Solidarität zum Pride Month: Angriffe auf CSD inakzeptabel, für Sicherheit der Teilnehmenden sorgen

Immer häufiger werden Christopher Street Days (CSD) in Deutschland zur Zielscheibe queerfeindlicher Gewalt. Routen müssen aus Sicherheitsgründen geändert, Veranstaltungen umgeplant oder gar ganz abgesagt werden – auch in Bayern. Diese Entwicklung ist für die Evangelische Jugend in Bayern (EJB) nicht hinnehmbar. „Dass queere Menschen im Jahr 2025 Angst haben müssen, öffentlich für ihre Rechte einzustehen, ist ein gesellschaftlicher Rückschritt“, erklärt Malte Scholz, Vorsitzender der EJB. „Wir stellen uns klar an die Seite aller, die sich für Vielfalt, Selbstbestimmung und Menschenrechte einsetzen – gerade jetzt, wo die Angriffe zunehmen und die Bedrohung spürbarer wird. Wir müssen allen queeren Menschen Schutzräume bieten, nicht nur in der Kirche, sondern auch im öffentlichen Raum.“

Zum Pride Month im Juni erklärt die EJB ihre volle Solidarität mit queeren Menschen und den Organisationen, die sich für ihre Anliegen und Lebenswirklichkeiten stark machen. Der Jugendverband verurteilt scharf die Angriffe auf CSD-Demonstrationen sowie Routenänderungen oder Absagen aus Sicherheitsgründen. „Dass CSD-Veranstalter ihre Routen ändern oder Events absagen müssen, ist ein Armutszeugnis für den Umgang mit queerer Sichtbarkeit. Daher muss es oberste Aufgabe der Sicherheitsbehörden sein, das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit auch für queere Menschen zu gewährleisten – ohne Einschränkungen durch Bedrohungen von außen“, sagt Malte Scholz. Gleichzeitig dankt die EJB allen engagierten Verantwortlichen in Polizei, Justiz und kommunalen Behörden, die unter zunehmend schwierigen Bedingungen dennoch dafür sorgen, dass Demonstrationen stattfinden können. „Wir wissen, dass viele in den Behörden ihr Möglichstes tun, um Pride-Veranstaltungen zu schützen. Dafür sind wir dankbar – denn Sichtbarkeit ist ein Menschenrecht.“ 

Die EJB fordert, die Sicherheit queerer Menschen zu stärken und betont: „Hass und Gewalt gegen LSBTIQA* widersprechen unserem christlichen Menschenbild.“ Dabei engagiert sich der Jugendverband auf Basis ihres Beschlusses „Gott liebt queere Menschen“ von Juni 2023, der die Unterstützung queerer Menschen, die Sichtbarmachung von Vielfalt und eine diskriminierungsfreie Kirche und Gesellschaft bekräftigt. 

Zahlen zeigen alarmierenden Trend – queerfeindliche Übergriffe nehmen zu 

Die Fachstelle „Strong! – LGBTIQ* gegen Diskriminierung und Gewalt“ berichtet von einem Anstieg der Angriffe auf queere Menschen in Bayern. 2024 wurden 289 queerfeindliche Vorfälle gemeldet – 59 mehr als im Vorjahr, ein Anstieg von über 30 % in zwei Jahren. Die Vorfälle umfassen Beleidigungen, Bedrohungen, körperliche Gewalt und sexualisierte Übergriffe, besonders gegen trans* und inter* Personen. Viele Betroffene erstatten aus Angst oder Misstrauen keine Anzeige, sodass die Dunkelziffer höher liegt. 

Queere junge Menschen besonders belastet – Studie zeigt wichtige Erkenntnisse

Queerfeindliche Diskriminierung trifft besonders junge Menschen. Die HAY-Studie (How Are You?) des Bayerischen Jugendrings zeigt, dass queere Jugendliche überdurchschnittlich oft psychische Belastungen, soziale Isolation und Diskriminierung erleben. Fast jede:r zweite queere Jugendliche berichtet von Ausgrenzung in Schule, Freizeit oder Familie. Die Studie zeigt auch, dass queere Jugendliche häufiger von Depressionen und Suizidgedanken betroffen sind als nicht-queere Gleichaltrige. Diese Zahlen verdeutlichen, warum der Schutz queerer Jugendlicher ein zentrales Anliegen der Jugendpolitik und Zivilgesellschaft sein muss. Die EJB fordert, queere Jugendliche ernst zu nehmen, zu hören und zu schützen – besonders im Alltag, wo sie am verletzlichsten sind. 

EJB bekennt sich mit Regenbogen-Logo und ruft zur Beteiligung an CSDs auf 

Als Zeichen der Solidarität ändert die EJB im Juni ihr Logo in den sozialen Medien in Regenbogenfarben. Der Jugendverband ruft evangelische Jugendgruppen und weitere Jugendverbände in ganz Bayern dazu auf, sich aktiv an den CSD-Veranstaltungen zu beteiligen – durch Demonstrationen, Infostände oder kreative Aktionen. In Nürnberg und München sind Gruppen der Evangelischen Jugend seit Jahren feste Bestandteile der lokalen Pride-Programme. „Wir stehen für eine Kirche und Gesellschaft, in der alle Menschen in ihrer Vielfalt willkommen sind“, betont Malte Scholz. „Das erfordert mehr als Lippenbekenntnisse – es braucht Präsenz, Haltung und Schutzmaßnahmen, besonders wenn queeres Leben bedroht wird.“

Patrick Wolf
Referent #Kommunikation #Öffentlichkeitsarbeit #ejb