"Bei uns nicht!?"

Sexueller Missbrauch innerhalb der Jugendverbandsarbeit? Bei uns doch nicht! Oder vielleicht doch? Sexueller Missbrauch in der Jugendarbeit, an Orten, an denen Kinder und Jugendliche eigentlich Frei- und Schutzräume finden sollten? Ein Handbuch zur Orientierung, zur Hilfe und zur Unterstützung der Arbeit vor Ort ist im Download verfügbar.
Herausgegeben wurde die Arbeitshilfe von der Landesjugendkammer der Evangelischen Jugend in Bayern und dem Amt für Jugendarbeit der Evang.-Luth. Kirche in Bayern.

Aktuelle Informationen

Seit Jahren ist die Evang. Jugend in Bayern aktiv in der Prävention sexuellen Missbrauchs unter dem Titel „Bei uns nicht!?“ So gibt es in den meisten Dekanaten Vertrauenspersonen, die als Ansprechpartner zu diesem Thema agieren. Bitte überprüft, ob Vertrauenspersonen in Euren Dekanaten benannt sind, bzw. sich Veränderungen ergeben haben und gebt die Adressen an Martina Frohmader weiter. So können die Vertrauenspersonen regelmäßig über Fortbildungen, Veranstaltungen und aktuelle rechtliche und fachliche Sachstände informiert werden.

Mitarbeitende der Evangelischen Jugend in Bayern sind aufgefordert einen Verhaltenskodex zu unterschreiben. Dieser kann heruntergeladen werden. Auch im Vorfeld von Maßnahmen ist es sinnvoll, sich mit dem Verhaltenskodex auseinanderzusetzen und entsprechende Absprachen und Regeln daraus abzuleiten.

Hauptberufliche sind gesetzlich verpflichtet, alle fünf Jahre ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorzulegen. Dies muss vom Arbeitgeber schriftlich eingefordert werden. Für die Beantragung ist ein Nachweis des Arbeitgebers notwendig. Ein Vordruck kann heruntergeladen werden.

Auch für einen Teil der Ehrenamtlichen ist jetzt klar, dass dieses Zeugnis vorgelegt werden muss. Allerdings muss die ehrenamtliche Tätigkeit einige Kriterien erfüllen. Auch sind dabei bestimmte Rechtsvorschriften (z. B. Datenschutz) zu beachten. Dazu müssen die kommunalen Jugendämter mit den Verbänden Verträge schließen. Wie die Umsetzung erfolgen soll, kann man zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Wir empfehlen deshalb auf die Reaktion der Jugendämter zu warten und nicht selbständig aktiv zu werden. Sollten Jugendämter auf Euch zukommen, bieten wir gerne Hilfestellung und Beratung für die Umsetzung an.
Info: Martina Frohmader, 0911 4304-261, frohmader[a]ejb.de
  

  1. Informationen zum erweiterten Führungszeugnis für Ehrenamtliche

  2. Handbuch im Download

  3. Kontakt zum Vertrauensteam Prävention gegen sexuellen Missbrauch

  4. Merkblatt für Freizeiten - Beratungsstellen

  5. Verhaltenskodex zum Unterschreiben, Teilnahmeliste für Vorbereitungstreffen zum Thema "Prävention gegen sexuellen Missbrauch"

  6. Vorlage für den Antrag auf ein Führungszeugnis

Auswahl aus dem Inhalt

Wissen - Grundinformationen - Zahlen - Täter und Täterinnen - Folgen für die Opfer - Mögliche Signale für sexuellen Missbrauch - Unser Auftrag als Christen - Standpunkte, Beschlüsse und Partnerschaften der Evangelischen Jugend in Bayern - Verhaltenskodex für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter - Aufgabe der Vertrauensfrauen und Vertrauensmänner - Beratungspartnerschaft zwischen evangelischer Jugendarbeit und Diakonischem Werk Krisenintervention - Krisenpläne - Rechtliche Grundlagen - Das Anzeigeverfahren Methoden, Übungen, Spiele und Medien für die Praxis - Andachten und Nachdenkliches - Sieben Präventionsgrundsätze - Grenzen erfahren - Selbstbestimmung und Selbstbehauptung - Geschlechterrollen - Arbeit mit Jungen und jungen Männern - Präventive Arbeit mit Mädchen und jungen Frauen - Kinder- und jugendgerechte Information über sexuelle Gewalt Gesetzestexte - Beispiel für eine Strafanzeige - Literaturhinweise - Medien - Liste der evangelischen Erziehungs- und Lebensberatungsstellen

 

 

Verhaltenskodex für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
Evangelische Jugendarbeit lebt durch Beziehungen von Menschen untereinander und mit Gott. Vertrauen soll tragfähig werden und bleiben. Es darf nicht zum Schaden von Kindern und Jugendlichen ausgenutzt werden.

