Und jährlich

grüßt das Jesus-Kind …

Phil Connors ist ein TV-Wetteransager, der aus einem unbedeutenden Ort Amerikas vom „Tag des Murmeltiers“ berichten soll. Als er am Tag nach der Berichterstattung aufwacht, erlebt er etwas Merkwürdiges: Jeden Morgen um 6 Uhr wird er durch einen Radiowecker mit Fallblattanzeige geweckt, der den Song „I Got You Babe“ spielt, anschließend kündigen die Radiomoderatoren den Murmeltiertag an, denn es ist immer wieder aufs Neue der 2. Februar. In einer Endlosschleife erlebt Phil Connors immer und immer wieder denselben Tag. Es treibt ihn fast in den Wahnsinn, denn ab sofort heißt es für ihn:

„Und täglich grüßt das Murmeltier …“

Die Geschichte von Bill Murray als Phil Connors in der Hauptrolle des Kinoklassikers „Und täglich grüßt das Mumeltier“ steht für die ermüdenden Erfahrungen einer Routine, die wohl jeder schon gemacht hat. Ein Tag gleicht dem anderen. Auch die Weihnachtszeit hat für manche das Feeling einer ständig wiederkehrenden Routinezeit, die in zunehmendem Maße nervig wird: Adventsfeiern, Plätzchenbacken, volle Straßen, Geschenke planen und kaufen, Besinnlichkeit mit Ansage, Familie treffen – all das löst nicht nur Vorfreude aus, sondern führt eher zu einem Augen rollenden Seufzen: „Schon wieder grüßt die Weihnachtszeit…“. Da kann sich schnell das Gefühl breit machen: Was soll schon Neues kommen?

Und es stimmt schon: Wenn Weihnachten als Fest mit vielen sinnlosen Routinen erlebt wird, dann kann es genau dasselbe Gefühl auslösen wie bei Phil Connors: Wann ist dieser Wahnsinn endlich vorüber?

Phil Connors kommt aus seiner Endlosschleife erst heraus, als er sich Rita, einer Arbeitskollegin, anvertraut. Einer ihrer Ratschläge hilft ihm, in seinem festgefahrenen Leben Schritt für Schritt andere Ziele zu finden: Er beginnt, seine Tage sinnvoll zu verbringen und sich zu bilden. Dabei muss Phil jeden Tag Ritas Vertrauen von Neuem gewinnen, da er sich in sie verliebt hat. Es gelingt ihm, sich schrittweise zu einem besseren, selbstloseren Menschen zu wandeln, indem er diese Wiederholungstage für eine Art Selbsterziehung mit neuen Ideen, wie zum Beispiel fröhliches Jazzklavier-Spielen oder das Schnitzen von Eisskulpturen, nutzt. Vor allem aber findet er die Liebe mit Rita. Und die Zeitschleife endet. Endlich wacht er an dem lange ersehnten 3. Februar im von ihm schon gehassten Bett auf - diesmal aber an der Seite von Rita.

Könnte das auch das Geheimnis zum Ausstieg aus der nervigen Weihnachtsroutine sein? Anfangen, die Zeit für sich zu nutzen? Kleine Änderungen im Ablauf ausprobieren und dabei eine neue Perspektive auf die Weihnachtszeit gewinnen? Rituale nutzen, um achtsamer für sich selbst und andere zu werden?

Weihnachten ist ein Beziehungs-Fest

Entscheidend ist aber noch etwas ganz anderes: Bei Phil Connors bringt die Beziehung zu Rita die Wende, denn dadurch bekommt der „Murmeltier-Tag“ endlich Sinn für ihn. Er hat die Liebe seines Lebens gefunden. Weihnachten ist auch ein Beziehungs-Fest. Für die allermeisten ein Fest der Beziehungen im Familien- und Freundeskreis. Zuallererst ist es aber ein Beziehungsfest zu Gott, der in dem kleinen, menschlichen Kind Jesus Kontakt mit uns aufnimmt. Letztlich ist das Kind in der Krippe wie Phil Connors, der um die Aufmerksamkeit von Rita kämpft. Jedes Hören der Weihnachtsbotschaft wird so zu einem Versuch Gottes, das Herz des Menschen zu erreichen: Vergiss die ständigen Routinen, lass dein Leistungs- und Anerkennungsdenken einen Moment ruhen, mach die Augen auf für das, was wichtig ist. Lass dich berühren von dem Weihnachtswunder, dass das Licht über die Finsternis siegt, dass Gott das vermeintlich Schwache erwählt und dass du selbst verändert wirst, wenn du das Geschenk von Gottes Nähe auspackst.

Phil Connors macht die Liebe von Rita zu einem besseren Menschen. Die Liebe Gottes kann Menschen noch radikaler verändern. Es kostet etwas Mühe, diesen Kern von Weihnachten immer wieder freizulegen.

Ohne Zeit zum Innehalten und Hinhören geht das nicht. Aber wer in dieser Beziehung fündig geworden ist, der oder die will es wahrscheinlich nicht mehr missen: Wenn der Radiowecker anzeigt: Es ist der 24. Dezember 7 Uhr.

Tobias Fritsche
Landesjugendpfarrer