Loewenich war überzeugt, nur wenn man zu den Menschen hingeht, passiert Versöhnung. Sein Tun und Handeln kam aus seinem tiefen Glauben und er belegte alles mit der Bibel. „Das hat mich als jungen Menschen und bis heute geprägt“, sagt Backhouse.

Reinhard von Loewenich ist auch heute noch ein kritischer und wacher Geist. Der Jugendarbeit wünscht er, dass sie durchaus wachsam, kritisch und politisch bleibt, aber die Ausrichtung aus der Botschaft des Evangeliums nicht aus den Augen verliert. 

Christina Frey-Scholz

Reinhard von Loewenich, Pfarrer, war von 1962 bis 1970 stellvertr. Landesjugendpfarrer der Evang. Jugend in Bayern. Außerdem war er Pfarrer in München, Dekan in Landshut und Regensburg sowie Direktor der Evang. Akademie Berlin-West. Er war langjähriges Mitglied der Synode der EKD und der bayerischen Landessynode.