Visionssuche

Was ist Visionssuche

Visionssuche ist ein großes Übergangsritual in der Natur.  Sie besteht heute aus drei Phasen:

  • Vier Tage der Vorbereitung. In dieser Zeit der Klärung sieht man sich genau an, wo man im Leben steht, was einen hergeführt hat und mit welchem Ziel man vier Tage mit sich allein in der Wildnis verbringen möchte. Es gilt Licht und Schatten des bisherigen Lebens zu sehen und anzuerkennen.
  • Vier Tage allein in der Natur. Diese Zeit wird ohne Zelt, fastend ohne Essen und allein, ohne Kontakt zu anderen Menschen verbracht. Vier Tage lang unter freiem Himmel mit sich selbst, den Wesen der Natur und Gott. Vier Tage lang bewegen die Teilnehmenden in ganz unterschiedlicher Weise und Intensität die Fragen: "Wer bin ich?" "Wo stehe ich?" "Wo will ich hin?" "An was glaube ich?" "Was sind meine Gaben?" "Was ist mein Auftrag?" "Zu welchen Menschen gehöre ich und was kann ich für diese Gemeinschaft tun?" Die Suchenden erleben sich eingebettet in die Wildnis der Natur und auf der Reise durch das Sehnen und Fragen, Zweifeln und Hoffen des eigenen Herzens. Mit jedem Moment werden in der einsamen Fastenzeit ein Teil dieser Fragen beantwortet. Ziel ist es, das Vergangene würdigend abzuschließen und damit frei und offen zu sein für Neues.
  • Vier Tage der Nachbereitung und Rückkehr. In der dritten, abschließenden Phase werden die reichhaltigen Erlebnisse der großen Reise aufgearbeitet. Die inneren und äußeren Erfahrungen, die die Suchenden während ihrer Zeit in der Wildnis gemacht haben kommen in ihrer  symbolischen, psychologischen und spirituellen Bedeutung zur Sprache. Der letzte Schritt der dritten Phase dient der Integration des Erlebten in das Alltagsleben.

Was geschieht also bei einer Visionssuche? Im besten Fall erlebt sich ein Mensch ganz unmittelbar und ohne eigenes Zutun als angenommen und getragen. Sinn des Rituals ist die grundsätzliche Anerkennung des aktuellen Lebenszustands, die Übernahme der Verantwortung für sich selber, die Identifikation mit der eigenen Geschichte, den eigenen Zweifeln und offenen Fragen. Licht und Schatten gehören zusammen. Der einzelne Mensch, der sich seiner Angst und Einsamkeit gestellt hat, kehrt verbunden mit der Natur und seinen Mitmenschen aus der Einsamkeit des Fastens zurück. Die verschiedenen Facetten des eigenen Lebens ausgewogen und realistisch anzuerkennen ermöglicht es, einen neuen Schritt im Leben zu tun und persönlich zu wachsen. Aus der tiefen Erfahrung der Verbundenheit mit dem umfassenden Ganzen, bestimmt der Mensch seine Rolle in seiner sozialen Gemeinschaft und seine Verantwortlichkeit neu.