Wir leisten Relevantes für die Zukunft!

Die Corona-Pandemie wirkt wie ein Brennglas auf gesellschaftliche Probleme.

Sie hat gezeigt, dass die Wahrnehmung und Beteiligung von jungen Menschen nicht krisenfest ist. Zu diesen Ergebnissen kam im Mai 2020 u. a. die bundesweit angelegte JuCo-Studie. Sie legt dar, dass Jugendliche sich während des Lockdowns nur als Schüler_innen wahrgenommen fühlten und beklagten, dass sie kein Gehör fanden. Dazu kam, dass der Alltag von jungen Menschen tiefen Einschnitten unterlag: Schulalltag, Treffen mit Freund_innen, Vereinssport oder aber eben die Jugendarbeit waren nur noch eingeschränkt möglich.

Deswegen haben die Evangelische Jugend und die Evangelische Jugendsozialarbeit in diesem Sommer die Kampagne „Wir sind #zukunftsrelevant“ gestartet. In den zwölf Sommerferienwochen in Deutschland ist dadurch sichtbar geworden, dass wir für junge Menschen da sind und ihre Sommerferien allen Einschränkungen der Pandemie zum Trotz zu kreativen, bunten und erlebnisreichen Ferien gemacht haben.

Aber mal ehrlich: Ist der Slogan „Wir sind #zukunftsrelevant“ nicht eine totale Nabelschau und Eigenperspektive? Wir als Evangelische Jugend nehmen uns natürlich so wahr, dass wir schon heute gegenwartsrelevant für junge Menschen sind und darüber hinaus auch für die Zukunft. Aber ist der Beitrag der Evangelischen Jugend für Kirche und Gesellschaft denn wirklich zukunftsrelevant?

Fangen wir mal ganz banal an: Kinder- und Jugendarbeit, damit auch die Jugendverbandsarbeit, ist unserer Gesellschaft so wichtig, dass sie sie gesetzlich im Kinder- und Jugendhilfegesetz (SGB VIII) festgeschrieben hat. Sie soll eben nicht hinten runterfallen! Nach § 1 SGB VIII ist es das Ziel der Kinder- und Jugendhilfe (und damit auch der Kinder- und Jugendarbeit), das Recht auf Erziehung zu gewährleisten und die persönliche und soziale Entwicklung junger Menschen zu eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten zu fördern. Dazu sind Leistungen anzubieten, die junge Menschen gleichberechtigt zur Selbstbestimmung befähigen und zu gesellschaftlicher Mitverantwortung und sozialem Engagement anregen.

Genau das tun wir – vor, während und nach der Corona-Pandemie! In unseren Gruppen, Projekten und Freizeiten entwickeln sich starke Persönlichkeiten, die Freude am Leben haben und lernen, wie man gut miteinander umgeht. Durch Selbstorganisation, Mitbestimmung und demokratische Strukturen in der evangelischen Jugendarbeit üben Jugendliche und junge Erwachsene sich in Kirche und Gesellschaft einzubringen, ihre Stimme zu erheben und Forderungen zu stellen. Im ehrenamtlichen Engagement lernen sie, Verantwortung zu übernehmen und erfahren, selbstwirksam zu sein. Sie sind Teil der Kirche und gestalten sie auf unterschiedlichen Ebenen mit. Unsere Angebote und Projekte versuchen, die Lebensbedingungen von jungen Menschen positiv zu prägen und ihnen eine gute Zukunft zu ermöglichen. Wir bilden religiös, politisch oder kulturell und geben unseren Glauben weiter.

In der Evangelischen Jugend steckt großes Potential und junge Menschen wie auch ihre Lebensbedingungen sind relevant für unsere Gesellschaft und unsere Kirche. Dafür leistet evangelische Kinder- und Jugendarbeit einen relevanten Beitrag. Gerade deswegen ist es wichtig, dass wir dieses Potential, die Leidenschaft für junge Menschen, erkennbar machen und zeigen, was die Evangelische Jugend leistet. Wir sagen klar und deutlich, dass wir zukunftsrelevant sind und werden aus diesem Grund evangelische Jugendarbeit sichtbar machen. Das ist vielleicht das Problem: Wir leisten Relevantes für die Zukunft, aber es ist zu wenig wahrnehmbar. Deshalb trägt „Wir sind #zukunftsrelevant“ dazu bei, die Lobby der Evangelischen Jugend- und Jugendsozialarbeit zu stärken, damit sie mit guten Rahmenbedingungen erhalten bleibt und weiter ausgebaut wird. Denn Kinder- und Jugendarbeit ist relevant für die Gegenwart und Zukunft von Kirche und Gesellschaft.

Dr. Kathinka Hertlein

Dr. Kathinka Hertlein ist Referentin für Theologie und Jugendsoziologie bei der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V. (aej).