Umwelt im Kopf

Spielt die Psychologie im Umweltschutz eine Rolle?

Wie motiviere ich mich und andere Menschen zu umweltfreundlichem Verhalten? Welchen Einfluss haben Emotionen dabei? Und wie kann ich meine Vorhaben in die Tat umsetzen?

Die Umweltpsychologie erforscht, warum sich Menschen umweltfreundlich verhalten und wie dies gefördert werden kann. Neben technischen Lösungsversuchen für Umweltprobleme ist die Änderung unserer Lebensstile hochrelevant, da alle Menschen jeden Tag Entscheidungen mit Umweltrelevanz treffen: Welches Verkehrsmittel nutze ich für meine täglichen Wege und für meine Urlaubsreisen? Welche Lebensmittel kaufe ich ein? Engagiere ich mich für den Umweltschutz?

Für die Evangelische Jugend Bayern hat Nachhaltigkeit und deren Vermittlung einen hohen Stellenwert, wie unter anderem das große Interesse am Landesjugendkonvent in Pappenheim gezeigt hat. Aus umweltpsychologischer Sicht können für die Bildungsarbeit einige Empfehlungen gegeben werden:

Lösungsfokus: Handlungswissen kommunizieren
Wenn wir Wissen über Umweltprobleme oder umweltschädigendes Verhalten vermitteln, kann das ein erster wichtiger Schritt in der Umweltbildung sein. Mindestens genauso wichtig ist es, lebensnahe Handlungsalternativen zu vermitteln, wie man sich umweltfreundlich verhalten kann. Wenn wir beispielsweise erwähnen, dass Fernreisen mit dem Flugzeug einen großen CO2-Fußabdruck hinterlassen, können wir gleichzeitig erläutern, wie schöne, nahe Urlaubsziele mit der Bahn erreicht werden können. Idealerweise wird das gleich bei der nächsten Ferienplanung und Freizeit umgesetzt.

Vorbild sein
Alle, die in der Jugendarbeit tätig sind, können für die Teilnehmenden ein Vorbild sein. Wer sich selbst umweltfreundlich verhält oder auch nur davon erzählt, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Verhalten „abfärbt“.

Gemeinsam etwas schaffen
Gemeinsam ein nachhaltiges Projekt auf die Beine stellen, kann das Gruppengefühl stärken und großen Spaß machen. Dabei kommt es nicht auf die Größe des Projekts an, sondern darauf, dass die Gruppe das Gefühl entwickelt, gemeinsam etwas im Umweltschutz bewirken zu können. Kleine Projekte können zum  Beispiel ein vegeta­rischer oder veganer Kochabend in der Gemeinde oder eine gemeinsame Müllsammelaktion sein. Eine bereits umgesetzte gemeinsame Aktion der EJB war sicherlich der Bau der Weidenkirche in Pappenheim. (Pflegewochenende am 13./14. September. Siehe Beitrag auch auf S. 8)

Die Kraft der Emotionen
Wenn wir uns mit Umweltthemen auseinandersetzen laufen wir Gefahr, uns vor lauter angstmachenden Nachrichten hilflos zu fühlen. Mit unangenehmen Emotionen wie Ärger, Wut oder Angst sollten wir sorgsam und im richtigen Maß umgehen. Hat die Zielgruppe noch wenig Vorwissen über ein Umweltproblem, kann eine unangenehme Emotion die nötige Auseinandersetzung anstoßen. Jedoch sollte bei Bildungsveranstaltungen der Fokus im Allgemeinen auf angenehmen Emotionen liegen, da diese kreative Lösungen fördern und uns Lust machen, uns weiterhin im Umweltschutz zu engagieren.

Nachhaltigkeit als spirituelle Frage
Je mehr Nachhaltigkeit als eine spirituelle/religiöse Frage beispielsweise im Sinne der Verantwortung zur Wahrung der Schöpfung verstanden wird, desto fester wird Nachhaltigkeit als handlungsleitender Wert in die Identität der Evangelischen Jugend Bayern integriert.

Umweltfreundliches Verhalten erleichtern
Wo immer es nur geht, sollte umweltfreundliches Verhalten leicht umsetzbar sein. Vegetarisches/veganes Essen sollte lecker und günstig angeboten werden, Reisekosten zu Bildungsveranstaltungen mit Bus und Bahn sollten besonders ge­fördert werden.

Eine mögliche Gefahr im Rollenverständnis der Umweltpsychologie ist die ausschließliche Verantwortungsübertragung auf das Individuum. Die Politik ist gleichermaßen aufgefordert, nachhaltiges Verhalten einfach umsetzbar und so günstig wie möglich zu gestalten. Wenn beispielsweise eine Reise innerhalb Deutschlands mit der Bahn doppelt so teuer wie ein Flug ist, senkt dies die Wahrscheinlichkeit für umweltfreundliches Verhalten. Es braucht daher dringend, neben dem bereits stattfindenden Wandel in der Zivilgesellschaft, mutige politische Maßnahmen für mehr Klima- und Umweltschutz.

Julian Sagert


Der Autor Julian Sagert ist Referent im Wandelwerk Umweltpsychologie. Er studierte Psychologie und bildende Kunst und war Sti­pendiat im Cusanuswerk und im Umweltbundesamt.

Der Artikel von Julian Sagert baut auf dem Handbuch Psy­chologie im Umweltschutz (Hamann, Baumann, Löschinger, 2016) auf. Es ist anwendungsnah geschrieben und wurde   zur Vorbereitung des Landesjugendkonvents genutzt.

Kostenloser Download: https:// wandel-werk.org/Handbuch.html