Zukunftsliebe als Evolutionsvorteil

Wie Paulus' Glücksgefühle Relevanz verschaffen

Entschuldige, wenn ich so direkt frage: Bist Du gerade verliebt? Umso besser. Selbst wenn nicht: Dieser Text ist für Dich, denn Zukunftsrelevanz fordert Deine Antwort.

Bei uns in der Evangelischen Landjugend erleben wir Corona als Katalysator. Entwicklungen beschleunigen sich. Was gut war, bleibt auch in der Pandemie gut. Was fragwürdig war, geht ein. Neues entsteht. Die Mission bleibt: Im Lichte des Evangeliums jungen Menschen auf dem Lande zu helfen, ihre Persönlichkeit zu entwickeln. Zukunftsrelevanz heißt für uns, die wirksamsten Wege zu diesem Ziel zu finden. So lernt Jugendbildung vom Online-Marketing, Gremienarbeit profitiert von Design Thinking.

Zurück zu Dir. Das ist jetzt wichtiger. Die Zukunft ist emotional. Bleiben wir positiv. Wo spürt man Verliebtsein? In der Magengegend? In der Brust? Im Hals? Im Kopf? Überall? Vielleicht legst Du diesen Text für ein paar Minuten zur Seite und versuchst, Begriffe für dieses Gefühl zu finden. Um Hoffnung zu gewinnen, müssen wir das Gute beschreiben. Verliebtsein fühlt sich gut an. Wer verliebt ist, schüttet im Gehirn Hormone aus: Oxytocin und Vasopressin, auch Dopamin und Adrenalin, alles Substanzen, die uns Glück und Energie spüren lassen.

Für die Zukunft werden wir das Gefühl von Glück und Energie noch brauchen. Dass überhaupt die Frage nach der Zukunftsrelevanz Evangelischer Jugendarbeit gestellt wird, verrät viel. Corona beschleunigt auch hier. Wird Jugendarbeit, diese einzigartige Form christlicher, demokratischer Gemeinschaft, die so vielen jungen Menschen so viel für ihr Leben gibt, auch in Zukunft von Bedeutung sein? Verrät die Frage nicht auch Zukunftsangst?

Selbst wenn! Ich feiere die Bibel als Schatz, weil unsere Fragen genau die gleichen Fragen der handelnden Personen sind. Paulus ist ein gutes Beispiel. Was, wenn nicht Zukunftsangst, mag ihn zunächst bewegt haben, die ersten Christen mit brutaler Gewalt zu verfolgen (Gal. 1, 13)? 

Dann das „Damaskuserlebnis“. Das Licht, das ihn umstrahlt, ist so stark, dass er vom Pferd fällt. Drei Tage kann er nichts sehen. Danach ist er verändert. Verliebt? In Jesus, dessen Ideen er so vehement verfolgt hatte? Von Zukunftsangst spüren wir nichts mehr, dafür Glück und Energie. „Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin“, schreibt er im Korintherbrief (1. Kor. 15). Und weiter „ich habe viel mehr gearbeitet als sie alle; nicht aber ich, sondern Gottes Gnade, die mit mir ist.“

Auf dem Weg nach Damaskus erkannte Paulus sich neu. Glück und Energie erfüllten ihn als Gottes Geschenk. Das Beste aber ist: In seiner Mission war Paulus jetzt erfolgreich. Wir wären sonst nicht Evangelische Jugend. Und unsere Mission Evangelische Jugendarbeit? Wir lernen von Paulus und freuen uns auf Glück und Energie. Auf einem Planeten, auf dem sich Kooperation als Evolutionsvorteil erwiesen hat, ist unsere Mission allemal zukunftsrelevant.

Manfred Walter
Landesreferent
Evangelische Landjugend in Bayern

 

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