Wahlrecht ab 16 !

Die Perspektive junger Menschen ist für eine nachhaltig agierende Politik unerlässlich.

Seit Jahren fordern die Jugendverbände die Absetzung des Wahlalters.
Die Evang. Jugend in Bayern begrüßt die derzeitige Debatte um das Wahlrecht ab 16 Jahren. Bereits seit 2004 fordert die Landesjugendkammer (das höchste Entscheidungsgremium der EJB) in einem Beschluss die Absenkung des aktiven Wahlalters auf das 14. Lebensjahr. „Wir sind nicht gewillt, noch Jahrelang zu warten“, sagt Paula Tiggemann, die Vorsitzende des evangelischen Jugendverbands.

„Wahlen sind für uns Jugendliche kein Schnupperangebot oder Experimentierfeld, wie uns unterstellt wird, sondern echte Beteiligung, um unsere Demokratie und Gesellschaft mitzugestalten“, so die Vorsitzende. Junge Menschen möchten Verantwortung übernehmen. Sie nehmen weitreichende Entscheidungen, wie die einer demokratischen Wahl, keinesfalls auf die leichte Schulter, ist die Vorsitzende überzeugt. In der bayerischen Landeskirche dürfen junge Menschen schon ab 14 wählen. Damit habe man sehr gute Erfahrungen gemacht. Bei den bayernweiten Kirchenvorstandswahlen im Herbst 2018 waren die Jugendlichen immerhin die stärkste Wählergruppe. Begleitend zu den Kirchenvorstandswahlen nahm die Vorsitzende der EJB in vielen Gesprächen wahr, wie intensiv sich junge Menschen mit den Kandidierenden und somit auch den Themen ihrer Gemeinde auseinandergesetzt haben. „Ich würde mir so eine reflektierte Herangehensweise an Wahlen von allen Wahlberechtigten wünschen.“

Auch die U18-Wahlen zeigten eindrucksvoll das politische Engagement und Interesse Jugendlicher zwischen 14 und 18 Jahren. Bei der U18-Wahl zur bayerischen Landtagswahl gaben rund 61.000 unter 18-Jährige in mehr als 450 Wahllokalen ihre Stimmzettel ab. Diese hohe Beteiligung zeigt, dass Jugendarbeit ein hervorragender Ort gelebter Demokratie ist. Die hochwertige inhaltliche Arbeit der Jugendverbände befähigt Jugendliche dazu, sich eine fundierte Meinung zu bilden, die zu einer wohlüberlegten Entscheidung führt.

Wenn junge Menschen von den Wahlen, als zentrale politische Teilnahmemöglichkeit, ausgeschlossen sind, werden sie als Zielgruppe durch die Parteien und Abgeordneten nur in geringem Maße wahrgenommen und somit ihre Interessen nicht angemessen berücksichtigt. Der Bayerische Jugendring setzt sich für eine Absenkung des Wahlalters auf 14 Jahre ein, um die Politik dazu zu bewegen, sich stärker mit den Themen von Jugendlichen zu beschäftigen. Dies unterstützen wir als Evang. Jugend in Bayern seit 2004 im vollen Umfang.

„Die Perspektive junger Menschen ist für eine nachhaltig agierende Politik unerlässlich, sowohl was die Zukunftsfähigkeit angeht, als auch als selbstverständlich agierender Bestandteil der Gesellschaft von heute“, ist Paula Tiggemann überzeugt.

Christina Frey-Scholz
Öffentlichkeitsarbeit
4. April 2019