Wir könnten Berge versetzen

Marlene Altenmüller zum Thema „Klimaschutz und Nachhaltigkeit“

Schnell mal die Welt retten, so lautet das Thema des LJKo. Was kann die EJB tun?  
Ich erlebe die Evangelische Jugend als unglaublich dynamisch und mit ganzem Herzen und vollster Überzeugung engagiert - für ganz viele verschiedene Themen, aber eben auch für die Bewahrung der Schöpfung und den Klimaschutz. Die Power, die da in unserer Gemeinschaft steckt, kann sprichwörtlich Berge versetzen. Ganz konkret würde das hier zum Beispiel bedeuten: Die EJ vermittelt ein Problem- und Verantwortungsbewusstsein vielen, vielen jungen Leuten. Ganz praktisch lernen wir klimafreundliches und nachhaltiges Handeln im Kleinen. Aber genauso können wir als großer Jugendverband auch öffentlichkeitswirksam in Kirche, Politik und Gesellschaft Position beziehen und so hoffentlich das Thema auch im Großen voranbringen.

Ihr ruft zur klimafreundlichen Ernährung und Verzicht auf Fleisch bei Veranstaltungen der Landesebene auf. Sollen jetzt alle Vegetarier werden?
Einen Beitrag, den wir zum Klimaschutz leisten können, ist, den eigenen Konsum kritisch zu hinterfragen. Und Ernährung ist dabei einfach ein riesiges Thema: Vor allem der Fleischkonsum spielt ordentlich in die persönliche CO2-Bilanz mit rein. Ob 180 Leute am LJKo vier Tage Fleischgerichte und Wurst essen oder doch gute vegetarische Alternativen, das macht einen Unterschied! Außerdem ist das tatsächlich etwas, was wir in der EJ ohne großen Aufwand umsetzen können: Jedes Tagungshaus, wie auch Pappenheim, bietet mittlerweile vegetarisches Essen an.

Wir wollen ganz bestimmt keine Ernährungsideologie predigen. Das ist eine Entscheidung, die jeder Mensch für sich alleine treffen muss. Ich selbst bin auch keine Vegetarierin und will es auch nicht sein. Das ein oder andere Wochenende halten wir bestimmt auch mal ohne Fleisch aus. Wenn wir uns als EJB für Klimaschutz einsetzen wollen, sollten wir mit gutem Beispiel vorangehen.

Warum unterstützt die Evangelische Jugend die Klimaproteste?
Wenn wir sagen, wir seien evangelisch, bedeutet das: Aus unserer christlichen Überzeugung und Verantwortung heraus sollten wir es als selbstverständlich ansehen, Bemühungen zur Bewahrung der Schöpfung und zum Erhalt dieses Planeten zu unterstützen. Wenn wir sagen, wir seien  Jugend, heißt das: Es geht hier nicht um lustiges Protestieren und pubertäre Aufmüpfigkeit, sondern um unsere Zukunft. Wir wollen nicht unverantwortliches Ausbeuten und Zerstören „der Alten“ ausbaden müssen und einen Scherbenhaufen vererbt bekommen, sondern wir verlangen, dass jetzt gehandelt wird, wenn es vielleicht, hoffentlich, noch nicht zu spät ist!

Und Du selbst?
Bist Du eine Klimaaktivistin?

Im letzten Jahr habe ich mich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt. Das hat mich dazu gebracht, auch einige Änderungen im eigenen Leben vorzunehmen. Doch würde ich mich selbst aber nicht als Klimaaktivistin bezeichnen. Was die Jugendlichen, die jeden Freitag auf die Straße gehen, sich an verschiedene Aktionen beteiligen und die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit bald ein ganzes Jahr gebannt halten, das beeindruckt mich zutiefst. Da kann ich nicht mithalten. Ich bin zwar noch halbwegs jung, aber mittlerweile als Sozialpsychologin an der Uni tätig und fürchte, mich unter den Fridays for Future Aktivisten irgendwie fehl am Platz zu fühlen. Ich kann mich da eher mit den Scientists for Future identifizieren.

Vielen Dank für Deine Offenheit.
Christina Frey-Scholz