  • Ich verpflichte mich, alles zu tun, dass bei uns in der evangelischen Jugendarbeit keine Grenzverletzungen,
  • kein sexueller Missbrauch und keine sexualisierte Gewalt möglich werden.
  • Ich will die mir anvertrauten Jungen und Mädchen, Kinder und Jugendlichen vor Schaden und Gefahren,
  • Missbrauch und Gewalt schützen.
  • Ich nehme die individuellen Grenzempfindungen der Mädchen und Jungen, der Kinder und Jugendlichen wahr und ernst.
  • Ich beziehe gegen sexistisches, diskriminierendes, rassistisches und gewalttätiges verbales, nonverbales Verhalten aktiv Stellung.
  • Ich selbst verzichte auf abwertendes Verhalten und achte auch darauf, dass andere in den Gruppen bei Angeboten und Aktivitäten sich so verhalten.
  • Ich respektiere die Intimsphäre und die persönlichen Grenzen der Scham der Gruppenmitglieder und Teilnehmenden sowie der Mitarbeitenden.
  • Ich versuche in meiner Aufgabe als Mitarbeiterin oder Mitarbeiter die sexuelle Dimension von Beziehungen bewusst wahrzunehmen, um einen verantwortungsvollen Umgang mit Nähe und Distanz zu gestalten.
  • Als Jugendleiterin oder Jugendleiter nutze ich meine Rolle nicht für sexuelle Kontakte zu mir anvertrauten jungen Menschen.
  • Ich nehme Grenzüberschreitungen durch andere Mitarbeitende und Teilnehmende in den Gruppen, bei Angeboten und Aktivitäten bewusst wahr und vertusche sie nicht. Ich weiß, dass ich Betroffene bei konkreten Anlässen kompetente Hilfe bei den beauftragten Vertrauenspersonen Verbänden und Dekanaten bekommen können.

Einstimmiger Beschluss der Landesjugendkammer der Evangelischen Jugend in Bayern am 08.02.2003

 

 

 

Krisenpläne

Was kann ich nun tun, wenn ich einen konkreten Verdacht
habe oder ein Missbrauchsopfer mir von seinem Erlebten
und Erlittenen erzählt hat?

Krisenplan im Verdachtsfall
"Ich habe so ein komisches Gefühl
ich habe einen Verdacht.
"
Folgende Schritte sollen Orientierung bieten:

  • Ruhe bewahren
  • Überlegen, woher kommt der Verdacht
  • Anhaltspunkte für den Verdacht aufschreiben (Verdachtstagebuch)
  • Eigene Gefühle, die durch den Verdacht ausgelöst werden, erkennen und benennen
  • Überlegen, wo Unterstützung geholt werden kann
  • Kontaktaufnahme zur Vertrauensperson im Dekanat oder Verband
  • Verbündete suchen, wie Kolleginnen und Kollegen und andere Mitarbeitende
  • Gegebenenfalls sich den Kindern und Jugendlichen als Gesprächspartnerin oder Gesprächspartner zur Verfügung stellen, allgemein und offen, ohne Aufdeckung
  • Auf keinen Fall sofort die Familie informieren, das weitere Vorgehen mit den Geschädigten abstimmen
  • Auf keinen Fall den vermuteten Täter oder die vermutete Täterin informieren
  • Sich, unterstützt durch die Vertrauenspersonen, professionelle Hilfestellung holen Eigene Grenzen und Möglichkeiten erkennen und akzeptieren

Krisenplan im Mitteilungsfall
"Hilfe, ich habe einen Fall, ein Opfer hat sich mir mitgeteilt!"
Folgende Schritte sollen Orientierung bieten:

  • Ruhe bewahren
  • Den Kindern oder Jugendlichen zuhören, Glauben schenken und sie ermutigen
  • Eigene Gefühle klären
  • Nicht überstürzt handeln und nichts versprechen, was man anschließend nicht halten kann
  • Aussagen und Situationen protokollieren
  • Weiteres Vorgehen ist alters-, geschlechts-, entwicklungs- und kulturbedingt
  • Kontaktaufnahme zur Vertrauensperson im Dekanat oder Verband
  • Keine Entscheidung über den Kopf des Kindes oder Jugendlichen hinweg fällen. Eine Strafanzeige aus eigener Motivation wäre weitere Gewalt.
  • Keine Informationen an den Täter oder die Täterin
  • Professionelle Hilfe suchen, wie sie durch die Beratungsstellen des Diakonischen Werkes Bayern angeboten wird (siehe hierzu auch den Abschnitt zur Beratungspartnerschaft)
  • Verbindliche Absprachen mit Betroffenen über das weitere Vorgehen treffen werden

 

Krisenplan (vermutete) Täter- oder Täterinnenschaft

"Hilfe, wir haben einen Täter oder eine Täterin im eigenen
Mitarbeitendenkreis!"

Es kann auch vorkommen, dass sich der Verdacht nicht nur auf Opfer richtet, sondern dass sich dieser auch auf potentielle Täter oder Täterinnen fokussiert.

Was tue ich, wenn ich vermute, dass Täter oder Täterinnen in meinem Umfeld handeln? Wie verhalte ich mich, wo bekomme ich Hilfe, und welche rechtlichen Schritte müssen eingeleitet werden?

Ziel muss auf jeden Fall sein:
Die Übergriffe beenden. Es besteht die Gefahr, dass die Beschuldigten sich einen neuen Wirkungskreis suchen können, wenn die Sanktionen nicht weit reichend genug sind.

Bei Beobachtungen und Informationsbeschaffung über die Täter oder Täterinnen dürfen die Kinder und Jugendlichen nicht aus dem Blick verloren werden. Ihr Selbstbewusstsein und Vertrauen muss durch entsprechende Gesprächs- und Hilfsangebote gestärkt werden.

Verdachtstagebuch:
Ein Verdachtstagebuch hilft, die eigenen Gedanken zu strukturieren und festzuhalten. Es ist bei möglichen Anzeigen unbedingt notwendig, zum Beispiel um Erzählungen des Opfers zeitlich genau wiedergeben
zu können.

Ein Verdachtstagebuch muss enthalten:

  • Genaue Dokumentation des Verhaltens, der Beobachtung, des Berichts des Opfers
  • Datum, Uhrzeit, Unterschrift der beteiligten Mitarbeitenden

Um fachliche Beratung einzuholen, solltet Ihr Euch auf jeden Fall an eine entsprechende Beratungsstelle wenden. Adressen von Beratungsstellen in Eurer Umgebung erhaltet Ihr bei Martina Frohmader, Tel. 0911 4304-261, praevention[a]ejb.de.