Unsere Stärke ist die Buntheit und Vielfalt

Neuendettelsau: Ökumenische Jugendkonferenz des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend in Bayern (BDKJ Bayern) und der Evangelischen Jugend in Bayern (EJB) über gemeinsame Glaubensthemen.

„Der Heilige Geist scheint ein Freund der Buntheit zu sein“, stellen die Teilnehmenden der 4. Ökumenischen Jugendkonferenz fest. Unter dem Motto „Weitergabe des Glaubens an die nächste Generation in freiwilligen Bezügen“, tauschten sich die leitenden Gremien des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend in Bayern (BDKJ Bayern) und der Evangelischen Jugend in Bayern (EJB) über Glaubensfragen am Wochenende in Neuendettelsau aus.

 „Als Evangelische und Katholische Jugend haben wir die gleichen Fragen und stehen vor ähnlichen Herausforderungen“, sagt Jens Hausdörfer, geistlicher Verbandsleiter des BDKJ Bayern. „Deshalb wollen wir uns gemeinsam auf den Weg machen und nach Antworten suchen“, ergänzt Katrin Vogelmann, die für die EJB im Vorbereitungsteam der Jugendkonferenz mitgearbeitet hat. „Die Jugendlichen kommen mit existenziellen Fragen zu uns“, stellen beide fest. Deswegen sei es wichtig, sprachfähig zu sein - und dies können wir gemeinsam angehen.

Dr. Thomas Popp, Professor für Praktische Theologie an der Evang. Hochschule in Nürnberg und Ausbildungsleiter in Rummelsberg, spricht in seinem Impulsreferat von „authentischer Glaubenskommunikation“. Er fordert mehr Glaubensmündigkeit und einen verantwortlichen Umgang mit Sprache. „Weder Jugendmitarbeitende, noch viele Jugendliche selbst haben eine Sprache, auf die sie zurückgreifen können, um das zu beschreiben, was sie glauben“, ist Popp überzeugt und spricht von einer „religiösen Sprachkrise“.

Die Sprache der Modalverben wie „die Jugendlichen dürfen, die Jugendarbeit soll, die Kirche muss“ versperrt die Seele und macht sie müde. „Wenn das zu häufig ist, wird die Seele nicht satt“, so der Referent. Deswegen sei ein sorgsamer Umgang mit der Sprache erforderlich. „Schließlich soll der Glaube anziehend sein.“ Auf die Glaubensfragen der Jugendlichen müsse man keine fertigen Antworten haben. Fragen sind für Thomas Popp vielmehr Brücken, um von einem Ufer zum anderen zu kommen.

Für Schwester Magdalena Winghofer CJ, Stadtjugendseelsorgerin in Nürnberg, spiegeln sich in den Fragen der Jugendlichen deren eigene Erfahrungen wider. Häufig wird sie gefragt: „Warum schminkst du dich nicht? Jeder hat doch irgendwelche Makel.“ Oder: „Wie gehst du mit Gewalt in der Bibel um?“ Diese Fragen sind für die Jugendseelsorgerin gute Anknüpfungspunkte für Gespräche. „Junge Leute suchen Erfahrungen und Orte, um sich mit ihren Glaubensfragen auseinandersetzen zu können“, sagt sie.
Sr. Magdalena ist überzeugt, dass der Glaube nicht zurückgeht. „Der Glaube ist da, was mir aber Sorgen macht, dass er nicht mehr im kirchlichen Kontext gesucht wird.“ 

Die Stärke der kirchlichen Jugendarbeit ist es, diese Räume und Orte zu schaffen, sind Katrin Vogelmann und Jens Hausdörfer vom Vorbereitungsteam überzeugt. „Wir haben etwas zu bieten und sind für die Jugendlichen gute Partner_innen, das müssen wir selbstbewusst herausstellen“, sagt Jens Hausdörfer. „Unsere Stärke ist die Buntheit und Vielfalt.“

Die vier Evangelien in der Bibel erzählen in ihrer Sprache und in unterschiedlichen Worten von der Fülle des Glaubens. Die Delegierten der Jugendkonferenz sind überzeugt: „Der Heilige Geist wirkt bei allen gleich, deswegen brauchen wir weniger die Kirche als Institution, als vielmehr die Gemeinschaft die Kirche in ihrer Vielfalt bietet.“ Im Sommer wollen die Leitungsgremien von BDKJ und EJB beraten, wie sie mit den Impulsen der Konferenz weiterarbeiten werden.

Für den BDKJ Bayern: Daniel Köberle, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Für die EJB: Christina Frey-Scholz, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Der BDKJ Bayern ist Dachverband katholischer Jugendverbandsarbeit. Erreicht wurden mit den offenen und gruppenbezogenen Angeboten sowie mit Veranstaltungen 624.532 Teilnehmer*nnen. Alle Zahlen der Leistungsstatistik: http://www.bdkjbayern.de/landesstelle/leistungsstatistik/

Die EJB ist Dachverband der evangelischen Jugendarbeit. Zur evangelischen Verbandsjugend gehören die Evang. Jugend in den Gemeinden und Dekanaten sowie ihre Mitgliedsverbände (CVJM, CJB, EC, ELJ, ejsa, VCP) Die Evang. Jugend in Bayern erreicht mit ihren Angeboten und Veranstaltungen etwa 250.000 Kinder und Jugendliche, ca.  17.500 junge Menschen engagieren sich ehrenamtlich in der EJB.